Buch im Dialog: Literarische Begegnungen in der REGIO Kultur | 02.11.2023 | Erika Weisser, Jennifer Patrias & Pascal Lienhard

Ein junger Mann mit Hund auf der Couch am Lesen

Endlich Herbst. Nicht nur wegen der bunten Blätter an den Bäumen, die dieser Jahreszeit einen besonderen Zauber verleihen. Sondern auch wegen der bedruckten Blätter in den Büchern, die während der heißen Sommertage ungelesen blieben oder jetzt neu erschienen sind. Anregungen für die langen Abende der nächsten Monate gibt es auf den folgenden Seiten – auch bei literarischen Begegnungen in der REGIO.

Freiburger Literaturgespräch

Dämonen und ihre Räumdienste

„Alle meine Geister“ lautet das Motto des Freiburger Literaturgesprächs, das im Literaturhaus in der Alten Universität über die Bühne geht. Bis auf zwei Ausnahmen: Die titelgebende Eröffnung am Donnerstagabend ist im Ratssaal des Neuen Rathauses; hier lässt Uwe Timm die nicht nur literarischen Zauberer, Dichter und Dämonen auferstehen, die sein Leben und Schreiben prägten. Und das Gespräch über „Die Liebe in Zeiten Mao Zedongs“ von und mit Friedenspreisträger Liao Yiwu am Freitagabend findet im Kleinen Haus des Theaters statt.

Nach diesen Highlights (und einem Lesekonzert mit Rike Scheffler am Freitagnachmittag) führt der Samstag „in geballter Vielfalt durch die Bücher des Jahres“, wie Literaturhausleiter Martin Bruch sagt. Diese geistreiche Vielfalt liegt hauptsächlich in der (Schreib-)Hand von Frauen: Wenn Annika Reich, Judith Zander, Birgit Mattausch, Marion Poschmann und Joanna Bator die Fallstricke des Patriarchats ausloten oder einen „Chor der Erinnyen“ beschwören, ist Ralph Tharayil als Vermesser der Enge zwischen den Schweizer Bergen der einzige Mann an Bord.

Marion Poschmann und Judith Zander sind auch bei der Matinée am Sonntag mit von der Partie, wenn im SWR-Studio der 40. Jahrestag des in Staufen vergebenen Peter-Huchel-Preises gefeiert wird. Weitere Vortragende: Raoul Schrott und Marcel Beyer mit seinem „Dämonenräumdienst“.

Info
9.–12. November
www.literaturhaus-freiburg.de

 

18. Literaturtage Todtnauberg

Lesen auf dem Berg

Vom 24. bis 26. November verwandelt sich die Bergwelt Todtnau erneut in das literarische Zentrum des Hochschwarzwalds. Unter dem Motto „Lesen auf dem Berg“ präsentieren preisgekrönte Autoren und Autorinnen neue und alte Werke.

Den Auftakt macht am Freitagnachmittag Doris Wolters, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, vergessene Literatur neu zu entdecken. Schließlich wird gute Literatur niemals alt. Dieses Jahr widmet sich Wolters der Dichterin Elisabeth Borchers – und deren 2018 erschienenem Werk „Nicht zur Veröffentlichung bestimmt“. Freitagabend beehrt Dirk Schümer mit seinem zweiten Kriminalroman „Die schwarze Lilie“ das Kurhaus Todtnauberg. Sein neuester Roman spielt im September 1348 in Florenz und thematisiert die Macht der Banken, die Gier und Skrupellosigkeit der Reichen.

Von einer tödlichen Entführungsgeschichte berichtet Samstagvormittag Andrea Maria Schenkel, die ihren siebten Roman „Der Erdspiegel“ vorstellt. Worum es darin geht, wird nicht verraten. Aber so viel sei gesagt: Die Recherche einer wahren Begebenheit ist Grundlage der Lesung und bringt Dunkles ans Tageslicht. Ein wenig fröhlicher geht es bei der Lesung von Marc Hoffman am Samstagmittag zu. Nach einer gemeinsamen Wanderung zur Todtnauer Hängebrücke geht es zurück zum Kurhaus – wo dann Hoffman ein paar Kapitel seines neuesten Romans „Der letzte Sommertag“ vorlesen wird. Wer eher auf romantische Töne steht, sollte die Lesung von Markus Orths nicht verpassen. Er entführt seine Leser und Leserinnen ins 19. Jahrhundert, hinein in die verrückte Liebesgeschichte rund um die Stiefschwestern Mary und Claire, die dem Dichter Percey Bysshe Shelley zugetan sind. Noch komplizierter wird die Dreiecksgeschichte, als der literarische Popstar seiner Zeit auftaucht: der junge Lord Byron. Was dann in einer stürmischen Nacht am Genfer See passiert, hat Literaturgeschichte geschrieben.

Bevor das lesereiche Wochenende seinen Abschluss findet, gibt sich Annika Büsing die Ehre. Mit „Nordstadt“ und „Koller“ stellt sie gleich zwei ganz unterschiedliche Liebesgeschichten vor.

Info
24.–26. November
www.hochschwarzwald.de

 

Buch Basel

Lesungen und Preisverleihung

Bücher ins Gespräch bringen: Das ist ein Ziel der BuchBasel. Vom 17. bis zum 19. November lockt das internationale Literaturfestival mal wieder Leseratten in die Schweiz. Mit dabei sind dieses Mal mehr als 80 Autorinnen und Autoren.

Mit von der Partie ist am Sonntag die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Ab 17 Uhr wird im Festsaal des Volkshauses aus ihrem neuen Roman „Empusion“ gelesen. Darin sucht ein junger lungenkranker Ingenieurstudent am Vorabend des Ersten Weltkriegs an einem Kurort in den schlesischen Bergen nach Heilung. Im Sanatorium trifft er auf eine misogyne Männerrunde, gemeinsam wird über Kultur, Krieg und die Welt diskutiert – um immer wieder bei der „Frauenfrage“ zu enden. Die Veranstaltung kann nur als Einzelveranstaltung gebucht werden.

Neben Tokarczuk sind am Sonntag weitere große Namen am Start: Der Thriller-Star Sebastian Fitzek ist im Unionsaal des Volkshauses von 17 bis 18.30 Uhr mit seinem neuesten Roman „Die Einladung“ zu Gast. Schon ab 15.30 Uhr besucht Bestsellerautor Daniel Kehlmann mit seinem Roman „Lichtspiel“ den Festsaal des Volkshauses. Zudem wird am Sonntag der Schweizer Buchpreis 2023 im Theater Basel verliehen.

Tipp für alle, die es nicht in die Schweiz schaffen: Alle Lesungen und Veranstaltungen, die im Unionsaal stattfinden, werden als Live-Audiostream gratis auf der Festival-Website zu hören sein. Zudem wird das nichtkommerzielle Radio X mal wieder zum Festivalradio. Zu empfangen sind die Gäste-Interviews auf 94,5 MHz sowie via Livestream auf der Festival- beziehungsweise der Radio-
Website.

Info
17.–19. November
www.buchbasel.ch/de

Foto: © iStock.com/MaFelipe