»Soll nicht wehtun« – Freiburger kreieren Chili-Pasten in Eigenregie Start-ups | 22.03.2026 | Till Neumann
Machen es scharf: Olivia und Horst
Lehmann in ihrer Produktionsküche
Der Name klingt frech: „Heul doch“. Die Chili-Produkte von Horst Lehmann (58) und seiner Tochter Olivia (28) sind jedoch nicht auf Schmerz ausgelegt. Die beiden Freiburger experimentieren mit außergewöhnlich scharfen Schoten – und setzen dabei auf Humor und Eigenanbau. Ein Besuch in ihrer Produktionsküche.
Die Töpfe dampfen. Horst Lehmann steht am Herd vor einem großen Topf voller Habanero-Schoten. Daneben arbeitet seine Tochter Olivia an einem Chili-Salz. Es wird gekocht und gerührt an diesem Montag in der Küche des Blumencafé in Freiburg-Lehen.
„Das hier wird eine Paste Heul Doch Classic – pure Habaneros, ein bisschen Öl und Zwiebeln, fertig“, sagt Horst Lehmann und rührt um. Rund 400.000 Scoville soll sie am Ende haben. Klassische Tabasco-Sauce hat nur bis zu 5000 Scoville.
Seit 2025 gibt’s die Heul Doch GmbH. Doch mit Chili-Schoten arbeitet Horst Lehmann schon lange: „Locker zehn Jahre.“ Erst verteilte er seine Pasten an Freunde. Dann stieg die Nachfrage so lange, bis klar war: Die beiden wollen es professioneller aufziehen.
Bei einem Halbmarathon kam Lehmann die Idee zum Namen. Auf einem Schild stand „Lauf, du Sau, heul später.“ Dennoch betonen beide: Wehtun soll ihr Produkt nicht. „Das ist nicht für Mutproben“, sagt Vater Lehmann. Es soll vor allem Spaß machen und schmecken. Auch deswegen bieten sie drei Stufen an: Leise mit 20.000 Scoville (7,50 Euro), Classic mit 400.000 Scoville (7,50 Euro). Und Extra mit 2 Millionen Scoville für 10 Euro. Wer sich die schärfste Variante kauft, bekommt den Hinweis: „Wir empfehlen diese Paste nur geübten Schärfe-Expert·innen ab 18 Jahren.“ Zudem gibt es im Online-Shop ein Chutney und pikantes Salz. Noch im März folgt eine BBQ-Sauce.

Basis ihrer Arbeit sind Habaneros. Als fruchtig und tropisch beschreibt Lehmann den Geschmack, „ein richtig gutes Aroma“. Angebaut werden sie im Freiburger Familiengarten, den vor allem Horsts Frau Bettina Lehmann betreut. Die Samen für ihre Schoten brachten die Lehmanns von Reisen mit. Fündig wurden sie etwa in New York, Sri Lanka oder Neapel.
Rund 600 Gläser haben sie bisher verkauft – bundesweit. Lehmann führt das auch auf die Herkunft zurück. „Freiburg hat einfach ein sehr sympathisches Image.“ Zu finden sind die Sachen im Heul-Doch-Online-Shop sowie in Läden in Freiburg und Hamburg. Dort leben die beiden: Olivia Lehmann arbeitet in der Hansestadt als Fotografin und kümmert sich bei Heul Doch ums Marketing. Horst ist das Gesicht der Marke und Produktionsleiter.
Der Rahmen soll überschaubar bleiben: „Das soll kein Heinz Ketchup werden“, betont Horst Lehmann und lacht. Dann drehen sie das nächste Video für ihren Instagram-Kanal. Vor der Kamera steht Horst Lehmann und preist auf lockere Art ihre Produkte an.
Von Social-Media-Challenges mit scharfem Essen hält er nix. Ihnen geht es um Genuss und gute Laune. Um Kund·innen vor fahrlässigen Experimenten zu schützen, haben sie ihre schärfste Paste teurer gemacht. Und gestehen: Sie haben das selbst noch nicht gegessen – einfach zu hot.
Ihre Lieblingsrezepte mit der Paste? „Ich find’s in der Pasta am besten“, sagt der Vater. Eine Löffelspitze in die Tomatensauce und fertig. Die Tochter empfiehlt Asia-Gerichte oder vegane Frischkäse-Brote. Das schmecke hervorragend.









