Höhlenwelten – Kühle Auszeit in Höhlen und Stollen Ausflüge & Reisen | 04.09.2025 | Marianne Ambs, Nicole Kemper und Reinhold Wagner

Mann in Höhle Foto: © freepik.com

Schon zur Römerzeit wurden im Schwarzwald Erze aus der Tiefe der Erde gewonnen. Im Mittelalter entstanden neue Silberbergwerke, die der Region wirtschaftlichen Aufschwung brachten. Einige dieser alten Stollen sind heute für Besucher zugänglich. Eindrucksvolle Zeugnisse geologischer Entwicklungen bieten die Tropfsteinhöhlen. An heißen Spätsommertagen sind die kühlen Museumsbergwerke und Höhlen ein lohnendes Ausflugsziel.

Schauinsland Museumsbergwerk

Schauinsland Museumsbergwerk

Unterirdische Zeitreise

Schon der Weg hin zum Stollen­eingang des Museumsbergwerks Schauinsland ist ein Abenteuer für sich. Der Kopf ist noch erfüllt von den luftigen Eindrücken der Seilbahnfahrt auf Freiburgs höchsten Gipfel, da führt ein schmaler Pfad hinein in eine andere Welt: vorbei an gnomenhaften, windschief gekrümmten und von Moosen, Flechten und Pilzen überwucherten Baumschraten, die gespenstisch aus der Nebelwand hervortreten. Halb verrottete Bagger und Schienenfahrzeuge säumen den Weg und erinnern an die über 800 Jahre Bergbaugeschichte, die das größte Besucherbergwerk des Schwarzwalds hinter sich hat.

Der Öffentlichkeit zugänglich sind von den einst 100 Kilometern an Stollen heute gerade einmal zwei Prozent – und das sind trotz allem immer noch zwei Kilometer, die sich auf mehrere Etagen verteilen und über Steigleitern miteinander verbunden sind.

Mehr Abenteuer im Rahmen einer bis zu 2,5 Stunden dauernden Führung geht nicht: Wer sich auf eine unterirdische Zeitreise wagt, der erlebt kletternd und sich unter Decken duckend, von denen das Wasser tropft, das Bergwerk hautnah. Und bekommt zum guten Schluss noch vorgeführt, wie es sich anfühlt, wenn die einzige Arbeitsbeleuchtung aus einem glimmenden Kienspan besteht.

Weniger Tritt- und Klaustrophobie-Sichere tauchen nicht ganz so tief ins Berginnere ein: Für Familien mit kleinen Kindern oder Geh-Beeinträchtigte gibt es eine Kurzführung auf einer Etage. Und auch dabei lässt sich hautnah Bergbaugeschichte erleben. Zudem warten Kindergeburtstage, musikalische Klänge, Märchen-­Führungen oder Krimi-Wanderungen auf die Gäste. Zum 50-­jährigen Vereinsjubiläum und 30-jährigen des Museumsbergwerks hat sich die Forschergruppe Steiber einiges einfallen lassen.

Info

Museumsbergwerk Schauinsland
Schauinslandstraße 390
79254 Oberried
Führungen: Di.–So.: 45-Min.-­Führungen zwischen 11.30 und 15.30 Uhr stündlich sowie zusätzlich Mi., Sa. u. So.: 1,5- + 2,5-Std.-­Führungen um 11 und 14 Uhr.
Sonderführungen für Gruppen und Kindergeburtstage ganzjährig auf Voranmeldung
schauinsland.de/museums-bergwerk

Foto: © Forschergruppe Steiber

Haslach „Segen Gottes“

Haslach „Segen Gottes“

Kristalle, Sinter, Haspelkammer

Schon vor 800 Jahren wurde im Kinzigtal Silber abgebaut. Von der jahrhundertealten Bergbaugeschichte zeugt noch heute die historische Silbergrube „Segen Gottes“, die zu den bedeutendsten historischen Bergwerken des Schwarzwaldes gehört. Auf drei Sohlen sind in der Grube silberführende Fluss- und Schwerspatgänge in seltener Schönheit erschlossen. Kristalldrusen, Sinter und Stalaktiten, wie sie sonst kaum ein anderes Besucherbergwerk im Land aufweisen kann, sowie mit Schlägel und Eisen herausgehauene, sehr gut erhaltene Stollen gehören ebenso wie historische Haspelkammern, Türstockverbaue und Arbeitsbühnen zu den Schätzen der Grube. In Begleitung eines Führers können große und kleine Besucherinnen und Besucher (schon ab vier Jahren) auf drei Sohlen des Bergwerks die Welt unter Tage entdecken – ausgestattet mit Grubenhelm, Lampe und Schutzkleidung. Klettern müssen die Abenteurer zwar nicht, einige Treppen gehören zur „Grubenfahrt“ aber schon dazu, und manchmal wird es auch ein wenig eng.

