Blackout als Warnsignal – Werden Notstromanlagen zum Risiko? Szene | 13.02.2026 | Jannis Jäger
Nach dem Berliner Stromausfall rückt die Sicherheit kritischer Infrastrukturen in den Fokus. Neue TÜV-Zahlen zeigen alarmierende Defizite bei Notstromanlagen – beispielsweise in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Auch der Blick nach Freiburg zeigt die angespannte Situation.
Der Stromausfall in Berlin Anfang Januar hat gezeigt, dass technische Infrastruktur vielerorts verletzlich ist – mitunter gar dort, wo sich besonders schutzbedürftige Menschen aufhalten. Auch Freiburg kann als Anschauung dienen, dass auf kommunaler Ebene an vielen Stellen Handlungsbedarf besteht.
Der AWO-Kreisverband Freiburg etwa, als regionaler Pflegeheim-Träger, bestätigt auf Nachfrage der chilli-Redaktion, dass das Thema Stromausfall zwar im Krisenkonzept verankert ist – konkrete Technik fehle jedoch. „Derzeit sind vor Ort leider keine Notstromaggregate vorhanden, da bisher die entsprechende Refinanzierung fehlt“, erklärt Verbandsreferentin Isabell Grün. „Dadurch würden wir bei einem längeren Ausfall zweifellos vor Herausforderungen stehen.“
Besser aufgestellt sieht sich dagegen das Universitätsklinikum Freiburg. Nach eigenen Angaben verfügt das Klinikum über eine doppelte Absicherung der Energieversorgung: Zum einen durch eine zweifach gesicherte externe Stromversorgung über den Energieversorger Badenova, zum anderen durch eine unabhängige interne Versorgung, wie Pressesprecher Johannes Faber erklärt.
Alle medizinischen Gebäude seien mit sogenannten Notstromersatzaggregaten (NEA) ausgestattet. Die Funktionsfähigkeit der Aggregate wird regelmäßig überprüft: „Jedes NEA muss jedes Jahr in einem sogenannten Schwarz-Test über mindestens 60 Minuten getestet werden“, so Faber.
Gesetzliche Pflicht – lückenhafte Realität
Dabei würden zwar vereinzelt kleinere Störungen festgestellt – etwa defekte Steckdosen, die nach dem Test instand gesetzt werden –, größere oder gar sicherheitsrelevante Mängel seien jedoch zuletzt nicht festgestellt worden.
Die Stadtverwaltung äußerte sich auf Nachfrage nicht zum Thema Versorgungssicherheit und verwies stattdessen an die Badenova. Doch auch der regionale Energieversorger gab sich betont zurückhaltend. Man äußere sich bewusst nicht zu konkreten Schutzmaßnahmen, erklärt Carolin Schiewe, PR-Managerin in der Unternehmenskommunikation von Badenova.
Die Notstromversorgung ist für sogenannte Sonderbauten gesetzlich vorgeschrieben. Dazu zählen unter anderem Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen und Kitas. Das Ziel ist es, bei Stromausfällen oder Bränden sicherheitsrelevante Technik aufrechtzuerhalten: medizinische Geräte, Aufzüge, Beleuchtung, Kühlung von Medikamenten oder Kommunikationssysteme.
Laut TÜV-Baurechtsreport 2025 wurden allerdings bundesweit rund 30 Prozent der sogenannten Sicherheitsstromversorgungsanlagen mit gravierenden Mängeln beanstandet. Nur jede vierte Anlage war mängelfrei. Zu den Problemen zählten etwa nicht startende Notstromaggregate, unzureichender oder veralteter Kraftstoff oder defekte Batterien, erklärte Maurice Shahd, Pressesprecher des TÜV-Verbands.
Der „Stromausfall in Berlin ist ein Weckruf“, so Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. Wenn die Sicherheitsstromversorgung versage, seien lebenswichtige Systeme betroffen – etwa auch Lüftungs- und Brandmeldeanlagen. Betreiber müssten ihre Verantwortung ernster nehmen und Anlagen regelmäßig prüfen und instand halten.










