Jura im Winterkleid – „Hohe Winde“ mit Alpenblick Erkunden & erleben | 02.01.2026 | Beat Eglin

Ein Wintertraum: Alpenpanorama von der Skihütte „Hohe Winde“ Ein Wintertraum: Alpenpanorama von der Skihütte „Hohe Winde“

Im Winter zeigt sich der Schweizer Jura von einer besonders schönen Seite: Schneebedeckte Wälder, weitläufige Hochflächen und stille Täler formen eine Landschaft, die in der kalten Jahreszeit ihren ganz eigenen Reiz entfaltet. Die sanften Hügel und offenen Plateaus der Region bieten ideale Voraussetzungen für eine erholsame, aussichtsreiche Winterwanderung.

Für Wandernde aus Deutschland beginnt die Anreise zum „Vorder Erzberg“ mit dem Auto über die Grenze nach Basel. Obligatorisch ist für die Weiterfahrt auf der A2/A3 nach Süden Richtung Délemont eine (elektronische) Autobahn­vignette. Die Kulisse verändert sich rasch: Wohnquartiere weichen Feldern, Industriegebiete werden von Hügelketten abgelöst. Auf der Route 18 geht es weiter durch Zwingen, wo die Birs überquert wird und die Dörfer enger an die Füße der Hügel rücken. Mit dem Abzweig auf die Passwangstraße beginnt der eigentliche Aufstieg – die Straße wickelt sich in immer engeren Kurven am Hang empor. Jurafeeling macht sich breit. Nach einigen Spitzkehren geht es durch den kurzen Passwangtunnel. Auf der Südseite ist die Passhöhe erreicht: 946 Meter über dem Meer. Beim Restaurant Alpenblick in der ersten Haarnadelkurve wird deutlich, warum der Jura gerade im Winter so ein reizvolles Ziel ist: In den Tälern sammelt sich der Nebel und wirkt von oben wie ein geschlossenes Nebelmeer, aus dem die einzelnen Jurahügel wie Inseln herausragen. Bei gutem Wetter zeigt sich hier das beeindruckende Alpenpanorama zum ersten Mal und gibt einen Vorgeschmack auf die Weitblicke, die bei der Wanderung zu erwarten sind.

Von der Passhöhe aus fällt die Straße steil ab, bis bei einer markanten Abzweigung die Scheltenstraße erreicht wird. Die schmale, gewundene Strecke führt über den 1051 Meter hohen Scheltenpass – unscheinbar, aber landschaftlich eindrucksvoll. Ein paar hundert Meter weiter weist ein Schild nach rechts zum „Vorder Erzberg“. Dort, am Ausgangspunkt der Rundtour, liegt ein Bauernhof mit typischem Bergrestaurant und Parkmöglichkeiten. Mittwochs und donnerstags bleibt der Betrieb geschlossen, ein kleiner Selbstbedienungskiosk sorgt jedoch für unkomplizierte Verpflegung.

Die Alpenkette als weißes Band

Rechts hinter dem Restaurant weist ein gelber Wegweiser im rechten Winkel nach links den Zaun entlang. Mit diesem Abschnitt beginnt gleich der steilste Teil der Wanderstrecke. Gute Wanderschuhe sind hier obligatorisch. Doch nach dem kurzen, steilen Anstieg wird die Steigung sanft. 20 Minuten später folgt der nächste Wegweiser, es geht links Richtung „Hohe Winde“. Rechts fällt der Hang steil und bewaldet ab, doch der Fußweg führt in sicherer Distanz auf etwa gleicher Höhe weiter. Die angenehme Wintersonne wärmt, und fast durchgehend öffnet sich das Panorama über die sanften Jurahügel. Bei klarer Sicht begleitet die Alpenkette als weißes Band am Horizont.

Auf einem gut begehbarem Feldweg geht es abwärts; links ist die Straße des Scheltenpasses zu sehen.

Auf einem gut begehbarem Feldweg geht es abwärts; links ist die Straße des Scheltenpasses zu sehen.

Durch ein Drehkreuz geht es ein kurzes Stück durch den Wald, vorbei an der „Skihütte Hohe Winde“, die von Mai bis Dezember an den Wochenenden geöffnet ist. Das Panorama ist einzigartig. Doch es wird noch schöner. Hinter der Hütte führt der Weg durch ein weiteres Drehkreuz aus dem Wald. Nach wenigen Minuten ist der 1205 Meter hohe Gipfel „Hohe Winde“ erreicht – ein Aussichtspunkt mit Fernblick nordwärts ins Elsass, nach Basel und auf die Schwarzwaldhöhen. Nach Süden sieht man von hier aus bei klarer Sicht die weiß verschneiten Alpen. Wer die Tour hier beenden möchte, folgt dem gleichen Weg zurück und erreicht in 20 Minuten den „Vorder Erzberg“.

Wer weiterwandern mag, begibt sich vom Gipfeltriangel zurück auf den Fußweg Richtung Skihütte. Nach 50 Metern markiert ein Baum mit gelbem Rhombus die nächste Abzweigung: Im rechten Winkel zehn Meter abwärts und dann in den Feldweg einbiegen. Wer unsicher ist, geht fünf Minuten weiter bis zur Skihütte und biegt dort in den Feldweg ein. Der Weg folgt anschließend dem Weidezaun in gerade Linie bergab – stets mit dem schönen Alpenpanorama vor Augen.

Rutschiges Schnee­vergnügen

Wer jetzt einen Schlitten dabeihat, kann über die breiten Hänge hinuntersausen. Doch auch mit gut profilierten Winterschuhen, ist es ein Vergnügen, durch den weißen Schnee zu balancieren und ab und an zu rutschen.

Nach einer Rechtskurve wird das Gelände flacher. Links unten tauchen die beiden Erzberghöfe auf, rechts der Scheltenpass. Der Weg führt auf einem gut begehbaren Feldweg weiter abwärts durch einen lichten Wald. Noch eine scharfe Linkskurve, dann kann man sich nicht mehr verirren. Bald erscheint der Biohof „Hinter Erzberg 2005“. Von hier folgt ein kurzer Fünf-Minuten-Marsch auf der Straße zum Scheltenpass. Und dann geht es auf einem Fußweg in rund 20 Minuten auf der Waldkrete zurück zum Restaurant „Vorder Erzberg“. Alternativ zweigt nach einer Minute links ein Sträßchen zum Ausgangspunkt ab – oder man nimmt die Abkürzung über das Schneefeld, bei tiefem Schnee idealerweise mit Schneeschuhen.

Mit etwas Planung wartet am Ende der Wanderung vielleicht bereits ein warmes Hüttenessen im Bergrestaurant – ein ­passender Abschluss dieser aussichtsreichen Runde durch die winterliche Jurawelt.

Info

Rundtour „Hohe Winde“
Start & Ziel:
Bergwirtschaft Erzberg
Dauer:
1,5 Stunden, mit Hüttenpause oder Picknick 2,5 Stunden
Länge:
rund 8 Kilometer

Start und Ziel der Tour:
das urige Bergrestaurant Erzberg.

Start und Ziel der Tour:
das urige Bergrestaurant Erzberg.

Einkehrtipp

Bergwirtschaft Erzberg
Vorder Erzberg 57
4719 Ramiswil
Tel: +41 61 791 90 95
plektrench.wixsite.com/erzberg
Öffnungszeiten: Mo., Di., Fr.,
Sa.: 10–17 Uhr, So.: 9.30–17 Uhr Mi. & Do. geschlossen
Warme Küche unter der Woche 11–14 Uhr, So. u. Feiertage durchgängig

Fotos: © Beat Eglin