Nachgewürzt: Floridada Kultur | 30.10.2023 | Volkmar Staub

Volkmar Staub Volkmar Staub, geboren in Lörrach, lebendig in Berlin, vergibt im chilli die Rote Schote am goldenen Band.

Manche Amis wirken talibanös. Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, hat in einem „Don’t-say-gay-Gesetz“ angeordnet, dass Shakespeare nur noch in Auszügen in den Schulen gelesen werden darf. Ohne die sexuellen Anspielungen. War das ein Anfall von Floridadaismus?

Da könnte er doch auch gleich die Bibel verbieten. „Adam ­erkannte Eva“, „Kain erkannte seine Frau“, „Elkana erkannte Hanna“. In der ­Bibel bedeutet „Erkennen“ im Klartext immer: Sie hatten Sex. Als alter Religionspädagoge weiß ich das: Im Alten Testament wird gerammelt und gevögelt – auf Teufel komm raus. „Rund sind deine Schenkel, wie zwei Spangen. Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt“ heißt es im Hohelied Salomos. Oder bei Ezekiel 23,20 steht: „Und es erwachte in ihr die Gier nach ihren Liebhabern, deren Glieder wie die Glieder der Esel und deren Erguss wie der Erguss der Hengste war.“

Mensch Rony, da kann es im prüden Amerika doch nur eine Konsequenz geben: Bibel verbieten! Und bei der klassischen Musik könnten sie grad weitermachen. In der Oper Romeo und Julia heißt es: „…so will ich mir die Mädchen unterwerfen, sie sollen die Spitze meines Degens fühlen, bis er stumpf wird.“

Wenn man es richtig dreckig haben will, muss man Klassik hören. ­Warum glaubt ihr, dass Mozart sein Ding „Zauberflöte“ genannt hat? Oder Mahler „des Knaben Wunderhorn“ vertont hat? Oder nimm den Freischütz von Carl Maria von Weber: „Durch die Wälder, durch die Auen, zog ich leichten Muts dahin. Alles was ich konnt erschauen, war des sichern Rohrs Gewinn!“ Wir sehen: Klassische Musikstücke sind vertonte Pornos!

Liebe Amis, je mehr ihr verbietet, umso ähnlicher werdet ihr den Taliban.

Eine scharfe Schote ins Gehirn von Ron DeSantis und seine Floridadaisten.

Herzlich,
Volkmar Staub

Foto: © privat