Von der Biereinfalt zur Biervielfalt – Brauerei Ganter feiert 160-jähriges Bestehen Unternehmen | 08.08.2025 | Lars Bargmann

Ein Gemälde zeigt die Ganter-Brauerei in den 30er Jahren. Ein Gemälde zeigt die Ganter-Brauerei in den 30er Jahren.

Ein schöneres Geschenk hätte sich Detlef „Franky“ Frankenberger, Geschäftsführer der Ganter Brauerei, kaum wünschen können: Der Freiburger Familienbetrieb wurde im Jubiläumsjahr zum 160-jährigen Bestehen nun erstmals mit dem Bundesehrenpreis der DLG für herausragende Produktqualität ausgezeichnet die höchste Ehre für einen Brauer. „Das macht uns schon richtig stolz“, sagt Frankenberger, der seit Juli 2009 die Geschäfte führt. Am 30. August wird es eine große Party geben.

„Die Auszeichnung ist das Ergebnis des Engagements unseres gesamten Teams, das täglich daran arbeitet, nur die besten Biere zu schaffen“, erzählt Franken­berger, der eigentlich 2009 nur ein Zukunftskonzept für die Brauerei geschrieben hatte. Von der Familie aber direkt mit der Umsetzung als Geschäftsführer beauftragt wurde.

Zwölf Millionen Euro hat die Familie seit 2010 auf dem Gelände an der Schwarzwaldstraße allein in Technik investiert. Sich damit schlanker, fit gemacht für die Zukunft. „Sie haben sich entschieden, gesundzuschrumpfen. Das ist kein typischer Prozess, zu dem ich sie aber beglückwünsche“, hatte der damalige Landwirtschaftsminister Peter Hauk 2016 bei der Inbetriebnahme der neuen Flaschenabfüllanlage gesagt. Ganter habe mit den Investitionen und mit der Ausrichtung auf Spezialitäten den „erfolgreichen Weg von der Biereinfalt zur Biervielfalt eingeschlagen“.

Anderthalb Fußballfelder belegt heute noch die Brauerei, große Teile des Areals sind an den Schweizer Projektentwickler Artemis veräußert worden, der dort vor allem Mietwohnungen in die Höhe bauen will.

Die Bierbranche indes schrumpft: Lag der der Pro-Kopf-Verbrauch 1982 hierzulande noch bei 145 Litern, waren es im vergangenen Jahr noch 88. Allein von Oktober 2024 bis einschließlich Mai 2025 liegt Baden-Württemberg beim Bierabsatz stolze 12,2 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. „Wir liegen aber ein Prozent im Plus“, sagt der Geschäftsführer beim Besuch in der Redaktion. Knapp 14 Millionen Euro setzte die Brauerei im vergangenen Braujahr um. Die Eigenkapitalquote liegt bei sehr bekömmlichen 44 Prozent.

Das jüngste Kind in der großen Bierfamilie ist das Freiburger Bierle, das erste Start-up der Traditionsbrauerei, das zusammen mit der Agentur machn gegründet wurde. Das Der Neue beweise schon jetzt Stammspielerqualitäten.

Sich als kleine Privatbrauerei im umkämpften Haifischbecken zu behaupten, das gelinge nur, „weil die Familie die Investitionsentscheidungen, vor ein paar Monaten erst wieder 600.000 Euro für einen neuen Dampfkessel, mitträgt“. Investiert wird auch in eine bessere CO2-Bilanz: Seit Januar 2023 bezieht die Brauerei reinen Ökostrom, hat sich eine 120-kWp-Solaranlage aufs Dach geschraubt, nutzt Abwärme aus dem Maschinenhaus, hat E-Ladesäulen gebaut, baut peu à peu den Fuhrpark um.

Zum 160-Jährigen präsentiert die Brauerei eine Lokalbier-Sonderedition. Am 30. August feiert Ganter mit der Freiburger Bevölkerung das Jubiläum. 2 Tage und 160 Jahre zuvor hatte der damals 24-jährige Ludwig „Louis“ Ganter eine kleine Hausbrauerei in der Innenstadt gegründet.

Zu den Hochzeiten Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre verkauft Ganter 400.000 Hektoliter Bier. 1981 machte die Stadt Freiburg dem Geschäftsführer Hans Ganter ein besonderes Geschenk. Seither heißt die Tram-Haltestelle vor dem Areal: Brauerei Ganter. So bekannte sich das Freiburger Rathaus zur Brauerei und umgekehrt hat sich auch die Brauerei mit den Investitionen zum Standort Freiburg bekannt. Und ist seit der Gründung vor 160 Jahren bis heute eigenständig geblieben. 

Gemälde: © Brauerei GANTER