Buch-Rezi: Das Glück meiner Mutter Kultur | 06.04.2021 | Erika Weisser

Ausschnitt des Covers "Das Glück meiner Mutter"

Der Schriftsteller Phillip Dorn fühlt sich ausgelaugt. Gerade ist er mit zwei neuen Romanen fertig geworden, in denen es wie immer um kriminelle und andere finstere Machenschaften „besserer Kreise“ der italienischen Gesellschaft ging. Und da er auch den länger zurückliegenden Tod seiner Mutter sowie das Ende seiner langjährigen Beziehung noch nicht wirklich verarbeitet hat, entschließt er sich zu einer Auszeit.

Wie fast immer, wenn er sich „vom Roboter in den Müßiggänger zurückverwandeln“ will, fährt er nach Italien: Dort kennt er viele Orte, die bestens geeignet sind zum Flanieren, Schauen, Ausruhen – und zum „ziellosen Denken“. Dort kann er auf den Spuren seiner Reisen mit der Mutter oder der Freundin wandeln. Nicht weit von La Spezia mietet er ein Ferienhäuschen und ist bei der Ankunft überwältigt „von der Schönheit dieses Ortes“. Er richtet sich ein, trinkt Wein mit der freundlichen Nachbarin und lässt seine Gedanken schweifen.

Sie schweifen zurück zur unglücklichen Ehe seiner Eltern, zu dem einen Versuch seiner Mutter, „diesen kalten, schweigenden Mann“ zu verlassen – und zu seiner Weigerung, als 14-Jähriger mit ihr nach Italien zu ziehen. Zu ihrer neuen, Glück versprechenden Liebe. Dorn ahnt, dass seine Weigerung nicht nur die Mutter ins Unglück stürzte – das ganze Ausmaß wird ihm aber erst nach seiner Rückkehr klar.

Cover "Das Glück meiner Mutter"

Das Glück meiner Mutter
von Thommie Bayer
Verlag: Piper Verlag, 2021
256 Seiten, gebunden
Preis: 22 Euro