Trump, Tariffs, Talfahrt? – Wie südbadische Unternehmen und Verbände auf die US-Zollpolitik reagieren business im Breisgau | 19.05.2025 | David Pister
Der Schlingerkurs von Donald Trumps Zollpolitik sorgt in Südbaden für Unruhe – aber nicht für Panik. Viele Unternehmen beobachten die Lage abwartend, andere versuchen, ihre Lieferketten anzupassen oder neue Märkte zu erschließen. Klar ist nur: Trump bringt Unsicherheit.
Unternehmen setzen auf neue Märkte
„Die Lage ist unübersichtlich und gefährlich – viele Unternehmen befinden sich in Schockstarre“, sagt Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (WVIB). Laut einer WVIB-Umfrage von Anfang April will ein Viertel der Unternehmen mögliche Einbußen aussitzen. 29 Prozent setzen auf neue Kundenbeziehungen zur Kompensation. Nur 19 Prozent der Befragten geben an, langfristig die Produktion in den USA aus- oder aufbauen zu wollen.
„10,7 Prozent aller deutschen Exporte gehen in die USA. Das ist viel, aber nicht alles“, sagt Münzer. Ein Rückgang wäre bitter, aber kein Desaster. Gerade im Schwarzwald sind viele mittelständische Unternehmen stark exportorientiert. „Die USA kann man kompensieren. Wenn die sich mit allen anlegen, verlieren sie selbst“, sagt Münzer, „Trump ist ein Bully, der alles unnötig verkompliziert. Sein Kurs ist inkonsistent und wackelig.“ Einen Plan sieht der WVIB-Geschäftsführer nicht – nur Chaos. Aufregung über Donald Trump bringe aber nichts. Stattdessen müsse Deutschland wettbewerbsfähiger werden – durch niedrigere Steuern, weniger Bürokratie und sinkende Energiepreise.
„Trumps Zollkurs ist unberechenbar, niemand weiß, was in einer Stunde gilt“, sagt auch Iris Tauth, Geschäftsführerin der Bezirksgruppe Freiburg von Südwestmetall. Die 90-tägige Zollpause sollte genutzt werden, um mit den USA doch noch zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Gleichzeitig gelte es, alternative Handelsbeziehungen etwa mit Kanada, Indien, China oder den Mercosur-Staaten zu intensivieren. Im Dialog mit den USA brauche es aber auch die Androhung glaubhafter Gegenmaßnahmen: „Ein Zollkrieg darf jedoch nicht entstehen, da verlieren alle. Das Ziel muss ein Abkommen mit den USA sein, das die Zölle abwendet.“

In Südbaden gibt es viele Automobilzulieferer, die von den Zöllen getroffen würden. „Liefern diese weiter zu alten Preisen, zahlen am Ende die Verbraucher – mit sinkender Nachfrage und Produktion. Senken sie die Preise, um die
Zölle auszugleichen, bleibt kaum noch Marge übrig“, sagt Tauth. Langfristig könnten Unternehmen zwar Produktion in die USA verlagern, doch das sei ein langwieriger Prozess.
„Trumps protektionistische America-first-Politik stellt auch die exportorientierte Wirtschaft in unserer Region vor große Probleme“, wird Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) in einer Pressemitteilung zitiert. Die Einfuhrzölle auf EU-Produkte, die Trump angekündigt und derzeit pausiert hat, würden deutsche Waren in den USA erheblich verteuern. Die Folge: Unternehmen, die in Deutschland produzieren, seien unter diesen Bedingungen auf dem US-amerikanischen Markt kaum mehr konkurrenzfähig.
„Es ist traurig, aber wahr: Unter dem derzeitigen US-Präsidenten sind die USA kein verlässlicher Partner mehr“, sagt Salomon. Aus seiner Sicht lautet die wichtigste Lehre: „Europa muss zusammenrücken, der EU-Binnenmarkt gestärkt werden.“

