Lizenz zum Zukunftgestalten – Badenova bilanziert stabil, investiert energisch und klagt gegen Naturenergie Unternehmen | 15.07.2025 | Lars Bargmann
Energiewender: Hans-Martin Hellebrand und Dirk Sattur
Rund 143 Millionen Euro hat der südbadische Energieversorger Badenova AG im vergangenen Jahr investiert. So viel wie noch nie. Der Umsatz gab im Vergleich zum Vorjahr zwar um 250 Millionen auf 1,456 Milliarden nach. Die Umsatzrendite aber kletterte von 3,38 auf 3,96 Prozent. Unterm Strich blieben 57,3 Millionen Gewinn.
50 Millionen schüttet die Badenova an ihre 98 Gesellschafterkommunen aus, über knapp 16 darf sich Freiburgs Finanzbürgermeister Stefan Breiter freuen. Die anderen 7,3 Millionen legt der Vorstand mit Hans-Martin Hellebrand und dem neuen Vize Dirk Sattur auf die hohe Kante.
Da werden sie auch gebraucht. Denn die Rekordmarke von 143 Millionen Euro wird nicht lange halten: Allein in diesem Jahr will Badenova rund 200 Millionen Euro investieren, wie Hellebrand bei der Bekanntgabe der Zahlen sagte. Die Eigenkapitalquote liegt aktuell bei 25 Prozent.
Bis Ende 2029 wird das Unternehmen, das zu 31,5 Prozent der Stadt Freiburg gehört, 1,1 Milliarden Euro investieren, bis 2050 stolze 4 Milliarden. Zum Großteil fließen die enormen Summen in die Infrastruktur. Etwa in den Aufbau eines Wasserstoffnetzes. 8,5 Kilometer sind es beim Projekt H2@Hochrhein berichtete Sattur: „Wir sind der einzige Verteilnetzbetreiber, der so etwas macht.“ Eine Vorreiterrolle.
Wasserstoff brauche man für die in der Region ansässige Chemie- und Pharmaindustrie sowohl als Energielieferant als auch als Grundstoff für die Produktion. Parallel läuft das binationale Projekt RHYn Interco, bei dem vorhandene Gasnetze zwischen Offenburg, Kehl, Freiburg und Fessenheim in Wasserstoffnetze umgebaut werden.
Investiert wird zudem in Wasser-, Strom- und Fernwärmenetze, in die Digitalisierung, in jährlich ein bis zwei Windparks und auch in weitere Firmenbeteiligungen. Im vergangenen Jahr hat sich Badenova 24,9 Prozent des Freiburger Energie-Datenspezialisten Mondas – ein Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, der Hochschule Biberach und der PSE GmbH – gekauft.
Für Sattur, der für den im Mai 2024 überraschend zurückgetretenen Heinz-Werner Hölscher (wir berichteten) neu auf der Kommandobrücke sitzt und nicht zuletzt für die Netze zuständig ist, sind die milliardenschweren Investitionen für den Wirtschaftsstandort Südbaden unerlässlich. Dafür brauche es eine Bevölkerung, die mitzieht. „Wenn wir zum Beispiel wegen der Konkurrenz um Flächen keine neuen Umspannwerke bauen können, schaffen wir auch die Energiewende nicht.“
Mit Haken und Ösen läuft derweil der seit nunmehr sechs Jahren schwelende Streit zwischen Badenova und der EnBW-Tochter Naturenergie Netze GmbH am Hochrhein weiter. Badenova hatte die Ausschreibung im Konzessionsverfahren in zehn Kommunen im Raum Lörrach gegen die Naturenergie gewonnen. Der Energieversorger hatte dagegen geklagt und schließlich vor dem Oberlandesgericht in Karlsruhe verloren.
Ende April hat die Badenova-Netztochter nun eine Stufenklage gegen den Konkurrenten eingereicht. „Dabei hatten die Gerichte bereits mehrfach und letztinstanzlich die ordnungsgemäße Vergabe der Konzessionen an badenovaNETZE bestätigt“, so die Badenova.
Die Konzessionsverträge mit den betroffenen Kommunen wurden im Oktober 2024 geschlossen und sind in Kraft. Damit ist Badenova vertraglich verpflichtet, den Netzbetrieb aufzunehmen. Das geht aber nur, wenn sie detaillierte Kenntnis über die Netze hat. Etwa, wo sie im Zuge der Übergabe getrennt werden können. Oder welche Anlagen (Umspannwerke, Trafostationen, Schalthäuser und Leitungen) für die Versorgung der Gemeinden notwendig sind. Dazu aber schweigt die Naturenergie. Das Gericht soll nun die Schweigemauer aufbrechen.
Eine Prognose zur Entwicklung der Preise für Gas und Strom könne Hellebrand nicht liefern, dazu seien die Märkte zu volatil.
Fotos: © Badenova











