Wanderung durch die Wiesen und Wälder bei Biederbach Freizeit in der Region | 13.09.2019 | Wolfgang Speer

Herbststimmung Selbig

Eine besondere Wanderung zwischen Selbig und Illenberg führt durch eine zauberhafte Landschaft, geprägt von ursprünglichen Bauernhöfen, vielen Wiesen und natürlichen Wäldern. Fantastische Aussichten wechseln sich dabei permanent ab.

Zu allen Jahreszeiten ist die Landschaft um Selbig und Illenberg sehenswert. Beide Siedlungen gehören zu Biederbach, eine weit gestreute Gemeinde mit vielen Höhenlagen. Die Wanderstrecke startet am Gasthaus Bäreneckle in Selbig. Wanderer, die einkehren, dürfen hier parken. Etwas unterhalb, am Wegzeiger mit Liegebank, erfreut eine herrliche Aussicht, die die Ruhe und Weite der Landschaft vermittelt. Der Weg führt über die Straße abwärts bis zum ersten Bauernhof auf der rechten Seite, dort geht’s links in Richtung Wald. Die sattgrüne Landschaft zeigt sich hier in einladender Perspektive, rechts erinnert ein Bildstöckle aus Sandstein an die Frömmigkeit der Menschen.

Die blaue Raute führt in den Fichtenwald, der Duft der Nadeln schmeichelt der Nase. An einer Kreuzung steht rechts ein großes Kreuz, gestiftet von der Familie Weber. Hier geht’s geradeaus weiter. Beim Verlassen des Waldes lässt sich die schöne Hochlage bis hinüber zur Kapelle am Hörnleberg bei Bleibach überblicken. Unterhalb stehen zwei Bauernhöfe und Milchvieh auf der Weide.

Der Weg führt nun in einen schönen Buchenwald. Imposant recken sich die Stämme in die Höhe. Das Sonnenlicht in den Blättern funkelt – es lohnt sich, einen Moment innezuhalten, um die Stille zu genießen. Nach diesem Waldbad passiert der Weg einen Hof mit Neubau, dessen Bewohner den Eingang mit vielen Blumen und Accessoires geschmückt haben, links blüht der Bauerngarten. Ein paar Schritte weiter die andere Form des Landlebens: Ein sehr altes, bewohntes Haus macht auf sich aufmerksam. Mit marodem Schuppen rückseitig und dem von Obstbäumen umrahmten Back- und Brennhäusle strahlt es eine gewisse Idylle aus. Hier zu wohnen hat sicher Vorzüge, doch zum Einkaufen sind die Wege weit.

Kurz vor dem nächsten Wäldchen heißt es zurückschauen: Der Ortsteil Selbig mit seiner offenen Landschaft zeigt sich besonders harmonisch, es lohnt sich, ein Bild zu machen. Der folgende Waldbereich mit bemoosten Rändern ist schnell passiert, schon tauchen die Häuser von Illenberg auf. Ein Wartehäuschen mit Briefkasten und ein Wegzeiger markieren den Ortseingang und fordern auf, Illenberg zu erkunden. Locker stehen die Häuser verteilt, links in der Ferne zeigt sich der Turm des Brandenkopf.

Wanderung Selbig

Blühende Blumen begleiten den Wanderer unterwegs auf den Weiden und in den Bauerngärten der kleinen Ortschaften.

Auffallend sind die vielen gepflegten Gärten, manchmal nur mit Blumen, gelegentlich mit Gemüseanbau. Dazwischen einige ältere Bauernhöfe, so zum Beispiel der Pfaffenhof, der sicher altes Brennrecht besitzt und Schnäpse in einer Vitrine anbietet. Auch ein steinernes Backhäusle mit efeubewachsener Tür erscheint interessant. Gewiss könnte dieses eine Menge Geschichten erzählen. Danach links ein großer, sehenswerter Bauerngarten. Im Gespräch mit der Bäuerin meint sie: „Ja, das macht halt schon viel Arbeit, aber es erfreut mich und immer wieder die Wandersleut.“ Bei den letzten Häusern lässt sich ein renoviertes Wegekreuz mit Kruzifix bestaunen, dann verlässt man den lieblichen Ort. Der Teerweg endet, es geht Richtung Tannenwald. Ein Blick zurück zeigt Illenberg von Osten. Auffallend sind die vielen Streuobstbäume, in der Ferne grüßt die Kapelle vom Hörnleberg.

Der breite Waldweg führt nun mit blauer Raute etwa 800 Meter bergab, bevor in einer Lichtung ein Hinweisschild rechts zur Steinmühle weist. Die gelbe Raute zeigt nach unten, in wenigen Minuten ist die Mühle erreicht. Hier führt der befestigte Weg, vorbei an einer im Fels befindlichen Mariengrotte, zur Kreisstraße. Nach Überqueren des Breienbachs, einem munteren Bächlein mit klarem Wasser, ist der leichte Teil der Tour zu Ende.

Pfifferlinge am Wegesrand

Entlang an Weiden mit Rindern und Schafen steigt der Weg jetzt an. Die Sonne scheint kräftig, doch im schattigen Wald ist es angenehm. Die Wegränder sind mit Moos bewachsen, ein Revier für Pfifferlinge. Und tatsächlich, etwas später lassen sich einige dieser schmackhaften Pilze finden. Der Weg verflacht und führt aus dem Wald heraus. Einsam, aber reizvoll steht hier der Rauchenjörgen-Hof. Die Familie Schätzle sitzt im Hof beim Nachmittagskaffee. Ein kleines Mädchen am Weg macht lächelnd auf zwei weidende Kühe aufmerksam und meint: „Die vorne ist die Gisela, dahinter die Ottilie.“ „Schön, dass die Tiere Namen haben“, lautet die Antwort und schon ist ein Gespräch im Gange. Ein Gruß zum Abschied an die Bauersleute, dann kurz bergauf, mit Stopp am wunderbaren Wegkreuz, das zum Hof gehört: Das reich verzierte, mit einem Dach geschützte Kruzifix erinnert an die Vorfahren des Hofes.

Kreuz Wanderung Selbig

Das reich verzierte, mit einem Dach geschützte Kruzifix erinnert an die Vorfahren der Familie Weber.

Der nächste Wegweiser zeigt das Bäreneckle an, nach weiterem Anstieg kommt eine Kreuzung, dort geht’s entlang der gelben Raute links in ein kurzes Waldstück. Vorbei an endlosen Wiesen zeigt eine fantastische Aussicht die andere Seite dieser Hochlage. Vor dem Singlerhof weist die gelbe Raute unübersehbar nach oben. Der Wiesenweg leitet kurz ansteigend in ein schattiges Gebüsch, darin geht es leicht nach oben, nach wenigen Minuten taucht ein Weideweg auf. Jetzt führt die Strecke schlängelnd durch die Wiesen. Nach wenig Anstieg zeigt sich das nahe Ziel. Sonne im Freien und Schatten im Wald sorgten für Abwechslung bei dieser erlebnisreichen Tour. Wohlverdient darf man sich auf die reichhaltige Vesperkarte freuen.

Info

Dauer: 2 ½ Stunden
Länge: 8,5 Kilometer
Auf- und Abstieg: je 195 Höhenmeter

Fotos: © Wolfgang Speer