Pro und Kontra: Soll die Opfinger Brücke in Freiburg für den KfZ-Verkehr gesperrt werden? Politik | 18.05.2025 | Ingrid Marienthal, Wolfgang Pfeifle

Straßenbahn Verbindet Haslach und Weingarten: Die viel befahrene Opfinger Brücke

Soll die Opfinger Brücke in Freiburg zwischen Haslach und Weingarten für den Kfz-Verkehr gesperrt werden? Der Verkehrsclub Südbaden (VCD) fordert einen Test von drei Monaten. Doch dagegen gibt es Protest. Ingrid Marienthal (VCD) und Wolfgang Pfeifle (Bäckerei Pfeifle) erläutern im Kontrovers ihre Position.

»Stoppt den Durchgangsverkehr«

Mehr Lebensqualität mit der Grünen Brücke

Ingrid Marienthal

Ist für eine Sperrung: Ingrid Marienthal vom VCD Freiburg

Nach langem Wunsch, den Schleichverkehr durch Haslach und den illegalen Durchgangsverkehr durch die Carl-Kistner-Straße zu stoppen, zeichnet sich nun eine gute Lösung ab. Wir sprechen dabei nicht von ein paar Alibi-Fahrradbügeln, die das eigentliche Problem nicht lösen. Stattdessen plädieren wir dafür, die Opfinger Brücke für den Kfz-Verkehr zu schließen und damit für Menschen zu Fuß und auf dem Rad zu öffnen.

Diese Vision einer „Grünen Brücke“ wurde bereits intensiv diskutiert. Im Folgenden gehen wir auf einige Bedenken ein:

Der Kfz-Verkehr aus Weingarten, Rieselfeld und Opfingen kann die Innenstadt über die Bundesstraßen weiterhin problemlos erreichen. Im Gegensatz zur Carl-Kistner-Straße und ihren Querstraßen sind Bundesstraßen auch explizit für den Durchgangsverkehr vorgesehen.

Weingärtner brauchen für Erledigungen in Haslach keine umweltschädlichen Umwege mit dem Auto zu fahren, denn beide Ortsteile sind gut durch eine häufig verkehrende Straßenbahn verbunden. Auch zu Fuß, mit Rollator, Kinderwagen oder mit dem Rad ist der Weg dank der Grünen Brücke entspannter, da sie diesen Verkehrsarten ausreichend Platz bieten wird. So erreichen auch Menschen ohne Auto – ob arm, krank, jung oder alt – ihre Ziele leichter und unabhängiger.

Geschäftsinhaber überschätzen oft die Anzahl der Kunden, die mit dem Auto kommen. Die Sorge um weniger Kundschaft nach einer Verkehrsberuhigung ist daher meist unbegründet. Eine Umfrage eines großen Einzelhändlers in der Carl-Kistner-Straße zeigte, dass viel weniger Kunden mit dem Auto kommen als gedacht. Daher möchte er einige Parkplätze abbauen.

Der Rettungsdienst kann selbstverständlich weiterhin die Opfinger Brücke nutzen. Radfahrer können schneller eine Rettungsgasse bilden als Autofahrer, was ein schnelles Durchkommen sogar erleichtert. Bremsende Poller sind nicht nötig – Lösungen wie 0-kmh-­Blitzer stehen ebenfalls zur Verfügung.

Mit der Grünen Brücke kann neuer Raum für das Freiburger Leben entstehen – sowohl auf der Brücke selbst als auch in der Carl-Kistner-Straße. Die Wohnqualität in Vierteln ohne Durchgangsverkehr steigt enorm, die Wege werden sicherer. Wenn dieser Verkehr wirksam auf die Bundesstraßen gelenkt wird, wird ein Einkaufsbummel viel angenehmer. Gleichzeitig können wir den Kindern aus Weingarten einen angenehmen und sicheren Schulweg über die Grüne Brücke ermöglichen. Lassen Sie uns diese Chance nutzen!

Ein harter Schlag

Warum eine Sperrung fatal wäre

Wolfgang Pfeifle

Ist klar dagegen: Wolfgang Pfeifle von der Bäckerei Pfeifle

Dass viele Beteiligte an einem neuen Verkehrskonzept für Haslach arbeiten, finde ich enorm wichtig und richtig. Die Straße muss verkehrssicherer werden und für die Anwohner und Anlieger befahrbar bleiben.

Ich selbst bin sehr irritiert, dass die Idee der Brückensperrung aktuell derart in den Fokus gerückt und vom VCD regelrecht geboostet wird. Es darf nicht übersehen werden, dass eine Brückensperrung die Menschen und alle Gewerbe beider verbundener Stadtteile sehr hart treffen würde. Ich denke, gerade deshalb ist die Sperrung ursprünglich nur als eine von mehreren Möglichkeiten vorgeschlagen worden.

Auch wenn die Sperrung auf den ersten Blick der Befürworter als technisch günstig dargestellt wird, so ist die politische Realisierung meines Erachtens keineswegs so einfach. Beide Stadtteile sind seit Jahren stark zusammengewachsen und eng miteinander verbunden. Die Sperrung kann man eben nicht nur ökonomisch betrachten. Es entstehen sicher viele Umwegfahrten, insbesondere für die Quartiere im östlichen Weingarten.

Die Erreichbarkeit der Carl-Kistner-­Straße von Westen aus würde zusätzlich stark eingeschränkt werden. Und „unsere Carl-Kistner-Straße“ ist die letzte gewachsene, vollversorgende Straße in Freiburg mit sämtlichen Einkaufsmöglichkeiten des täglichen Bedarfs. Dieser Mix aus Geschäften macht das Leben hier im Viertel so wertvoll – auch für die Bürger der angrenzenden Stadtteile.

Die kleinen Läden so wie jedes Gewerbe würde eine Sperrung hart treffen. Sicherlich würden viele unwiderruflich wegsterben. Wie lebt es sich dann in den beiden Stadtteilen? Weingarten hat jetzt schon keinen ausreichenden Versorgungsmix. Wie schaut das ohne Zufahrt in die Carl-Kistner-Straße aus? Ungeachtet dessen, selbst wenn eine Brückensperrung den Verkehr in größtmöglichem Umfang nach Haslach reduzieren könnte, ist das Motto der Befürworter: Wenn ich mir den Arm abschneide, dann habe ich an den Fingern keine Schmerzen mehr.

Wir Haslacher und Weingärtner haben ein klares Fazit: Brückensperrung, nein danke. Beachtlich dazu finde ich übrigens, dass es zum Verkehrskonzept Haslach und der Carl-Kistner-Straße bereits es eine Empfehlung der Firma Argus gibt. Die Befahrbarkeit wäre prinzipiell so zu belassen wie heute. Dabei wäre das Straßenbild selbst jedoch deutlich zu verändern.

Ich denke, das geht ohne Brückensperrung, dafür mit verkehrslenkenden und beruhigenden Maßnahmen.

Tram, Autos, Räder: Auf der Opfinger Brücke ist meist viel los.

Fotos: © privat, tln