Nachgewürzt: Florian Schroeder über die Dienstpflicht Politik & Wirtschaft | 29.09.2018 | Florian Schroeder

Ich gehöre zu der Generation, die das Kreiswehrersatzamt noch von innen gesehen hat. Ich war Tauglichkeitsgrad 3, also eingeschränkt verwendungsfähig.

Ich war also schon vor 20 Jahren da, wo die Bundeswehr erst heute ist. T3 – und das trotz Heuschnupfen! Wozu war ich vorher extra zwei Stunden lang durch eine Wiese spaziert? Deshalb machte ich Zivildienst. „Das hat noch keinem geschadet“, hieß es damals. Und den Satz hören wir jetzt wieder. Von Leuten wie Annegret Kramp-Karrenbauer, besser bekannt als AKK – eine Abkürzung, so knallig wie die Schüsse eines maroden Bundeswehr-Gewehrs.

Leute, die nie gedient haben, wollen eine junge Generation auf die Knie zwingen – mit der Dienstpflicht. Ein Jahr lang Dienst fürs Vaterland. Ausgerechnet die CDU, die Partei, die mit G8-Abitur und Bachelor dafür sorgen wollte, dass man nach dem Abi mit 14 und zwei Semestern Uni mit 15 1/2 Vorstandsvorsitzender eines mittleren DAX-Unternehmens wird.

Es gehe darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, heißt es. Aber wie soll man als junger Mensch einer Gesellschaft etwas zurückgeben, von der man gar nichts kriegt? Und wie soll das gehen mit der Dienstpflicht? Werden Abiturienten in den Knast gesteckt, wenn sie nicht dienen? Oder müssen sie erst mit dem G36-Gewehr rumballern und so die Opfer selbst erzeugen, die sie anschließend pflegen dürfen? Was ist, wenn der eingebürgerte Syrer keine Lust auf Waffen hat? Muss er trotzdem dienen – als Übungsobjekt des Abiturienten mit dem G36-Gewehr? Alles möglich! Gut, dazu müssten wir die Gewissensprüfung wiedereinführen: Sind Sie martialisch genug, um auf alles zu schießen, was sich bewegt?

Fakt ist: Ökonomisch ist das alles grober Unsinn, verfassungsrechtlich wahrscheinlich unmöglich. Vielleicht führen wir einfach die Dienstpflicht für Abgeordnete ein: Ein Jahr ganz ohne Nebeneinkünfte, Aufsichtsratsposten, wohldotierte Vorträge im In- und Ausland, stattdessen Ersatzdienst im Bundestag mit Anwesenheitspflicht. Ein Jahr lang nur von mageren Abgeordnetendiäten leben und in den Ausschüssen aus allen Rohren schießen. Ein Jahr lang dem Wähler wirklich etwas zurückgeben.

Wer der Gesellschaft wirklich etwas zurückgeben will, der kann all den Steuertricksern wie Apple, Ikea und McDonald’s das Handwerk legen.

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