Im Gebäude nebenan befinden sich Umkleiden für die Bergwerksbesucher und die „Schnellinger Silberstub“. Hier gibt es Kaffee und Kuchen, ein zünftiges Vesper, regionale Gerichte und Souvenirs.

Info

Besucherbergwerk „Segen Gottes“
Silberbergweg, 77716 Haslach im Kinzigtal, Ortsteil Schnellingen
Führungen (bis 1. Nov.): Mi. bis So., 11.30 & 13.30 Uhr
Anmeldung erforderlich unter
Tel.: 0 78 32/7 06-1 72 oder online (begrenzte Teilnehmerzahl)
besucherbergwerk-segen-gottes.de

Foto: © Bergwerk Gottes Segen

Hasel Erdmannshöhle

Hasel Erdmannshöhle

Wo die Erdleute wohnen

Eine faszinierende Welt aus Stein finden die Besucherinnen und Besucher in der Erdmannshöhle Hasel im Gebirgszug Dinkelberg am Rand des Südschwarzwalds. Sie ist eine der ältesten Tropfsteinhöhlen in Deutschland: Seit mehr als 125.000 Jahren wachsen in der Höhle die Tropfsteine. Die vermessene Gesamtlänge der Höhle beträgt rund 2300 Meter, 360 Meter lang ist der Bereich, der besichtigt werden kann.

Eindrucksvoll muten die Riesentropfsteine an: Der größte wurde sogar im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. In mehr als hunderttausend Jahren ist er auf über vier Meter Höhe und (am Fuß) zwei Meter Dicke angewachsen. Ein besonderes Beleuchtungssystem taucht die Steine und Höhlenwände in blaues, rotes und grünes Licht. Stalaktiten und Stalagmiten sehen aus wie bizarre Gestalten, Märchen und Sagen entsprungen. Vielleicht auch deshalb ist die Höhle nach den Erdmännchen und Erdweibchen benannt, die in der Höhle einst gelebt haben sollen.

In der Nähe der Erdmannshöhle befindet sich die Tschamberhöhle beim badischen Rheinfelden, und auch der Eichener See bei Schopfheim, zu dem es eine unterirdische Verbindung gibt, ist nicht weit entfernt. Zudem gibt es bei der Erdmannshöhle einen Grillplatz, einen Spielplatz, einen überdachten Rastplatz und schöne Wanderwege.

Info

Erdmannshöhle Hasel
Wehrer Straße 27, 79686 Hasel
Öffnungszeiten (bis 2. Nov.): Sa., So. u. Feiertage, 10–16 Uhr (letzter Einlass 15.30 Uhr). In den Sommer- und Herbstferien auch werktags geöffnet
www.gemeinde-hasel.de

Foto: © Trefzger, Schopfheim

Münstertal Teufelgrund

Münstertal Teufelgrund

Silber, Faust & viele Legenden

Das einstige Silberbergwerk „Teufelsgrund“ in Münstertal gilt mit seiner mehr als 1000-jährigen Geschichte als das älteste unter allen 14 Besuchsbergwerken im Schwarzwald. Als hier im frühen Mittelalter Silber abgebaut wurde, entwickelte sich die Region zu einem der bedeutendsten Silberbergbaureviere nördlich der Alpen. Mit der Entdeckung Amerikas brach der Silbermarkt ein. Eng damit verbunden ist die Geschichte um den historischen Faust, der versprach, aus dem Material der Münstertäler Bergwerke Gold herzustellen, daran aber scheiterte.

Einen neuen Aufschwung erlebte das Bergwerk mit dem steigenden Bedarf an Fluss- und Schwerspat. Erst im Jahr 1958 stellte man deren Förderung ein. Bald danach wurde das Stollensystem im Münstertal als Besuchsbergwerk für die Nachwelt aufwendig wiederhergerichtet, unter anderem mit einem Asthma-Therapie-Stollen, der von Haut- und Atemwegserkrankungen geplagten Menschen Linderung verspricht.

Der Stollen ist heute auf einer Strecke von rund 700 Metern begehbar und – bis auf einen Abstecher auf eine höhere Sohle, der ausgelassen werden kann – ebenerdig und dadurch barrierefrei. Er kann – nach kurzer Einführung per Film – eigenständig begangen werden.

