Trüffel am Tuniberg: Gretzmeier Strauße in Merdingen Freizeit in der Region | 16.04.2019 | Philip Thomas

Gretzmeier

Gretzmeiers Strauße in Merdingen punktet mit zweierlei: mit Selbstgemachtem wie Flammkuchen, Rauchspeck oder Ofenbrot, vieles davon in Bio-Qualität, und mit Trüffeln aus den eigenen Weinbergen.

Seit 1986 bewirtschaftet das Ehepaar Gretzmeier seine Weinberge und seit 1989 eine Straußenwirtschaft am Tuniberg. Nur zwei Jahre nach der Gründung ihres Hofes beschlossen die beiden, den Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. „Ich bin vor 43 Jahren auf die erste müllfreie Schule in Merdingen gegangen. Dort lief ein großes Projekt zur Abfallvermeidung. Diese Zeit hat mich geprägt“, sagt Heinrich Gretzmeier heute. Die Umstellung und das Erfüllen aller Auflagen hat den 57-Jährigen einige Mühe gekostet: „Das war eine interessante Herausforderung.“ Pestizide vermisse er trotzdem nicht. „Das Einzige, was ich brauche, ist ein guter Boden“, sagt er. Und der sei am Tuniberg vorhanden: „Wir befinden uns hier auf einer Jurakalkscholle mit Lößauflage, das sind ideale Bedingungen.“

Von den Gegebenheiten in Gretzmeiers Weinbergen profitieren nicht nur Müller-Thurgau, Grau- und Spätburgunder. Zwischen den Trauben gedeihen auch Trüffel. „Der Anbau in Deutschland war Neuland“, sagt Gretzmeier bei einer Fahrt durch seine Reben. Auf die Idee, Trüffel am Tuniberg zu pflanzen, kam der Winzer vor 16 Jahren: „Ich war damals in Frankreich auf Weinprobe.“ Eine junge Dame habe ihm dort für knapp 500 Euro mit Trüffeln infizierte Haselnusssträucher verkauft. Zuerst wusste Gretzmeier mit den unscheinbaren Pflanzen nicht viel anzufangen. Heute sagt er: „Baum und Pilz leben in einer Symbiose zusammen, in der beide voneinander profitieren. Das ist wie in einer Ehe.“ Bis zur ersten Ernte an den Wirtspflanzen hat es dann noch eine Rosenhochzeit – also zehn Jahre lang – gedauert.

Das Warten hat sich gelohnt: Heute werden in Gretzmeiers Strauße hausgemachte Flammkuchen auch mit den kostbaren Knollen verfeinert. Dazu wartet Kartoffelsalat mit Schäufle, Salate aus eigenem Anbau sowie Hobelkäse mit Rauchspeck und Holzofenbrot auf hungrige Gäste. In der Wirtschaft wird nur angeboten, was Gretzmeiers auch eigenhändig herstellen. „Das ist viel Arbeit. Bis hin zum Teig aus Bio-Mehl machen wir alles selber“, sagt Elvira Gretzmeier.

Leckerli für Alba, Trüffel für Herrchen

Tatkräftige Unterstützung erhält Heinrich Gretzmeier auf seiner Suche nach den seltenen Pilzen von Hündin Alba. Die schneeweiße Lagotto Romagnolo mit dem lockigen Fell stammt aus der Trüffelhochburg Piemont. „Bei der Trüffelsuche atmet sie zweihundertmal so schnell wie gewöhnlich“, sagt Gretzmeier. „Maximal zwei Stunden am Tag hält Alba diese Anstrengung durch.“ Nach solch einem Arbeitstag habe sich die Spürnase stets einen Ruhetag verdient.

wintertrüffel

Zehn Kilo Trüffel hat Heinrich Gretzmeier vergangenes Jahr mit Hündin Alba aufgespürt.

 

Vergangenes Jahr hat das Duo so zehn Kilo Trüffel im Wert von knapp 8000 Euro aufgespürt. Doch nicht immer sei die Suche auf dem sieben Hektar großen Gelände von Erfolg gekrönt. „Manchmal findet man vier Wochen lang nichts und dann in 30 Minuten ein ganzes Kilo“, sagt Gretzmeier.

Im Gegensatz zum Wein sähe man den Erfolg bei Trüffeln, ebenso wie die kleinen Pilze selbst, nicht immer sofort: „Wir haben in dieser Angelegenheit wirklich ins Blaue investiert.“ Im Gegensatz zu Wein und Spirituosen sei man in Deutschland beim Thema Trüffel auch heute noch hinterher.

Dementsprechend sind Gretzmeiers oberirdische Gewächse, aus denen im Jahr knapp 80.000 Flaschen Wein und Schnaps in Form von Gin, Brandy und Wermut gewonnen werden, weiterhin das Hauptaugenmerk des Hofes. Nächstes Jahr soll das Gut an die beiden Söhne übergeben werden. Auch sie werden Kaffee und Cola wohl nicht auf die Karte nehmen. Ihre Mutter bekräftigt: „Wir sind schließlich eine richtige Strauße. So wie es sein soll.“

Info

Wein- und Sektgut Familie Gretzmeier
Wolfshöhle 3
79291 Merdingen
31.3. – 10.5. & 25.8. – 2.11. ab 17 Uhr
So. ab 16 Uhr, Sa. Ruhetag

www.gretzmeier.de

Fotos: © Weingut Gretzmeier,  Pixabay