Weltenmalerin – Grimmwelt Kassel widmet der Freiburger Illustratorin und Autorin Helga Gebert eine Einzelausstellung Kultur | 20.06.2026 | Erika Weisser
Als Malerin fantastischer Welten – in Worten und Bildern – versteht sich Helga Gebert bis heute.
„Erzählen in Bild und Wort“ lautet der Untertitel der Retrospektive „Zwischen Gestalten“, die das Ausstellungshaus Grimmwelt in Kassel seit 11. Juni einer Künstlerin widmet, die beides macht: Helga Gebert, die fast ihr ganzes 91-jähriges Leben in Freiburg verbrachte, hat Bücher nicht nur illustriert, sondern auch selbst verfasst oder übersetzt. Viele von ihr gestaltete Bücher sind im Weinheimer Verlag Beltz & Gelberg erschienen.
Noch bis zum 24. Januar, also kurz nach ihrem 92. Geburtstag, werden bei Grimmwelt nun rund 250 Werke gezeigt. Neben bekannten Illustrationen aus Märchen- und Kinderbüchern gibt es auch einige bisher unveröffentlichte Arbeiten zu sehen, die sie in einer Schublade in ihrem Elternhaus im Freiburger Sedanviertel aufbewahrt. Dorthin kehrte sie 1988 nach ein paar Jahren in Merdingen zurück.

Helga Gebert hat schon als Kind gemalt und Gedichte geschrieben, fand sich nach eigenen Aussagen immer gut in Fantasiewelten zurecht – und blieb trotzdem in der realen Welt geerdet. Gründete eine Familie, bekam Kinder, arbeitete als Gestalttherapeutin in der psychosomatischen Abteilung des Freiburger Uniklinikums und engagierte sich seit den 1970er-Jahren auch politisch: Zunächst gegen den am Kaiserstuhl geplanten Standort für ein AKW in Wyhl, später für das Bleiberecht von Geflüchteten im Südbadischen Aktionsbündnis gegen Abschiebung. Mehr als 25 Jahre lang. In jener Zeit hat sie arabisch gelernt – von und mit den Geflüchteten.
Sie eignete sich diese Sprache so gut an, dass sie irgendwann in der Lage war, ihre Lieblingsmärchen aus Tausendundeiner Nacht im Original zu lesen – und neu zu übersetzen oder auf ihre Weise nachzuerzählen. Und natürlich selbst zu illustrieren: Bei Beltz & Gelberg sind zwischen 1995 und 2005 sechs höchst fantasievoll und farbenprächtig gestaltete Neuinterpretationen der weltberühmten Geschichten erschienen.

In der Kasseler Werkschau sind diese – und andere – Bücher und die oft überraschenden bildlichen Darstellungen des „Orients“ als Projektionsfläche für Sehnsüchte, Träume und Ängste zu bewundern; laut Ausstellungkuratorin Hanna Krüger sind diese bildgewordenen Worte „wichtiger Bestandteil ihres künstlerischen Schaffens“. Dazu gehören aber auch oft witzige Interpretationen von Geschichten, die in Grimms Märchenwelten angesiedelt sind – deshalb jetzt auch die große Einzelausstellung, die „eine wichtige weibliche Position in diesem Genre sichtbar macht“, wie Grimmwelt-Geschäftsführer Jan Sauerwald sagt.
Helga Gebert selbst sagt, dass sie die Weisheiten und Zwischenräume faszinieren, die die Erzählungen dem „magischen Denken“ überlassen: „Das ist, was man als Kind so sehr liebt – wenn hinter jedem Busch ein Zwerg stehen könnte“. Sie hat sich dieses magische Denken 90 Jahre lang bewahrt.









