Fehlendes Angebot führt zur Verdrängung: S-Immo mit Brot-und-Butter-Geschäft Politik & Wirtschaft | 12.04.2018 | Lars Bargmann

Die Immobiliengesellschaft der Sparkasse Freiburg (S-Immo) hat im vergangenen Jahr 182 Immobilien im Wert von 54 Millionen Euro vermittelt und mit den Provisionen 2,6 Millionen Euro verdient. Das klingt viel, ist aber ein kräftiger Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als 281 Vermittlungen mit einem Volumen von 82,3 Millionen Euro zu Buche standen. S-Immo-Geschäftsführer Oliver Kamenisch begründet dies mit dem einbrechenden Neubaugeschäft. Zudem sei 2016 ein Ausreißerjahr gewesen.

Makler haben es in Freiburg nicht leicht: Es gibt aktuell sehr wenig Neubau, um den sich eine große Schar von Vermittlern drängt und dabei auch Abstriche bei den Provisionen machen muss. „Wir haben weiter eine wahnsinnig hohe Nachfrage, ein fehlendes Angebot und das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern“, beschreibt der Vize-Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Erich Greil, die Marktlage.

Die Stadtverwaltung bemühe sich nach Kräften, neue Baugebiete zu erschließen, aber bis der neue Stadtteil Dietenbach in die Vermarktung kommt, werden sicher sechs Jahre vergehen. Als Kamenisch bei der Immo-Messe Anfang Februar am Eröffnungstag morgens um 10 Uhr seinen Stand öffnete, „war der sofort voll“.

Kaufwillige gibt es zuhauf, die meisten aber finden kein passendes Angebot. War 2016 noch jede zweite vermittelte Immobilie eine neue, war es im vergangenen Jahr nur noch jede fünfte. „2017 war für uns Brot-und-Butter-Geschäft“, so Kamenisch. Bei jeder vierten Vermittlung stellt die Sparkasse auch die Finanzierungsmittel. Die neue Wohnimmobilienkreditlinie habe sich nicht als Hemmschuh erwiesen. „Wen wir vor der neuen Richtlinie finanzieren konnten, den können wir auch mit ihr finanzieren“, sagt Greil.

Der Angebotsengpass hat mittlerweile auch das Umland erreicht. Die Preise befinden sich auch dort auf Höhenflug. „Wir haben immer mehr Verkäufe, die im Bieterverfahren abgewickelt werden“, so Kamenisch. Im Gebrauchtmarkt könne man die selbst erstellten Wertermittlungen zuweilen „in den Papierkorb werfen“, weil der Markt am Ende doch mehr böte.

Die Quadratmeterpreise hätten sich in Freiburg seit 2007 „nahezu verdoppelt“. Allein in den beiden vergangenen Jahren kletterte der Preis einer durch die S-Immo vermittelten Wohnung von im Schnitt 313.000 auf 388.000 Euro. Auch bei gebrauchten Wohnungen stieg der Wert von 185.000 auf 247.000 Euro. Daraus entspringe ein Verdrängungswettbewerb: Einkommens- oder eigenkapitalstarke Käufer kommen in Freiburg noch zum Zug, finanziell schwächere Haushalte müssen ins Umland gehen, wo der Schwarzwald weiterhin das günstigste Pflaster sei. Das Portal immoscout24 hatte unlängst eine Studie veröffentlicht, wonach in Freiburg 31,4 Prozent des Einkommens für die Miete draufgehen – bundesweit spitze.

Trotz der erzielbaren Preise würden sich viele Eigentümer von ihren Immobilien nicht trennen, weil sie in dem Bereich nicht gleich wieder investieren könnten. Wenn sich das ändere, könne es auch mal zu einer Kettenreaktion kommen. An große Preissprünge in der Zukunft glaubt Kamenisch indes nicht

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