Buch-Tipp: Das Licht von Marrakesch – Genauer Blick für Details Kultur | 03.10.2026 | Erika Weisser

Das Licht von Marrakesch

Wenn drei literarisch geschulte und erfahrene Menschen mit einem genauen Blick für Details aufeinandertreffen, dann kommt ein solches Buch heraus. Zwischen 1968 und Ende der 1990er Jahre reiste der tunesisch-französische Essayist Abdelwahab Meddeb mehrmals nach Marrakesch.

Seine Eindrücke, Begegnungen und Beobachtungen hielt er in 79 bisher unveröffentlichten Notizheften fest. Die mehr als 6000 handschriftlichen Seiten dieser „Carnets de Marrakech“ hat Amina Meddeb, die Ehefrau des 2014 Verstorbenen, jahrelang gesichtet und daraus eine Auswahl von Texten zusammengestellt. Und diese hat die Freiburger Reinhold-Schneider-Preisträgerin Beate Thill nun ins Deutsche übersetzt.

Das war sicher keine leichte Unternehmung: Meddeb stellt bei der Erkundung der im Südwesten Marokkos am Fuße des Hohen Atlas gelegenen einstigen Königsstadt alle Sinne auf Empfang. Und beschreibt sie in skizzenhafter, poetischer und oft atemlos anmutender Sprache als einen von Angehörigen verschiedener sozialer, ethnischer und religiöser Gruppen geschaffenen einzigartigen und vielschichtigen, gleichermaßen pulsierenden wie spirituellen Lebensraum voller Licht, Farben und Gerüche. Ein meisterhaftes Zeitdokument, kongenial für hiesige Leser erfahrbar gemacht.

Das Licht von 
Marrakesch

Das Licht von Marrakesch
von Abdelwahab Meddeb
Übersetzung: Beate Thill
Verlag: Wunderhorn, 2026
264 Seiten, broschiert
Preis: 26 Euro