Nachgewürzt: chilli-Kolumnist Volkmar Staub über Genetikern und Gen-Ethikern Politik & Wirtschaft | 06.01.2019 | Volkmar Staub

What a wondeful wold – ja, Sie haben richtig gelesen. Mit der sprachlichen Gen-Schere wurden die „r“ einfach rausgeschnitten. Mit der Crispr/Cas-Methode. Crispr hört sich an wie ein süßer Schoko-Riegel. Süß sind auch die zwei Mädchen, die der chinesische Biokomiker He Jankui mit der Genschere so behandelt hat, dass sie nicht an Aids erkranken können. Das ist die genetische brave new world.

Wir wollen die menschliche Emanzipation – den „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) –, also nehmen wir die Mutationen selber in die Hand. Wir müssen nicht mehr warten, bis die natürliche Auslese der Evolution die erwünschten Mutationen hervorbringt.

Oder sollen wir – bloß weil die Evolutionsleugner grölen, man dürfe nicht in die Schöpfung eingreifen – die Auffahrten auf die Keimbahn und die Gen-Auto-Bahn mit „Einfahrt verboten!“-Schildern blockieren?

Sollen wir sie mit Moral-Toren versperren? Genetiker sind keine Gen-Ethiker. Wissenschaft ist keine Ge-Wissenschaft. Und die Politiker sind doch alle zufrieden: Die Grünen dürfen wieder mal etwas verbieten lassen wollen, die FDPler loben die Freiheit der Wissenschaft, die Christdemokraten freuen sich, wieder mal etwas „aus-merzen“ zu dürfen, und die Sozis wollen wieder mal beides: Bedenken hegen, aber gleichzeitig in der FAZ den besten Kurs für Bio-High-Tech-Aktien suchen.

Der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. So wie wir demnächst mit selbstfahrenden Autos durch die Gegend brettern, gesunde Nahrungsmittel am 3D-Drucker ausdrucken, aus Stammzellen genau die Zellen züchten können, die wir brauchen für eine neue Leber, so werden wir bald auch komplett durchdesignte Babies bekommen: Süße kleine Kinder, die nie mehr erkranken, nicht mehr auf Drogen abfahren und keine anderen Kinder mehr verhauen.

Das Leben ist schön, warum es nicht noch schöner designen? Wie wärs mit besonders robusten Soldaten, denen das Emotions-Gen ausgeknipst wurde, oder 2,50 Meter großen Basketballern oder Escort-Damen mit quadratischen Köpfen, damit der interessierte Geschäftsmann beim Blasen auch noch sein Whisky-Glas abstellen kann – dann sind die Gen-Geschäftemacher alle richtig glücklich. What a wondeful wold, Rrrrr …

Eine scharfe Schote an die neuen Gen-Götter – herzlich
Volkmar Staub

Foto: © privat