Warten auf den Aufschwung – Handwerk, Handel und Industrie kritisieren fehlende Reformen Handwerk | 20.03.2026 | Jannis Jäger

Handwerker

Die jüngsten Konjunkturumfragen von IHK Südlicher Oberrhein, Handwerkskammer Freiburg und Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen in Baden (wvib) zeichnen ein Bild zwischen Hoffen und Bangen für die Wirtschaft im Südwesten. Vor allem pochen die Unternehmen darauf, dass die Politik endlich konkrete Reformen anbietet.

Die Wirtschaft am südlichen Oberrhein ist mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2026 gestartet. Eine Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) zeigt: Zu Beginn des neuen Jahres bezeichnen knapp ein Drittel der Betriebe die aktuelle Situation als gut. „Hier spiegeln sich die positiveren Erwartungen aus dem Herbst wider“, sagte Alwin Wagner, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. Dem gegenüber stehen 17 Prozent an Unternehmen, die mit den aktuellen Geschäften unzufrieden sind.

Ein echter Trend liegt allerdings nicht vor. „Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: In den kommenden zwölf Monaten geht es weiter bergauf“, sagte Wagner, „aber genau das sehen wir nicht.“ Nur 15 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften im weiteren Jahresverlauf, mehr als jedes fünfte blickt eher pessimistisch in die Zukunft.

Bei der Vorstellung des IHK-Konjunkturberichts zum Jahresbeginn in Freiburg: Alwin Wagner, Stellver­tretender Hauptgeschäftsführer der IHK (links), und Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Messebauers Externe Messeabteilung

Bei der Vorstellung des IHK-Konjunkturberichts zum Jahresbeginn in Freiburg: Alwin Wagner, Stellver­tretender Hauptgeschäftsführer der IHK (links), und Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Messebauers Externe Messeabteilung

Wagner sieht dafür vor allem politische Gründe: Aus Sicht vieler Unternehmer seien die Reformen bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zuviel Raum werde durch populistische Diskussionen um Themen wie Lifestyle oder Teilzeitarbeit eingenommen, ohne dass spürbare wirtschaftliche Impulse folgten.

Die Unsicherheit schlägt sich deutlich in den Investitionsplänen der Unternehmen nieder. Investiert wird vor allem in Bestehendes: 65 Prozent nennen den Ersatzbedarf als Hauptmotiv für Investitionen. Kapazitätserweiterungen spielen mit 14 Prozent nur noch eine kleine Rolle. Die Erhöhung des Mindestlohns, ein allgemein steigendes Lohnniveau und höhere Beitragssätze in der Sozialversicherung brächten viele Unternehmen in Zeiten schwacher Konjunktur zunehmend in die Bredouille, so Wagner.

Angespannte Situation beim Handwerk

Auch die Handwerkskammer Freiburg stellte Anfang Februar ihre Konjunkturumfrage vor. Demnach sei auch beim Handwerk weiterhin eine konjunkturelle Schwäche spürbar. Das Jahr 2025 war geprägt von Investitionszurückhaltung, rückläufigen Industrieaufträgen, vorsichtiger werdenden Verbrauchern und weiter sinkenden Fertigstellungen im Wohnungsbau, lässt Pressesprecher Jürgen Galle verlauten. Besonders im vierten Quartal standen viele Betriebe unter Druck: Aufträge gingen zurück, die Kapazitätsauslastung sank.

Die Stimmung bleibt gedämpft. Zwar bewerteten 55 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage als gut, doch die Erwartungen für die kommenden Monate fallen verhalten aus. 29 Prozent gehen von sinkenden Umsätzen aus.  Kammerpräsident Christof Burger: „Die Zahlen zeigen, dass weiterhin akuter Handlungsbedarf seitens der Politik besteht“, mahnt Burger. „Weniger Bürokratie, verlässliche Programme und faire Wettbewerbsbedingungen müssen spürbar werden. Daran wird sich jede Landesregierung messen lassen müssen.“

Klare Forderungen von der Industrie

Auch die Industrie in Baden-Württemberg kommt kaum voran. 2025 reicht es laut der aktuellen Konjunkturumfrage des wvib nur zu einer schwarzen Null – die Rezession wurde erneut knapp vermieden. „2025 war das dritte Jahr in Folge ohne Wachstum. Die Schwächephase in Baden-Württembergs Industrie hält noch immer an“, sagt wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme.

Doch laut der wvib-Umfrage zeigt sich: 39 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Umsätzen, nur 13 Prozent dagegen mit Rückgängen. Allerdings: Viele Probleme bleiben. 70 Prozent der Unternehmen melden eine geringe Kapazitätsauslastung, die Investitionsquote liegt nur noch bei 4,8 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 6,1 Prozent. Mehr als die Hälfte der Betriebe hat im vergangenen Jahr Stellen abgebaut, die Beschäftigungsaussichten bleiben durchwachsen.

Böhme fordert daher politische Reformen: „Der ‚Herbst der Reformen‘ ist ausgeblieben, trotzdem zeigt sich an manchen Stellen Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Wir dürfen jetzt nicht in alte Muster verfallen.“ Nötig seien Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Steuern und niedrigere Energiekosten. „Kurz: Um die Volkswirtschaft wieder in Schwung zu bringen, braucht es eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, die strukturelle Probleme löst“, so Böhme. 

Fotos: © Handwerkskammer Region Stuttgart, IHK Südlicher Oberrhein/Johanna Kaiser