Tour de Murg – Flussradweg im Nordschwarzwald Erkunden & erleben | 12.07.2026 | Nicole Kemper
Ein Tag im Fahrradsattel mit vielen Natur- und Landschaftseindrücken, und das ganz entspannt: Willkommen auf der Tour de Murg! Auf dem familienfreundlichen Flussradweg können selbst Untrainierte entspannt den Schwarzwald durchqueren.
Von Baiersbronn bis Rastatt folgen die Fahrradfahrer dem Flusslauf von der jungen Murg bis zum begradigten Kanal. Dazwischen hat die Murg eines der tiefsten Täler des Schwarzwalds geformt und stetig wechselnde Landschaftsbilder geschaffen. Ihre beiden großen Quellflüsse entspringen im Nordschwarzwald und vereinigen sich oberhalb von Baiersbronn in einem breiten Wiesental. Im engen, wildromantischen Kerbtal im Mittelteil der Tour erleben die Radler lange Abfahrten vor imposanten Felskulissen. Bevor der Fluss als begradigter Kanal die Rheinmündung erreicht, fließt er an malerischen Viehweiden vorbei und streift die historische Altstadt von Gernsbach. Am Ziel der Tour verlockt die barocke Residenzstadt Rastatt zum abschließenden Sightseeing.

Mal sanft, mal wild, mal exotisch: Das Murgtal bietet facettenreiche Landschaftsbilder.
Neben ihrer Vielseitigkeit wartet die Radwanderung mit einigen weiteren Vorzügen auf, unter anderem mit ihrem Gefälle, das die gewohnte persönliche Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich anhebt, sowie mit der Möglichkeit, nahezu überall ein- oder auszusteigen. Die stündlich verkehrende Murgtalbahn zwischen Rastatt und Freudenstadt bietet mit 33 Haltestellen eine hohe Flexibilität auch bei der spontanen Umplanung. Ein weiteres Plus der Tour: Faltkarten, Smartphones und sonstige Navigationshilfen können getrost in der Tasche bleiben, denn die Beschilderung lässt nichts zu wünschen übrig. Und sollte man einmal ein Fahrradschild übersehen haben, bieten die Murg und die Bahngleise eine verlässliche Orientierung. Die Hauptrichtung ist ohnehin klar:
Es geht abwärts!
Als Startpunkte werden wahlweise Freudenstadt oder Baiersbronn angegeben. In Freudenstadt beginnt die Tour mit einer steilen Abfahrt und trifft nach der Fahrt durchs Christophstal in Baiersbronn auf die Murg. Von dort geht es am Murgufer entlang zunächst in den Ortsteil Klosterreichenbach. Ein Abstecher in den Ortskern erlaubt die Besichtigung des ehemaligen Benediktinerklosters mit einer romanischen Münsterkirche. Zurück auf der Tour gibt es Schwarzwaldpanorama pur: Der Radweg führt durch weite Wiesenflächen, hinter denen sich die bewaldeten Kuppen der Naturparkberge erheben. An einer Wassertretstelle bietet die erste von mehreren Fahrradstationen entlang des Wegs die Gelegenheit, den Reifendruck zu kontrollieren oder kleinere Reparaturen durchzuführen. Auch Picknicktische verlocken zum Halt, aber für die erste Pause ist es hier noch zu früh. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben – auf der gesamten Strecke finden sich noch viele weitere Aussichtsbänke und Rastplätze.

Natur & Kultur: Am Murgufer entlang.
Bei Huzenbach ist dann doch Beinkraft gefordert, auf einen kurzen heftigen Anstieg folgt zur Belohnung aber auch die Abfahrt. Hinter Schönmünzach wird mit einer kleinen Holzbrücke die ehemalige badisch-württembergische Landesgrenze passiert: Ein Nebenfluss trennte an dieser Stelle das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden. Auf den folgenden Kilometern verläuft der Radweg im immer enger werdenden Tal weit oberhalb von Fluss und Bahn durch schattige und felsige Waldgebiete. In diesem Abschnitt befindet sich die wildeste und einsamste Etappe der Tour; das Landschaftsbild ist von den kluftigen Granitformationen geprägt.
Zeit für eine kleine Kaffeepause
In Forbach ist Halbzeit; der Ort markiert den geografischen Mittelpunkt des Murgtals. Hinter dem Forbacher Ortsteil Gausbach folgt ein weiterer Anstieg entlang einer Ziegenwiese mit anschließender rasanter Abfahrt nach Langenbrand. Auf den Viehweiden fallen pittoreske Holzhütten ins Auge: Die uralten Heuhütten sind eine kulturhistorische Besonderheit des Murgtals. Sie wurden vor rund 300 Jahren von Tiroler Einwanderern „importiert“. Damals wurden die Wälder in den Murgseitentälern für die Weidewirtschaft gerodet; die kleinen Hütten dienten den Bauern als Heulager für den Winter.

Wild & einsam: Hinter Schönmünzach geht es durch felsige Waldgebiete.
Der wilde Abschnitt der Tour ist nun zu Ende, asphaltierte Nebenstraßen führen durch kleine Ortschaften nach Gernsbach. Eine gute Gelegenheit für eine Kaffeepause in der idyllischen Altstadt! Wer nach der langen Fahrt die Beine vertreten will, kann auf dem Stadtrundgang zwischen malerischen Fachwerkhäusern einige Entdeckungen machen. An den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Gebäuden finden sich Infotafeln mit Erklärtexten und QR-Codes für weitergehende Informationen. Besonders sehenswert ist das 1617/18 erbaute Renaissance-Rathaus, das zu den wichtigsten Wohnbauten dieser Epoche in Süddeutschland zählt. Die gegenüberliegende Uferseite hat eine besondere Attraktion für botanisch Interessierte zu bieten: Im tagsüber öffentlich zugänglichen Katz’schen Garten wandeln die Besucher durch eine verspielte Parkanlage mit einer exotischen Sammlung von Palmen, Bäumen und Stauden sowie Statuen, Brunnen und einem klassizistischen Gartenhaus aus dem Jahr 1846.
Rheinwärts rollen bis zum Ziel
Auf dem Weg nach Gaggenau lädt die Radfahrerkirche Hörden Menschen aller Konfessionen zu einem Moment der inneren Einkehr oder ganz einfach zu einem Picknick- und Wartungsstopp ein. In einem kleinen Anbau finden die Radler Informationen, Erfrischungs- und Reparaturmöglichkeiten. In Gaggenau führt der Radweg am Unimog-Museum vorbei – je nach Tageszeit kann man die Allradtrucks im Außengelände bei Testfahrten beobachten. Mit den Orten Bad Rotenfels, Oberndorf, Bischweier und Kuppenheim erreicht die Murg die Oberrheinische Tiefebene und umfließt das Stadtzentrum von Rastatt. Die Radwanderer erreichen hier das Ziel der Tour. Und auch für die Murg ist die Reise bald zu Ende. Sie fließt noch zirka sechs Kilometer weiter, bis sie am Rheinkilometer 344,5 in den Rhein mündet.

Bald ist Klosterreichenbach mit seiner romanischen Münsterkirche erreicht.
INFO
Tour de Murg
Start: Bahnhof Baiersbronn (oder Freudenstadt)
Ziel: Rastatt
Länge: 57 km (64 km)
Dauer: 5–6 Stunden
Aufstieg: 230 Meter
Abstieg: 842 Meter









