Ausgezeichnet! Preis für den Haslacher Buchladen STADTGEPLAUDER | 08.01.2021 | Erika Weisser

Der Buchladen

Seit 2015 wird der Deutsche Buchhandlungspreis vergeben für unabhängige Buchläden, die sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung besonders engagieren. „der Buchladen“ in Haslach im Kinzigtal gehört heuer zu den Preisträgern.

„Überglücklich“ sei sie über die Nachricht gewesen, dass „der Buchladen“ in diesem Jahr zu den bundesweit 118 Buchhandlungen gehöre, die eine unabhängige Jury des Preises für würdig befunden habe, erzählt Inhaberin Ulrike Limberger. Sie habe „zwar schon eine Weile mit einer Bewerbung geliebäugelt“, doch geschafft habe sie es erst in diesem Frühjahr, als sie mehr Zeit erübrigen konnte als sonst: das Bewerbungsverfahren um das Gütesiegel sei „ziemlich aufwendig“. Doch nun ist sie natürlich zufrieden, dass sie sich „an zwei arbeitsreichen Wochenenden“ die Zeit genommen hat – und sehr dankbar, dass es „gleich auf Anhieb geklappt“ hat.

Glückliches und engagiertes Team

Glückliches und engagiertes Team im Haslacher „Buchladen“: Chefin Ulrike Limberger (u.l.) und Mitarbeiterinnen Sandra Schwörer (u.r.), Petra Fritsch (o.r.) und Waltraud Räpple.

Kein Selbstläufer

Selbstverständlich ist das nicht: Der Pressemitteilung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist zu entnehmen, dass der Jury-Vorsitzende und Verleger Stefan Weidle und sechs weitere Experten und Expertinnen der Buchhandels-Branche in diesem Jahr immerhin unter 426 Buchhandlungen auswählen mussten, die sich um den mit insgesamt 850.000 Euro dotierten Preis beworben hatten. Zur Teilnahme eingeladen sind alljährlich unabhängige und inhaberbergeführte Buchhandlungen in ganz Deutschland, die „ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, die innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren“. Für den Erhalt einer Geldprämie ist zudem Bedingung, dass der durchschnittliche Jahresumsatz des Geschäfts in den vergangenen drei Jahren unter einer Million Euro lag.

Der Preis wird in drei Kategorien vergeben: 100 Buchläden erhalten das mit je 7000 Euro prämierte Gütesiegel „hervorragend“, fünf das mit je 15.000 Euro dotierte Prädikat „besonders herausragend“ – und die drei, die als „die Besten“ angesehen werden, bekommen je 25.000 Euro. Zusätzlich wird ein undotiertes Gütesiegel an weitere zehn Buchhandlungen verliehen, deren Jahresumsatz über einer
Million Euro liegt.

Bücher

Zu der letztgenannten Sorte gehört der im Jahr 2006 von Ulrike Limberger gegründete und im malerischen Zentrum der Haslacher Altstadt gelegene Buchladen eindeutig nicht. Umso mehr freut sie sich über die 7000 Euro, die sie vorwiegend in Lesungen mit nicht nur regionalen Autoren investieren will – und somit in die Förderung und Vermittlung von Literatur. Auf diese Weise, ist die 59-Jährige überzeugt, komme der Preis den Menschen aus der REGIO zugute – vor allem ihren Kundinnen und Kunden, an die sie ihren Dank weitergibt. Ohne sie, ihr Interesse, ihr Vertrauen und ihre „wunderbare Treue“ wäre der Buchladen nicht zu dem geworden, was er heute ist. In den Dank schließt sie auch das „sehr engagierte Team“ mit ein: Ohne die zuverlässige Mitarbeit von Waltraud Räpple, Petra Fritsch und Sandra Schwörer „wäre das alles hier nicht möglich“, lobt sie ihre Kolleginnen.

Spürbare Begeisterung

Ulrike Limberger ist bereits seit 26 Jahren im Literaturbetrieb tätig: Bevor sie ihr eigenes, gut sortiertes und bei aller Gemütlichkeit übersichtlich aufgeräumtes Geschäft eröffnete, arbeitete sie sieben Jahre lang in der Stadtbücherei und fünf Jahre lang in der Vorgänger-Buchhandlung in Haslach. An beiden Orten habe sie viele wertvolle Erfahrungen für ihre jetzige Berufstätigkeit gesammelt und sich schließlich in der Lage gefühlt, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Sie habe diesen Schritt, sagt sie mit spürbarer Begeisterung, „noch keinen einzigen Tag bereut“. Jeden Morgen, lacht die dreifache Mutter und zweifache Großmutter, freue sie sich „mit großer Neugierde“ darauf, neue  Bücherpakete auszupacken.

Bild lesen

Sie sei „ein haptischer Typ“, sie mag es, Bücher in die Hand zu nehmen, aus dem Titel ihre Schlüsse zu ziehen und sich auf der Rückseite oder im Klappentext über den Inhalt zu orientieren. So könne sie den Lesegeschmack ihrer Kunden erspüren, könne sie bei weiteren Buchwünschen besser beraten. „In so einer kleinen Stadt ist eine Buchhandlung etwas sehr Persönliches“, stellt sie fest. Und so manches Mal sei sie über eine Kundenbestellung auf ein Buch aufmerksam geworden – zur eigenen Lektüre.

Sie liest sehr viel – das ist ihr ein berufliches und gleichermaßen privates Anliegen. Nach ihrem Buch des Jahres gefragt, nennt sie Delia Owens’ „Gesang der Flusskrebse“. Wegen der Beschreibung der Stille und der mystischen Atmosphäre, „der man sich kaum entziehen kann“. Doch sie freut sich auch auf das Laute, das Lebendige: auf die Lesenachmittage mit Kindern, die ihr besonders am Herzen liegen – und die in diesem Jahr allesamt nicht stattfinden konnten.

Fotos: © ewei, der Buchladen