Sternstunden – Glanzvoller Klassiker im Winter Special for Homepage | 10.12.2025 | Frank von Berger

Weihnachtsstern

Der Weihnachtsstern erlebt ein Comeback: Einst als altmodisch verschrien, begeistert er heute mit neuen Farben, Formen und sogar als Hochstämmchen. Ob klassisch rot oder modern in Creme und Rosa – das edle Sensibelchen bringt festliche Stimmung und gute Laune in die dunkle Jahreszeit.

Dank moderner Züchtungen, mit neuen Farbvarianten und Wuchsformen (darunter auch Hochstämmchen), sind Weihnachtssterne inzwischen mehr als nur ein konventioneller Schmuck für die Fensterbank oder Dekoration auf der weihnachtlichen Festtagstafel. In den letzten Jahren ist das auch Advents- oder Christstern genannte Zimmergewächs schon fast zu einer neuen Trend-­Pflanze geworden. Botanisch heißt das Wolfsmilchgewächs Euphorbia pulcherrima, übersetzt: „Schönste Euphorbie“. Und in der Tat ist es eine wirklich schöne Pflanze, die stimmungsvolles, weihnachtliches Flair verbreitet.

Weihnachtsstern Weiß

Ob klassisch rot oder weiß: Es sind die farbigen Hochblätter, die beim Weihnachtsstern den Farbakzent setzen.

Die Wildform ist ein meist immergrüner, schwach verzweigter Strauch, der bis zu vier Meter hoch wächst und einen verholzenden Stamm ausbildet. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich vom Nordwesten Mexikos bis in den Süden Guatemalas. Inzwischen ist die Pflanze aber durch Verschleppung und Ansiedlung weltweit in fast allen Regionen verbreitet, die ein vergleichbares Klima wie am Ursprungsort der Art haben. So finden sich Vorkommen beispielsweise in afrikanischen Ländern wie Tansania, Kenia und Uganda, aber auch auf den Kanarischen Inseln, in Teilen Asiens, etwa in Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen, in Australien sowie – vereinzelt – auch im Mittelmeergebiet.

Steile Karriere eines stillen Sterns

Erstmals beschrieben wurde die Pflanze bereits 1561 vom spanischen Naturforscher und Arzt Francisco Hernández de Toledo, der das Gewächs am Naturstandort erblickte. Die dort lebenden Azteken nannten das Gewächs damals Cuetlaxochitl, was so viel wie Lederblume heißt. Alexander von Humbold und Aimé Bonpland brachten 1803 gepresste Exemplare in den Herbarien von ihrer Südamerika-Exkursion mit nach Berlin. Erste lebende Exemplare dieser Art führte der amerikanische Arzt, Botaniker und Botschafter in Mexiko, Joel Roberts Poinsett, um 1828 in Nordamerika ein. Er kultivierte sie in seinen Gewächs­häusern in South Carolina. Nach Europa kamen die ersten lebenden Weihnachtssterne im Jahr 1833 durch einen deutsch-ungarischen Botaniker, der die Pflanzen von Mexiko zuerst nach München schickte. Von dort gelangten sie als exotische Rarität in den Botanischen Garten Berlin. Schon im folgenden Jahr führte der ameri­kanische Pflanzenhändler Robert Buist die Art als Zierpflanze in Europa ein.

Die Wildform findet in warmen Regionen der Welt ideale Bedingungen, hier auf La Palma.

Die Wildform findet in warmen Regionen der Welt ideale Bedingungen, hier auf La Palma.

Bis der Weihnachtsstern als Zimmerpflanze eine steile Karriere machte, sollte es aber noch sehr lange dauern. Zunächst bot Anfang des 20. Jahrhunderts die deutsche Auswandererfamilie Ecke die Blüten der Pflanze in Kalifornien als Schnittblumen unter dem Namen „Weihnachtsblumen“ im Handel an. Die damaligen Sorten behielten ihre schmucken, rosettenförmig angeordneten, roten Blütenstände meist nur zehn Tage. Also gerade lang genug von Heiligabend bis Silvester. Die roten „Blüten“ sind dabei in Wirklichkeit nur um­ge­färbte ­Laubblätter. Die echten Blüten sitzen in der Mitte der Hochblätter, sind klein, grünlichgelb und eher unscheinbar. Neue Züchtungen brachten Mitte des 20. Jahrhunderts stärker verzweigte und daher buschigere und blühfreudigere Exemplare hervor, die sich nun auch als getopfte Zimmer­pflanzen eigneten. Sie ­wurden zu dieser Zeit in ganz Europa populär. Sie wachsen maximal 50 Zentimeter hoch und werden etwa 40 Zentimeter breit.

