Buch-Rezi: Lichte Horizonte Kultur | 28.03.2021 | Erika Weisser

Ausschnitt des Covers "Lichte Horizonte"

Samstagvormittag in Freiburgs Innenstadt. „Alles ist voller Franzosen“, stellt Anne fest. So viele, sinniert sie weiter, habe sie „noch selten auf einmal gesehen“. Dann ist zu erfahren, dass sie Schriftstellerin ist, bereits  ihr „ganzes Erwachsenenleben lang“ hier lebt und schon viermal umgezogen ist: „Jedes Mal in eine bessere Gegend.“ Und dass sie niemanden kennt, der weg wolle aus dieser „Grenzregion ohne sichtbare Grenzen“.

Sie ist unterwegs zum letzten Musikgeschäft der Stadt, will eine bestimmte CD eines bestimmten Franzosen namens Stéphane kaufen. Dieser geht ihr seit einer zufälligen Begegnung nicht mehr aus dem Kopf. Das Geschäft liegt gegenüber dem neuen Literaturhaus – und plötzlich fallen ihr die Partys ein, die dort, in den Räumen der Alten Uni, einst stattgefunden hatten. Dabei denkt sie auch an ihren damaligen ständigen Begleiter, der nie zu ihrer Liebe wurde.

Unversehens fühlt sie sich um Jahre zurückversetzt, in eine Zwischenzeit voller Möglichkeiten, in der sie oft die falschen Entscheidungen traf. Scheinbar wahllos stellen sich Erinnerungen an verschmähte oder verpasste Beziehungen ein – und an das verstörend langwierige Ende ihrer ersten Liebe.

Dabei wird deutlich, dass Anne große Schwierigkeiten mit der Liebe hat. Dass sie sich nicht vollständig auf jemand anderen einlassen kann. Nicht einmal auf ihren Mann. Und wohl auch nicht auf Stéphane.

Cover "Lichte Horizonte"

Lichte Horizonte
von Daniela Engist
Verlag: Edition Klöpfer im Kröner Verlag, 2021
200 Seiten, gebunden
Preis: 20 Euro