Oreo – Übermütiges Meisterwerk Kultur | 07.05.2020 | Erika Weisser

Buch Oreo

Oreo heißt eigentlich Christine Clark. Ihrer besonderen Beschaffenheit wegen wird sie aber nach den in den USA so beliebten schwarzen Schoko-Cookies mit weißer Cremefüllung genannt: Als Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen jüdischen Vaters ist sie irgendwie beides.

Der Vater hat die Familie früh verlassen; Oreo wuchs bei ihren schwarzen Großeltern in den Südstaaten auf. Als sie 16 ist, begibt sie sich nach New York, um ihn aufzuspüren – anhand einer Liste mit Hinweisen, die er ihr hinterließ, damit sie ihn einst finden könne. Wenn sie einmal groß sei.

Die mit einem Superhirn und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn ausgestattete Feministin trifft auf einen „Reisehenker“, der anonym Manager feuert, einen sprachlosen Radiomacher und andere schräge Menschen aus unterschiedlichen Milieus. Mit List und ihrem respektlosen, selbst erdachten Kampfsport „WITZ“ besteht sie jedes absurde Abenteuer, besiegt jeden hinterhältigen Angreifer und nähert sich unaufhaltsam ihrem Ziel.

Die übermütige Geschichte voller jiddischer Weisheiten und Südstaaten Slang erschien 1974 und war ein Flop; die Autorin (mit der gleichen Herkunft wie Oreo) verstarb 1985. Die posthume Neuauflage von 2000 hat Pieke Biermann nun bravourös ins Deutsche übertragen: Leipziger Buchpreis in der Kategorie Übersetzung.

Buch Oreo

Oreo
von Fran Ross
Übersetzung: Pieke Biermann
Verlag: dtv, 2019
288 Seiten,
Hardcover
Preis: 22 Euro