Harte Arbeit: Hinter den Kulissen der großen Weinfeste Freizeit in der Region | 16.07.2019 | Tanja Senn

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Für die meisten Menschen sind Weinfeste zum Feiern da. Für manche sind sie jedoch harte Arbeit, etwa für Andrea Schlenk, Petra Littner und Thomas Senf. Sie organisieren die drei großen Bereichsweinfeste in Emmendingen, Breisach und Staufen.

„Kaum ist das Fest rum, schon beginnen die Vorarbeiten für das nächste“, sagt Thomas Senf. Andrea Schlenk und Petra Littner nicken zustimmend. Die drei Organisatoren sitzen an einem kleinen Tisch auf dem Emmendinger Marktplatz. Es ist April – noch mehr als drei Monate, bis das erste ihrer Weinfeste beginnt – und trotzdem sind die Planungen bereits in der Endphase.

Ein paar Winzer einladen und dann mit einem Gläschen in der Hand von Stand zu Stand schlendern – davon ist die Arbeit eines Weinfestorganisators weit entfernt. Manche Vorarbeiten beginnen schon Jahre vorher. „Ich kümmer mich bereits um die Bands für 2021“, sagt Schlenk. Ist die Musik für das Emmendinger Weinfest gebucht, geht es als Nächstes ans Essen: Die Bewerbungen der Imbissbetriebe müssen gesichtet werden. Die 56-Jährige setzt dabei gerne auf Neues. So ist dieses Jahr etwa ein südamerikanischer Stand am Start. Da winkt Senf vom Staufener Fest ab: „Ich wechsel die Betreiber nur selten. Bei neuen hatte ich schon Ärger, weil sie nicht sauber geschafft haben.“

Von solchen Erfahrungen profitieren alle Organisatoren. Regelmäßige Treffen, bei denen man sich austauscht, stehen daher fest im Terminkalender. Die Themen reichen dabei vom Festglas über die gemeinsame Werbung bis hin zu Versicherungsfragen. Auch die Sicherheit ist ein wiederkehrendes Thema, das in den vergangenen Jahren an Brisanz gewonnen hat. „Vor rund vier Jahren haben wir einen Notfallplan erstellt“, erzählt Littner vom Breisacher Weinfest, „damit waren wir unter den ersten Veranstaltern, die so etwas hatten.“ Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gehören auf den Festen Betonpoller sowie gezielt aufgestellte Blumenkübel und Palmen zum Sicherheitskonzept.

Glücklicherweise spiele Terror-Angst bei den Besuchern der Großveranstaltungen keine Rolle. Stattdessen entwickeln sich die Weinfeste verstärkt zu touristischen Anziehungspunkten. Immer mehr Busreisen nehmen sie in ihre Programme mit auf, Vereine planen Ausflüge hierher. Das setzt Neuerungen Grenzen. „Wir hatten überlegt, den Festumzug abzuschaffen“, erzählt Senf, „haben dann aber gemerkt: Das geht nicht – viele Touristen reisen extra dafür an.“

Weinfest-Macher

Die Köpfe hinter den Festen (von links): Petra Littner (Breisach), Thomas Senf (Staufen) und Andrea Schlenk (Emmendingen).

Die Orte profitieren davon: Während der Feste sind die Zimmer ausgebucht, die Campingplätze voll. Für die Anwohner ist es aber auch eine anstrengende Zeit. „Sie werden während der Festzeiten strapaziert“, so Littner. Ärger gebe es trotzdem selten. „Wenn die Menschen merken, dass man ihre Probleme ernst nimmt, lässt sich alles regeln.“

In Staufen hat Senf mit einer einfachen Maßnahme für mehr Ruhe gesorgt: Er hat alles Hochprozentige verbannt. „Wir sind jetzt ganz puristisch, bei uns gibt es nur noch Wein und Sprudel“, sagt der 61-Jährige, „dadurch haben wir weniger Sicherheitseinsätze.“ Für Schlenk und Littner kommt das nicht in Frage: In Emmendingen seien die Weincocktails besonders beliebt, in Breisach sei es zur Weinfestzeit oft so heiß, dass sich viele Besucher über ein Bier als Alternative freuen. Mehr Ausschreitungen sehen die beiden Organisatorinnen dadurch nicht.

Doch natürlich stehen auf allen drei Festen die Winzer im Mittelpunkt. In Emmendingen schenken sie mehr als 200 verschiedene Weine aus, in Staufen 300, in Breisach gibt es mit rund 400 das größte Angebot. Vorgaben bekommen die Weinbaubetriebe keine. „Jeder zeigt sein Sortiment“, sagt Littner.

Breisach mit seinen Lauben, Staufen mit den Zelten oder das Emmendinger Fest direkt in der Innenstadt (Bild oben): Jedes Weinfest hat seinen eigenen Charme. Doch können das auch die Organisatoren genießen? Schließlich sind sie oftmals auf dem Fest, bis auch der letzte Stand seine Luken schließt. Katerstimmung herrscht trotzdem keine. Und mit der Zeit lerne man eine gewisse Gelassenheit, wie Senf erklärt: „Es ist immer was – aber wenn man mal nicht da ist, löst sich das von ganz allein.“

Info

Markgräfler Weinfest in Staufen
2. bis 5. August
Breisgauer Weinfest in Emmendingen
16. bis 19. August
Weinfest Kaiserstuhl + Tuniberg in Breisach
30. August bis 2. September

Foto: ©  Martin Ziaja, tas