Full House: Freiburger Spielecafé Freispiel startet fulminant STADTGEPLAUDER | 09.04.2018 | Till Neumann
Seit September gibt’s „Freispiel“. Der Mix aus Laden und Café im Stühlinger kommt an: Die rund 50 Plätze sind immer belegt. Ohne Reservierung geht nichts. Die Macher Thomas Krohn und Florian Högner sind glücklich über den Ansturm, stoßen aber an ihre Grenzen.
So viel Ruhe wie an diesem Vormittag ist selten. Florian Högner (r.) sortiert alte Magic Cards. Thomas Krohn bemalt Plastikfiguren für ein neues Game. Etwa 1000 Spiele umfasst der Laden. 200 weitere sind aus Platzgründen ausgelagert.
„Das erste halbe Jahr war krass“, erzählt Krohn. „Wir sind immer belegt“, ergänzt Högner. Full House sozusagen. Der Erfolg hat sie überrascht, sei aber erklärbar: „Digital ist out“, findet Krohn. „Die Leute wollen sich in die Augen schauen und miteinander reden, wenn sie spielen.“ Das gehe nicht nur Studenten so, die nach langen Tagen ins Freispiel kommen, um den Kopf frei zu kriegen.
Bezahlbar ist ein Besuch allemal. Ein Euro die Stunde kostet der Besuch pro Person. Dabei hat man die Qual der Wahl – egal ob Karten-, Strategie- oder Familienspiele. Das Team vor Ort hilft bei der Auswahl. Der Renner im 120 Quadratmeter großen Spielecafé an der Lehener Straße sind aktuell Codenames, Magic Maze oder Photosynthese. Wer spielen will, muss reservieren: Unter der Woche ein, zwei Tage im Voraus. Fürs Wochenende drei oder vier Tage vorher.
Den meisten Umsatz machen sie mit Getränken – alkoholfrei. Eine Lizenz für Bier, Wein und Co. haben sie nicht. Schade? „Jein!“ Sie könnten so zwar mehr Umsatz machen, hätten aber auch mehr Stress. „In sechs Monaten ist hier drei Mal ein Getränk umgefallen“, sagt Krohn. Wäre Alkohol im Spiel, käme das häufiger vor. Ein Probebesuch zeigt: Im Laden wird diskutiert, geknobelt und gelacht. Von hitzigen Wortgefechten keine Spur.
Heiß gelaufen sind die beiden Firmenchefs dennoch. 80 bis 100 Stunden ackern sie pro Woche. Das Privatleben muss derzeit hintenanstehen. Genau wie der Kern ihrer Geschäftsidee: die Liebe zum Spiel. Dem Anspruch, alles zu spielen, werden sie derzeit nicht gerecht. „Ab April wird’s ruhiger“, sagt Högner. Je schöner das Wetter, desto weniger Besucher. Die Ruhe möchten sie nutzen, um mehr zu spielen: „Wir wollen im Sommer ganz viel nachholen“, sagt Krohn. Ihren Gästen können sie dann sogar ein paar Außenplätze bieten.
Verkauf und Café halten sich im Freispiel die Waage. Mit ihrem Hybrid sind sie deutschlandweit einzigartig, berichten Högner und Krohn. Der Laden zieht so auch Gäste aus Lörrach, Waldshut und dem Hochschwarzwald an. Drei 450-Euro-Kräfte helfen den Gründern. Eigentlich waren sie nur fürs Weihnachtsgeschäft geplant. Da so viel los war, konnten sie bleiben.
Zeitintensiv ist auch die Beratung: „‚Mensch ärgere dich nicht‘, würde ich hier keinem empfehlen“, sagt Krohn und lacht. Das sei kein Spiel, sondern Beschäftigungstherapie. Als Alternative habe er „Dog“ im Angebot. Er ist überzeugt: Jeder Mensch-ärgere-dich-nicht-Spieler wäre begeistert.
So wollen sie auch der mächtigen Konkurrenz ein Schnippchen schlagen. Müller, Karstadt und Kaufland könnten zwar Ramschpreise anbieten, hätten aber deutlich weniger Knowhow. Anstatt dort die Katze im Sack zu kaufen, könne man bei ihnen testen und dann gezielt investieren. Einmal sei eine Mutter zu ihnen gekommen mit dem Kriegsspiel „Risiko“. Das habe man ihr bei der Konkurrenz als Geschenk für ein sechsjähriges Kind angeboten. Die Freispieler können da nur mit dem Kopf schütteln.
Foto: © Till Neumann