Der Sensorbauer Sick AG mit Sitz in Waldkirch ist ein exportstarkes Unternehmen in Südbaden: „Sick generiert mehr als 80 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands. Daher sind wir auf stabile wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen angewiesen. Die von der US-Regierung angekündigten Strafzölle schaden der Weltwirtschaft“, sagt Mats Gökstorp, Vorsitzender des Vorstands. Der Handelskonflikt sei die Folge einer politischen Auseinandersetzung – die Bundesregierung sei gemeinsam mit der EU gefordert, eine politische Lösung zu finden.
„Sick ist international aufgestellt, das ist ein großer Vorteil. Wenn handelspolitische Maßnahmen in Kraft treten, können wir etwa Produktionslinien zwischen unseren globalen Standorten verlagern, um auf eine veränderte Geschäftsdynamik zu reagieren“, so Gökstorp.
Wie sieht es bei den südbadischen Unternehmen im Sanitärbereich aus? Etwa beim Bad- und Küchenarmaturenhersteller Hansgrohe mit Sitz in Schiltach: „Hansgrohe hat seit 1995 einen eigenen Produktionsstandort in den USA, ein Montagewerk in Atlanta“, teilt Pressesprecher Jörg Hass mit. Aus den primär von Hansgrohe gelieferten Komponenten werden dort die Endprodukte für Kundinnen und Kunden in den USA montiert.
Die Komponenten kämen zum allergrößten Teil aus Deutschland. „Durch die potenziell zusätzlichen US-Zölle würden sich die Kosten für Hansgrohe in der Region in diesem Jahr deutlich erhöhen, so dass eine Preiserhöhung für unsere Produkte in den USA unvermeidbar wäre“, so Hass.

Schätzen die Lage ein: Christoph Münzer (WVIB), Iris Tauth (Südwestmetall), Mats Gökstorp (Sick AG)
„Trumpf Nordamerika ist konkret betroffen durch den Import von Komponenten aus unserem mexikanischen Werk in Monterrey. Wir erwarten Mehrkosten im niedrigen einstelligen Millionenbereich“, teilt Rainer Berghausen, Pressesprecher der Trumpf-Gruppe, mit, die in Freiburg mit der Tochter Trumpf-Hüttinger rund 400 Menschen beschäftigt.
Noch größer sei die Bedrohung durch weitere Zölle, die Exporte aus der EU in die USA betreffen, da viele Waren aus Deutschland exportiert würden. „Grundsätzlich sind wir über die politischen Signale hinaus über Zölle auch deshalb besorgt, da sie inflationstreibend wirken. Viele Unternehmen warten aktuell nachweislich ab, was passiert, und stellen ihre Investitionen zurück“, sagt Berghausen.
Die Strategie bleibe von den gegenwärtigen Entwicklungen unbeeindruckt: zunehmend local-for-local für den wichtigsten Markt USA zu fertigen. „Wir produzieren bereits viele Maschinen in den USA und stellen eine Smart Factory fertig. All das ist nicht durch Zölle getriggert, sondern durch unsere langfristige Strategie, Lieferzeiten für unsere amerikanischen Kunden zu reduzieren und unsere Supply Chains resilienter zu machen. Außerdem arbeiten wir in den USA weiter daran, eine Supply Chain zu realisieren, die von Lieferungen aus China weitgehend unabhängig ist“, sagt Berghausen.
Der Messtechnikproduzent Testo mit Hauptsitz in Titisee-Neustadt exportiert etwa zehn Prozent seiner Produkte in die USA. „Die USA sind traditionell ein margenschwacher Markt, die Spielräume sind hier enger als anderswo, sodass wir aus Zusatzzöllen resultierende Preissteigerungen kaum an unsere Kunden weitergeben können. Als exportierendes Unternehmen wünschen wir uns verlässliche Rahmenbedingungen, diese sind aktuell aber kaum gegeben. Deshalb haben wir unsere Vorratspolitik in den USA angepasst und Produkte unter den aktuell geltenden Zöllen in die USA exportiert, um die Lagerbestände aufzustocken“, teilt Pressesprecher Kevin Rodgers mit









