Buch-Tipp: Aussichten einer Empfangsdame – Stiller Beobachtungsposten Kultur | 22.08.2026 | Erika Weisser
Aussichten einer
Empfangsdame
Die Empfangsdame im Foyer des Bürogebäudes hat keinen Namen. Und für die meisten Angestellten des Unternehmens auch kein Gesicht: Sie huschen so eilig an ihr vorbei, smalltalken dabei so pausenlos mit ihren Smartphones oder mit ihren Kollegen, dass sie die junge Frau nicht einmal wahrnehmen oder gar grüßen.
Seit Monaten sitzt sie schon an diesem Tresen, muss mit permanenter Freundlichkeit mürrische Vorgesetzte ertragen, Besucherausweise ausgeben, Termine organisieren, Lieferungen annehmen, Telefonate weiterleiten. Sie ist existenziell auf den schlecht bezahlten Job angewiesen, den sie zur Überbrückung antrat – als Einstieg zum Aufstieg nach dem Studium. Doch eine ihrer Qualifikation entsprechende Perspektive tut sich nicht auf.
Ihre „Schaltstelle“ wird zum stillen Beobachtungsposten der Arbeitswelt: Gespräche, die beiläufig Machtverhältnisse offenlegen, Kollegen, die Rollen spielen müssen, Strategien des Durchhaltens zwischen Mindestlohn, Selbstdisziplin und latenter Angst vor Austauschbarkeit. Und sie stellt sich die Frage, was mit Menschen geschieht, deren Qualifizierung im Berufsalltag keine adäquate Rolle mehr spielt.
Ein starkes Stück über prekäre Arbeit – von der in Freiburg aufgewachsenen Autorin Riccarda Gleichauf.

Aussichten einer
Empfangsdame
Aussichten einer Empfangsdame
von Riccarda Gleichauf
Verlag: NeuWerk, 2026
170 Seiten, Paperback
Preis: 14 Euro









