Bienvenue in der Kulturhauptstadt – Roadtrip Kanada, Montréal Reise-Special | 28.08.2026 | Lars Bargmann
Über Toronto und Ottawa kommen wir in Montréal an. Zur Rush Hour. Auf den Straßen der Zwei-Millionen-Metropole geht es nur stockend voran. Deutlich schneller schlägt in der zweitgrößten Stadt Kanadas das Thermometer aus: Am 18. April hatten wir sonnige 23 Grad, am 20. April noch bissige 3 Grad. Und wenn es oben zu frisch wird – im Winter liegt die Temperatur oft wochenlang 20 Grad unter dem Gefrierpunkt –, dann leben die Montréaler eben untertage. Die Ville intérieure ist mit zehn U-Bahn-Stationen und Hunderten von Läden, Restaurants und Kinos auf einer Gesamtlänge von 32 Kilometern das längste Tunnelnetzwerk dieser Art weltweit.

Leinen los am St. Lorenz: Montréals Jachthafen mit Skyline-Blick und Großstadtflair.
Montréal ist benannt nach dem stadtbildprägenden 233 Meter hohen Bergkamm. An seinem Osthang erstreckt sich der Parc du Mont-Royal mit beeindruckendem Blick über die Stadt. Geplant wurden die 190 Hektar übrigens von Frederick Law Olmsted, der auch den New Yorker Central Park entworfen hatte. So hoch wie in New York dürfen die Gebäude hier aber nicht sein: Nach einer städtischen Bauordnung darf kein Gebäude den Gipfel des Mont Royal überragen.

Wohnen in der Stadt: typische Reihenhäuser
Überaus freundlich sind sie hier in Montréal, egal, ob im Hotel – wo das zum guten Ton gehört –, auf der Straße, im Restaurant, beim Fahrradverleiher oder am Nebentisch im Straßencafé. Der älteste Stadtteil, seine Grenzen entsprechen grob der einstigen Stadtmauer, ist Vieux-Montréal am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms. Am Alten Hafen (Vieux-Port) laden ehemalige Pier-Anlagen an der Uferpromenade zum Lustwandeln ein, weithin sichtbar ist der unter Denkmalschutz stehende Uhrenturm Tour de l’Horloge.

Der Marché Bonsecours liegt in der charmanten Altstadt
Der Hafen, größter Binnenhafen auf dem amerikanischen Kontinent, ist übrigens auch drittgrößter Handelspartner des Hamburger Hafens: Sechs Millionen Tonnen Güter werden in Hamburg von und nach Kanada umgeschlagen. Im Winter sorgen Eisbrecher dafür, dass der Seeweg vom Atlantik passierbar bleibt.

Der Jean-Drapeau-Park mit Blick auf die Biosphäre
Montréal gilt als Kulturhauptstadt Kanadas. Für Nordamerika völlig untypisch gibt es eine quietschfidele Innenstadt, zahlreiche Festivals, vor allem, aber nicht nur, im Quartier des Spectacles. Im Zentrum liegt der Place des Arts, ein Komplex mit mehreren Veranstaltungshallen, und das Musée d‘art contemporain. Oui, in Montréal parliert man français. Nach Paris ist Montréal die zweitgrößte Französisch sprechende Stadt der Welt.
Die hauptsächlich frankophone Bevölkerung verleiht der Stadt einen besonderen Charakter, es leben aber Menschen aus mehr als 120 Ländern in der Stadt, die 1967 Schauplatz der Expo und 1976 Gastgeber der Olympischen Sommerspiele war.

Underground-City: Das weit verzweigte RÉSO verbindet auf rund 32 Kilometern Einkaufszentren, Büros, Hotels, Restaurants und Metrostationen.

Der internationale Charakter wurde schon in den 1920er-Jahren begründet, als die Prohibition in den Vereinigten Staaten in Kraft war und Tausende Amerikaner nach Montréal kamen, um sich bei Alkohol und Glücksspiel, in Nachtclubs und Bordellen zu vergnügen. Noch heute wird Montréal zuweilen als Sin City (Stadt der Sünden) bezeichnet. Wem Downtown zu trubelig ist, der muss hoch auf den Berg in den Parc du Mont-Royal, wo man stundenlang spazieren kann, baden, auf die Stadt hinunterschauen, am besten am Belvedere Kondiaronk, wo es nicht nur famose Blicke gibt, sondern am Café des Amis auch einen Kaffee und ein süßes Stückchen. Der schönste Platz unten in der Stadt ist sicherlich der Place Jacques-Cartier, der zum Sankt Lorenz-Strom sanft abfällt und immer voller Leben ist. Und wer genau hinschaut, kann im Pflaster den Verlauf der alten Stadtmauer entdecken. Wer Zeit hat, sollte rüber auf die Île Sainte-Hélène, wo nicht nur das La Biosphere, eine riesige Weltkugel, jedes Jahr Tausende Menschen anzieht, die dort alles über die Natur rund um den Sank-Lorenz-Strom erfahren können. Adieu Montréal, à bientôt.

Kanadas wilder Klassiker: der Braunbär









