Für Genießer: Schnapsbrunnenweg in Sasbachwalden Freizeit in der Region | 09.07.2019 | Nicole Kemper

Schnapsbrunnentour

Hochprozentiges beim Wandern? Normalerweise ein No-Go im wahrsten Sinne des Wortes. Bei einer Schnapsbrunnentour in Sasbachwalden hingegen ist ein Probiererle Pflicht. Zum Durstlöschen finden Wanderer aber auch Wasser oder Säfte direkt am Wegesrand.

Auf einer Schnapsbrunnentour vom Weg abgekommen? Da fällt es schwer, den irrenden Wanderern keine alkoholgetrübte Wahrnehmung zu unterstellen. Doch man kann sich tatsächlich auch im stock-
nüchternen Zustand verlaufen: Einfach das Auto nicht auf dem überfüllten Schwimmbadparkplatz in Sasbachwalden abstellen, etwas weiter bergaufwärts parken – und schon verpasst die Gruppe den richtigen Einstieg und den ersten von insgesamt fünf Brunnen auf dem „Schnapsbrunnenweg 2“. Doch die grobe Richtung stimmt, und so taucht auch auf dem Irrweg schließlich die ersehnte Wegmarkierung auf: eine Flasche zwischen zwei Wellenlinien auf bordeauxrotem Grund. Ab hier kann nichts mehr schiefgehen.

Es geht gemächlich, aber stetig hinauf, und so schweifen die Blicke bald über sanfte Hügelschwünge hinweg in die Ortenau und die Rheinebene bis zu dunstig-bläulichen Vogesensilhouetten. Auf dem weiter ansteigenden Weg passieren die Wanderer Rebhänge und Streuobstwiesen. Das milde Klima in der Schwarzwald-Vorgebirgszone lässt außer Weintrauben auch Kirschen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen, Mirabellen, Quitten und Pflaumen bestens gedeihen – der Anbau der Früchte hat eine lange Tradition in der Region. Auch das Brennereiwesen in Sasbachwalden ist geschichtsträchtig, die Brennrechte der ortsansässigen Winzerfamilien reichen teilweise bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Wer die hochprozentigen Erzeugnisse direkt beim Hersteller kosten möchte, ist nicht auf Öffnungszeiten angewiesen: Auf der Gemarkung Sasbachwalden führen zwei ausgeschilderte Schnapsbrunnenwege von Hof zu Hof und zu üppig mit Getränken bestückten Brunnen. Ein nördlicher Pfad verläuft über eine Strecke von sieben Kilometern entlang der wildromantischen Gaishöllwasserfälle, der längere, südliche Rundwanderweg mit der Nummer 2 führt durch Wald- und Kulturlandschaft an fünf Brunnen und beeindruckenden Aussichtspunkten vorbei.

Das Einpacken eigener Getränkeflaschen erübrigt sich auf beiden Touren, denn alle paar Kilometer bieten die Brunnen außer Kirschwasser, Blutwurz, Obstler & Co. auch Mineralwasser, Bier, Wein und Limonaden. Durch ständig nachfließendes Quellwasser werden die Getränke auch bei hochsommerlichen Temperaturen auf natürliche Weise gekühlt und bieten durstigen Wanderern eine höchst willkommene Erfrischung. Für die kleinen Münzbeträge steht jeweils ein Kässchen parat.

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Birne, Zwetschge oder Kirsch: An fünf Schnapsbrunnen warten Probiererle auf die Wanderer.

Beim Etappenziel Hagenbergbrünnele befindet sich dieses etwa direkt am Sandsteinsockel, ein Rüttelreim fordert zur Nutzung auf: „Lab dich am Schnäpserl, das macht wieder froh, vergiss nicht zu werfen ins Kässerl ein halber Euro.“ Das Laben am Hagenberg ist offensichtlich nicht nur bei Wanderern beliebt: Am Stehtisch unterm Sonnenschirm treffen Lauffreudige auf sonnengebräunte Radler und auf motorisierte Sonntagsausflügler. Die frisch gestärkten Wanderer treten von hier aus die letzten 100 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt der Rundtour an, wo der Schnapsbrunnen an der Brandmatt mit einer überdachten Sitzecke zum längeren Verweilen einlädt.

Kurz darauf erwartet die Wanderer ein ganz besonderer „Naturpark-AugenBlick“. Am Hörchenberg weist eine Panorama-Fototafel auf die wunderbare Sicht über Sasbachwalden und die Rheinebene hin. Wer die Fernsicht lieber mit einem Gläschen in der Hand genießt, läuft hurtig weiter zum Schnapsbrunnen am Schlaffass, wo bei Bedarf sogar eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Inmitten der Weinberge, in der Nähe des Ferienhofes der Familie Wild, stehen mehrere 8000-Liter-Weinfässer, die ganzjährig vermietet werden. Aber auch die Durchreisenden können ihr eigenes Fasserlebnis zelebrieren, denn eines der ausrangierten Weinfässer dient als kuschelige Schutzhütte mit Ausblick aus dem Panoramafenster.

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Ein ausrangiertes Weinfass dient als Schutzhütte.

Der fünfte Schnapsbrunnen der Tour Nr. 2 ist nun nach wenigen Minuten Wegstrecke erreicht. Oberhalb der historischen Straubenhofmühle besteht noch ein letztes Mal die Gelegenheit, Birne, Zwetschge, Kirsche und mehr in flüssiger Form zu kosten, am rustikalen „Stammtisch für Fischer, Jäger und andere Lügner“ oder auch im Strandkorb. Der Rückweg gelingt ohne nochmaliges Verlaufen: Bergabwärts, immer entlang des Sasbachs, findet sich der Ausgangspunkt auch unter dem Einfluss des ein oder anderen Probiergläschens.

Info

Start: Schwimmbadparkplatz Sasbachwalden
Länge: 11,6 km
Dauer: 3,5 Stunden
Auf- und Abstieg: je 423 Meter

Zum Einkehren: Die Vesperstube „Zum Hagenbergstüble“ mit ihren gebackenen Forellen aus eigener Zucht, die Strauße „Dolle Frieders Burewirtschaft“ mitten im Grünen, das Restaurant „Im Spinnerhof“ mit seiner idyllischen Terrasse … Auf dem Weg locken zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. Wem das nicht reicht, der wird spätestens auf der „Badischen Genussmeile“ in Sasbachwalden fündig.

Fotos: © Nicole Kemper