Info

Besuchsbergwerk Teufelsgrund ­
Mulden 71, 79244 Münstertal
Öffnungszeiten (bis 28. Oktober): Di., Do., Sa. 10–16 Uhr; So. u. Feiertage 13–16 Uhr
Zum Saisonabschluss am 30. & 31.10. wird im Berg auf spektakuläre Weise Halloween gefeiert, mit Gruselführungen und Festzelt.
Einlass nur mit Voranmeldung unter
Tel.: 07636/1450
www.besuchsbergwerk-teufelsgrund.de

Foto: © Reinhold Wagner

Sexau Grube Caroline

Sexau Grube Caroline

Mittelalterliche Arbeitswelten

Bei einer Führung in der Grube Caroline in Sexau entdecken Höhlengänger Spuren des mittelalterlichen Silberbergbaus und lernen die extremen Arbeitsbedingungen der Bergleute kennen. Um das begehrte Silbererz zu gewinnen, arbeiteten sie oft von Kindesbeinen an bis zu zwölf Stunden ohne Tageslicht in der feuchten Höhle.

Über 200 Jahre lang unter Schutt und Schlamm verschüttet und vergessen, engagieren sich seit 1985 Bergbaubegeisterte aus Sexau für die Ausgrabung und Instandhaltung der Grube. Sie bieten Führungen an und sind immer noch dabei, Gänge und Stollen auszugraben und zu ­sichern. Denn obwohl eine Führung unter Tage die Besucher fast zwei Stunden lang fesselt, ist der größte Teil der Grube noch immer unerforscht: Gerade ein Fünftel des gesamten Bergwerks ist bislang erschlossen.

Vor dem Abstieg in die Unterwelt gibt es an der Schautafel am Stolleneingang einen kurzen Abriss über die Geschichte der „Caroline“. Dann geht es über fest verankerte Metallleitern fast 30 Meter ­abwärts, sechs Sohlen gehen von den Schächten ab. 45.000 Tonnen Erde und Gestein wurden aus den Stollen herausgeholt, um die Grube im heutigen Ausmaß begehbar zu machen und die Zeugnisse alter Bergmannsarbeit freizulegen.

Info

Grube Caroline
Ortsteil Eberbächle, 79350 Sexau
Führungen (etwa 2 Stunden): jeden ersten Sa. im Monat (6. September, 4. Oktober und 8. November), 11 bis 15 Uhr
Eintritt frei, Spenden zum Erhalt des historischen Bergwerks willkommen
www.carolinengrube.de

Foto © Nicole Kemper

Wieden Finstergrund

Wieden Finstergrund

Mit dem „Zügli“ in den Berg

Südwestlich von Wieden, nahe Münstertal, nimmt der Bergmannsverein Finstergrund Wieden seine Gäste mit auf eine spannende Reise „unter Tage“ in das 1982 eröffnete Besucherbergwerk „Finstergrund“. Hier wurde im 13. Jahrhundert Silber und später, von 1922 bis 1974, Fluss- und Schwerspat abgebaut.

Eine lokale Besonderheit ist der mächtige, gut erhaltene Holzverbau, der die Decken und Wände der Stollen stützt. Einst transportierte hier die Grubenbahn mit schwer beladenen Loren das Erz ans Tageslicht. Heute bringt dieses historische „Zügli“ – liebevoll restauriert – Besucher hinein in den Berg. Im Rahmen einer Führung geht es knapp einen halben Kilometer per Bahn hinein ins Dunkle, bevor es zu Fuß und über mehrere Etagen nochmals einen Kilometer weiter auf Erkundungstour durch den Stollen geht.

Magisch wird es, wenn auf einmal im Dunkeln eine Auswahl an Mineralen im UV-Licht zu leuchten beginnt. Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten „Geopunkte“: die Ausstattung mehrerer Stationen mit beleuchteten Spots und Hinweistafeln, die Hintergrundinformationen liefern zu den geologischen Besonderheiten an dieser Stelle.

Wem die konstant frischen Temperaturen von plus 8 Grad im Stollen kalte Füße bescheren, kann sich danach aufwärmen: bei einer Einkehr ins gemütliche Bergwerk­stüble oder einem Besuch des Infozentrums.

Info

Besucherbergwerk Finstergrund & Infozentrum Bergbau & Geologie
Am Bergwerk 1, 79695 Wieden
Führungen (aktuell bis Ende Oktober): Mi., Sa., So. u. Feiertage um 10, 12, 14 und 16 Uhr. Das Bergwerkstüble hat an den gleichen Tagen von 11 bis 16 Uhr geöffnet
www.finstergrund.de

Foto © Schwarzwald Tourismus, Wieden Chris Keller