Sonnenliebende Sensibelchen

Durch züchterischen Fleiß und Einfallsreichtum entstehen immer neue Formen. Die Sorten der „Princettia“-Serie etwa sind relativ neu im Handel. Bei den auch unter dem Namen „Herbststern“ meist schon ab September erhältlichen Pflanzen handelt es sich um Kreuzungen von Euphor­bia pulcherrima und der verwandten Art Euphorbia cornastra. Sie überraschen mit Blütenständen in Pink, Rosa, Orange und strahlendem Weiß. Es gibt mittlerweile sogar Mini-Weihnachtssterne, die mithilfe chemischer Stauchungsmittel künstlich klein gehalten werden. Weihnachtssterne mit Glitter oder in blauen Farbtönen werden für diese besonderen Effekte mit Spray „veredelt“. Die bei uns gehandelten Weihnachtssterne kommen übrigens meist als kleine Stecklinge aus afrikanischen Anzuchtbetrieben und werden hierzulande auf Verkaufsgröße herangezogen. Mittlerweile ist der Weihnachtsstern eine der weltweit meistverkauften Zimmerpflanzen.

Weihnachtsstern Lachsrot

Lachsrot oder pink-weiß – durch züchterischen Fleiß werden immer neue Farben entwickelt.

Weihnachtsstern pink-weiß

Weihnachtssterne sind echte Sensibelchen. Damit die Schätzchen sich wohlfühlen, brauchen sie einen warmen und hellen, aber nicht prallsonnigen Standort. Kälte und Zugluft mögen sie gar nicht. Beim Gießen gilt: eher zu wenig als zu viel. Ideal ist ein wöchentliches Tauchbad, bei dem nur die Wurzeln, nicht aber die Blätter nass werden dürfen. Eine Düngung während der Blütezeit ist nicht nötig. Denken Sie aber schon beim Kauf daran, dass die Pflanzen immer mindestens 17 Grad brauchen. Packen Sie sie deshalb beim Transport nach Hause warm ein! Schon ein einmaliger, kurzer Kälteschock bewirkt, dass nach wenigen Tagen die Blätter fallen und die Pflanze eingeht. Wenn Sie aber bei Transport und Pflege alles richtig machen, dann ist das mehrjährige Wolfsmilchgewächs äußerst lang­lebig. Trotzdem werden die meisten Weihnachtssterne nach dem Verblühen über die Bio-­Tonne entsorgt.

Wer das nicht möchte und auf Nachhaltigkeit setzt, schneidet nach der Blüte die oberen Triebabschnitte mitsamt der welken Blütenstände bis auf drei oder vier Blattpaare ab. Hautkontakt mit dem austretenden Milchsaft sollte vermieden werden, denn der kann Reizungen hervorrufen! Ab und zu ein Schlückchen Flüssigdünger im Gießwasser schadet während der Wachstumszeit übrigens nicht. Schon bald bilden sich neue Triebe. Diese sollten alle sechs Wochen erneut eingekürzt werden, damit sich eine kompakte Wuchsform entwickelt. Ab August darf die Pflanze dann ungeschoren weiterwachsen, damit sich neue Blütentriebe bilden. Weihnachtssterne sind sogenannte „Kurztagspflanzen“. Damit sich Blüten bilden, muss deshalb ab Anfang Oktober die Belichtung eingeschränkt werden. Nur wenn die Pflanzen täglich mindestens zwölf Stunden in völliger Dunkelheit ohne Streulicht und Störung stehen, werden sie tatsächlich zur Blütenbildung angeregt. Für diesen „Schönheitsschlaf“ heißt es dann also entweder nach Feierabend ab in die Besen­kammer oder Sie stülpen jeden Abend einen Pappkarton darüber. Rechtzeitig zur Adventszeit, spätestens aber an Weihnachten, dürften dann neue Blütensterne erscheinen.

TIPP

Wenn Sie beim Kauf von Weihnachtssternen darauf achten, dass die kleinen, grünen Blüten in der Mitte der Hochblätter noch knospig und geschlossen sind, haben Sie länger Freude an der bunten Pracht!

Fotos: © freepik.com, Frank von Berger