Mietpreisbremse bremst nicht – Mieterverein und Haus & Grund über den Mietmarkt in der Region Politik | 27.02.2026 | Sonja Summ

Wohnungen

Die seit fünf Jahren bestehende Mietpreisbremse wurde im Dezember 2025 um ein weiteres Jahr verlängert. Was davon zu halten ist, wie wenig die Mietpreisbremse sich über die Jahre bewährt hat und was den Mietmarkt in der Region auszeichnet, das haben wir mit Manfred Wolf, dem Vorsitzenden des Mietervereins Regio Freiburg, und Stephan Konrad, dem Geschäftsführer von Haus und Grund Freiburg besprochen.

Wolf schildert, dass Mieterhöhungen nach wie vor auf Platz zwei der Streitigkeiten vor den Gerichten liegen. Tendenz steigend. Man habe beim Mieterverein Neuvermietungsangebote erfasst und festgestellt, diese seien fast alle überhöht. In Gegenden, wo die Preisangebote häufig über den zugelassenen zehn Prozent über dem Mietspiegel lägen, habe man sogar Flugblätter eingeworfen mit dem Angebot, sich kostenfrei den Mietspiegelvergleich erstellen zu lassen – allerdings habe es kaum eine Reaktion gegeben. Letztlich hätten Betroffene vielleicht sogar rückwirkend Miete zurückverlangen können.

Stephan Konrad, Geschäftsführer von Haus und Grund Freiburg, berichtet, dass die Angebotsportale den Markt überzeichnen oder sogar verzerren, denn er wisse über die vielen Mitglieder in ihrer Geschäftsstelle, dass das meiste privat, außerhalb der Portale vermietet würde.

Viele Mitglieder kämen und würden sich informieren, was man verlangen könne, wenn man beispielsweise nach zehn Jahren die Miete anpassen müsse. Der Verband vertritt die kleinen Privatvermieter mit meist ein bis zwei Immobilien, oft älteren Semesters, und man spüre, dass denen ein gutes Verhältnis mit den Mietern wichtiger sei und Gewinn gar nicht ausschlaggebend sei für das Vermieten.

»Der Schutz der Mietpreisbremse richtet sich gegen die Falschen«

„Wir würden niemals Mitglieder haben wollen, welche es wagen würden, mit unserer Hilfe überhöhte Mieten durchzusetzen. Diesen würden wir gleich die Tür weisen, aber der Schutz der Mietpreisbremse richtet sich gegen die Falschen“, sagt Konrad. Große Wohnbaufirmen und wenige Privatvermieter seien jene mit den überhöhten Mieten. „Man muss ja auch sehen, dass ein Vermieter mit langjähriger gleichbleibender Miete weniger hat als noch vor Jahren. In anderen Bereichen des täglichen Lebens gibt es ebenfalls Preiserhöhungen und da gibt es kaum Aufschreie.“

Das müsse man ins Verhältnis setzen und dabei die große Masse der Mieter im Blick haben und berücksichtigen, dass Freiburg schon immer recht teuer gewesen sei. „Wenn wir über unsere Haus und Grund Immobilien GmbH Wohnungsbesichtigungen für fünf gleichzeitig anbieten, dann erscheint ungefähr die Hälfte meist nicht, ohne Absage. Da frage ich mich dann schon, wo da die Not ist.“

Wolf setzte dagegen, dass bei Menschen mit niedrigem Einkommen zuweilen 44 Prozent in die Miete fließen, was viel sei. Oft treffe es nebst jungen Leuten eben auch die Rentner, die nicht selten beispielsweise aus Scham die Aufstockung über die Grund­sicherung nicht beantragen würden.

Eine hohe Miete war zuletzt vor dem Bundesgerichtshof verhandelt worden. Ein Berliner, der über längere Zeit im Ausland war, zahlte selber eine Kaltmiete von 460 Euro, kassierte aber durch Untervermietung zwei Jahre lang monatlich 962 Euro kalt. Der zuständige VIII. Zivilsenat hatte am 28. Januar geurteilt, dass in diesem Falle eine Räumungsklage berechtigt sei: Die Untervermietung sei zur Wahrung der Wohnung bei geänderten Lebensumständen vorgesehen, nicht um diese gewinnbringend unterzuvermieten.

„Solche Fälle hatten wir in Freiburg noch nicht, das kommt sicherlich immer wieder einmal in größeren Städten wie Berlin vor,“ sagt Konrad. In seinen Augen seien 95 Prozent der Vermieter und auch Mieter „okay“ und die wenigen anderen seien Ausreißer. Auch Wolf vom Mieterverein sagt, 80 bis 90 Prozent der Mietverhältnisse seien unproblematisch.

Wolf erhofft sich auf dem angespannten Wohnungsmarkt Linderung durch den Bau des Quartiers Kleineschholz und den geplanten neuen Stadtteil Dietenbach. Das unlängst bekannt gewordene Projekt der EGK Projektentwicklungs- und Beteiligungs GmbH aus Köln, auf dem ihr gehörenden Einkaufszentrum in Weingarten 91 Wohnungen zu bauen, sei nachahmungswürdig.

Klimaschutz und bezahlbares Wohnen sind im Widerstreit

Die Mietpreisbremse sieht er genauso skeptisch wie Konrad: Die Erfahrungswerte würden zeigen, dass sie über die vergangenen fünf Jahre kaum Erfolg gebracht habe. Zudem behindere sie die Investitionsbereitschaft der Vermieter.

Konrad legt den Finger noch in eine andere Wunde: Der Klimaschutz und bezahlbare Wohnungen stünden in krassem Gegensatz zueinander. Immer mehr energetische Sanierungen im Bestand zu fördern, mache die Mieten teurer. Viele Mieter wollten aber eher einen etwas niedrigeren Standard und dafür weniger bezahlen.

Fotos: © Lars Bargmann