Geschmackspolizei: Der Sounddreck zum Ende vom Anfang und dessen Ende Kultur | 31.12.2018 | Ralf Welteroth

Es ist früher Abend in der Geschmackspolizeizentrale an der Martin-Horn-Schneise. Im neu geschaffenen Dieter-Salomon-Stüberl herrscht der alljährliche weihnachtliche Katzenjammer und Beamtenfrust.

Der Sauerstoffgehalt der Luft ist noch niedriger als das Wahlergebnis der SPD bei der jüngsten Landtagswahl, dazu die selbstverordnete Umstellung auf E-Zigaretten und Energydrinks, sodass die Laune sich bei unter Null eingependelt hat.

Seit gefühlt zwölf Monaten sind die Beamten pausenlos auf den Beinen, diese wiederum schwer wie das verbrauchte Kühlwasser des altersschwachen AKWs in Fessenheim, die Augenringe nehmen langsam olympische Ausmaße an, Hörsturz folgt auf Hörsturz, bis es tiefer nicht mehr geht.

Tonträger stapeln sich bis unter die Schädeldecke, eine Recherche im Darknet wird zur Geduldsprobe, da der Server so verlässlich zusammenbricht wie die Deutsche Bahn Verspätung hat. Von draußen vom Glühweindrogenstraßenstrich dringt unaufhörlich eine gemeingefährliche Weihnachtsliederkakophonie. Kurzzeitig machen sich Gewaltphantasien im präfrontalen Cortex der bemitleidenswerten Staatsdiener breit.

Geschmackspolizeiobermeister Burgey verzweifelt gerade daran, den Kollegen Welteroth mit Lametta einigermaßen festlich zu dekorieren, während dieser versucht, sich mit Kerzenwachs die Gehörgänge notdürftig zu versiegeln. Im Hintergrund laufen die Ballermann-Hits 2018: Ole ohne Kohle mit „Du kannst mir die Nudel putzen“, gefolgt von Dorfrocker „Hey Schakkeline, wo ist die Vaseline?“. Erst stützen sie sich gegenseitig noch so gut es eben geht, bevor sie total erschöpft zu Boden sinken, schließlich dahinschlummern und erst weit nach Neujahr wieder aufwachen werden, um sich dann erneut dem Kampf gegen Geschmackswindmühlen zu widmen.

In diesem Sinne, pssst, GeschPo schläft!
Ralf Welteroth