»Die brennen total für das Projekt« – So überwindet die Freiebürger-Straßenzeitung den Personalnotstand Szene | 19.02.2026 | Jannis Jäger

Magazin „FREIeBÜRGER“ Cover als Eyecatcher: Die jüngste Ausgabe des FreieBürger

Sven Weis ist im Dezember 2025 als Layouter zum Team der unabhängigen Freiburger Straßenzeitung „FREIeBÜRGER“ gestoßen. Den Job macht er aus Idealismus und auch durch Vermittlung der chilli-Redaktion. 

Der Freiebürger gehört in Freiburg quasi mit zum Stadtbild. Die erste Ausgabe erschien im Juni 1998. Im vergangenen Jahr feierte das Team eine Million verkaufte Exemplare. Die Straßenzeitung ist Sprachrohr, Einkommensquelle und sozialer Anker für viele sozioökonomisch benachteiligte Menschen, deren Anliegen nicht so sehr im Scheinwerferlicht stehen.

Im Herbst des vergangenen Jahres brach eine Säule der Redaktion plötzlich weg: Der langjährige Layouter musste aus privaten Gründen aufhören. Die Suche nach Ersatz gestaltete sich schwierig. Der Freiebürger wird von einem Verein getragen, der bewusst nicht profitorientiert arbeitet. Ziel ist es, Menschen in prekären Lebenslagen eine Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen. Ein Exemplar kostet 2,80 Euro, davon gehen 1,40 Euro an den jeweiligen Straßenverkäufer.

Entsprechend knapp sind die Mittel der Zeitung. Aktuell kümmert sich ein vierköpfiges Redaktionsteam um Themen und Inhalte. Wer dort arbeitet, muss mehr mitbringen als einen gut gefüllten Lebenslauf. Im Freiebürger-Team geht es um Haltung und Idealismus.

Hürden sind sie gewohnt

Die Lösung für die personelle Krise lag nicht gerade auf der Hand. Doch man erinnerte sich an Lars Bargmann, chilli-Chefredakteur, der dem Freiebürger bereits in der Vergangenheit in schwierigen Situationen geholfen hatte. Bargmann zögerte nicht. Er kontaktierte den Grafiker Sven Weis: „Hey, da gibt es den Freiebürger, die brauchen einen Layouter. Hättest du Kapazitäten, hättest du Lust?“ Weis‘ Antwort kam schnell: Ja.

Schon beim ersten Treffen wurde klar: Das passt. „Das ist naturgemäß auf Kante genäht“, sagt Weis offen, „aber wir haben relativ schnell gemerkt, dass es menschlich ziemlich gut funktioniert.“ Für den Freiebürger war es ein Glücksfall, kurzfristig einen erfahrenen Mediengestalter zu finden, und für Weis eine bewusste Entscheidung. „Mir sind solche Sachen viel wichtiger, als hier großen Reibach zu machen.“

Besonders beeindruckt zeigt sich Weis vom Engagement des Teams: „Die brennen total für das Projekt. Die machen immer mehr, als sie eigentlich müssten.“ Dieses Mehr-Tun trotz knapper Ressourcen zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Straßenzeitung.

„Schwerpunkte in unserer Berichterstattung sind natürlich soziale Themen“, erklärt Redakteur Carsten Kallischko, „also Arbeits- und Obdachlosigkeit, die Armenpolitik von Stadt und Land und so weiter.“ Und weiter stellt Kallischko klar: „Wer Faschismus, Rassismus oder Sexismus verherrlicht, fliegt raus!“

Dass der Freiebürger immer wieder an seine Grenzen stößt, gehört schon fast zur Identität des Blattes. „Mit dem kleinen Team spürt man sofort, wenn eine Kraft wegbricht“, sagt Weis. Doch die Haltung ist klar: Wir haben schon viele Krisen überstanden – diese schaffen wir auch.

Fotos: © unsplash.com/mckups.com, Freibürger