Hype am Gehege: Der Mundenhof soll mächtig wachsen Szene | 13.11.2019 | Till Neumann

Rund 400.000 Menschen sind im 2018 zum Mundenhof gekommen. Zu viel, um dessen Charakter zu erhalten, ­sagen die Verantwortlichen. Sie sind ­sicher: Die Besucherströme werden weiter wachsen. Schließlich wird ­nebenan bald ein Riese gebaut, der neue Stadtteil Dietenbach. Daher gibt’s einen Zehnjahresplan. Für einen Millionenbetrag soll der Freiburger Tierpark vergrößert werden. Für das ZMF könnte das von Vorteil sein. Für Autofahrer nicht.

Entspannung pur bietet der Mundenhof an diesem kalten November­morgen. Büffel grasen, die Erdmännchen liegen faul auf ihrem Hügel, ein paar Java­affen flitzen durchs Gehege. ­Menschen sind nur vereinzelt zu sehen. Dafür geschäftige Pfleger, die Gehege oder Wege in Schuss halten.

Mundenhof-Kenner: Berno Menzinger

An vielen anderen Tagen ist diese Ruhe auf dem Mundenhof nur noch bedingt zu finden. 10.000 Besucher kommen bei besten Bedingungen, sagt Berno Menzinger. Der 44-Jährige leitete rund acht Jahre lang den Betrieb. Neuerdings ist er stellvertretender Leiter des Städtischen Forstamtes. Die Belastung fürs Personal sei enorm: Drei Mitarbeiter seien am Wochenende da. Einer nur bis zum Mittag. Soll heißen: Ab 12 Uhr kümmern sich zwei Leute um 300 Tiere und 10.000 Menschen. „Absolute Unterkante“, nennt das Menzinger.

Der Andrang habe in den vergangenen vier bis fünf Jahren sichtlich zugenommen. Das belegen Zahlen des Rathauses: 2013 kamen 297.000 Besucher, 2018 waren es 400.000. 34 Prozent mehr. „Die Infrastruktur und die Personalausstattung sind den Besucherströmen an diesen Tagen kaum gewachsen“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Von Ausnahmesituationen berichtet Menzinger. „Wir standen schon am Zubringer Mitte, um Autos wegzuwinken, weil wir Angst hatten, dass es zu voll wird.“ In der Hofwirtschaft sei der Strom ausgefallen bei Hochbetrieb. Die hunderte Jahre alten Gebäude seien für die Belastung nicht ausgelegt.

Der Mundenhof-Hype hat für das Team zwei Seiten: „Wir haben uns darüber gefreut, das ist eine Bestätigung unserer Arbeit“, sagt Menzinger. Doch der Park habe so auch ein anderes Gesicht bekommen. Trubel und Menschenmengen würden der entspannten Atmosphäre im Wege stehen. Besucher hätten ihm zurückgemeldet: Sie kommen an Sonn- und Feiertagen nicht mehr.

Berno Menzinger kann das verstehen. Er ­findet: „Der Mundenhof soll kein Stadtpark zum Grillen und Frisbeespielen werden, wo im Hintergrund ein paar Esel grasen.“ Schließlich lebe er von seinem ganz eigenen ­Rhythmus. Anders als der Europa-Park oder die Herbstmesse, wo Action im Vordergrund stehen. „Wir wollen ­keine Reizflut, prägend sind hier lange ­Strecken mit wenig Veränderung.“ Man sehe sich als Tier-Natur-Erlebnis­park mit Bildungsauftrag.

Um des Zulaufs Herr zu werden, entwickelt das Rathaus einen Zehnjahresplan. Die Eckpunkte haben Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik und Forstamtsleiterin Nicole Schmalfuß unlängst bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Ihr Hauptziel: „Wir ­wollen die Besucher mehr auf die Fläche ­verteilen.“ Dafür soll als Ergänzung zum aktuellen Hauptweg eine neue Achse entstehen. Eine zweite Verbindung von den Gehegen zum Eingangsbereich – quer durch das Naturschutzgebiet. „Das soll keine Rummelfahrt werden, sondern ein vorsichtiger ­Zugang“, betont Schmalfuß.

Haben die meisten Paten: Die Erdmännchen sind kleine Stars

Neue Bereiche sollen insbesondere im nord-westlichen Bereich geschaffen werden. Dort sind Flächen belegt von Stadtgärtnerei, dem Reitclub 99, einem Erdaushublager und einem ­Requisitenlager des Theaters. Begrenzt wird das Areal durch die A5. Der mögliche Flächengewinn ist mächtig: Von einer Vergrößerung um die Hälfte spricht Schmalfuß. Die Besucher­kapazität soll von 400.000 auf bis zu 600.000 steigen. Von Kosten von bis zu drei Millionen Euro spricht Stuchlik.

Es braucht keine Kristallkugel, um zu wissen, dass die Besucherzahlen weiter steigen. Schließlich wird nur wenige Meter entfernt das Stadtviertel Dietenbach gebaut. Bis 2040 sollen dort 15.000 Menschen wohnen. Allein 21 Kitas sollen gebaut werden. Für Familien, die auch den Mundenhof in wenigen Minuten erreichen können. Ende 2025 könnten die ersten im Viertel wohnen.

Dafür kommt die Straßenbahn näher an den Park. Bisher ist die Haltestelle Rieselfeld etwa 1300 Meter entfernt. Nach der Dietenbach-Erweiterung sind es nur noch rund 600, schätzt Menzinger. Für ihn ist klar: „Wir wollen nicht auf Individualverkehr setzen.“ Eine Frelo-Leihrad-Station ist beim Mundenhof bereits eingerichtet.

Auch das ZMF wünscht sich mehr Fläche. Es steigt jährlich im Sommer im Eingangsbereich des Mundenhofs. Nach einem schwierigen Konzertjahr kam der Wunsch nach einem größeren Konzert­zelt auf. Dem erteilte Gerda Stuchlik eine klare Absage. Dennoch stellt sie mehr Fläche für das Zelt-Musik-Festival in Aussicht. Um die Hälfte könne auch die ZMF-Fläche wachsen, wenn die Pläne aufgehen. Menzinger berichtet von der Möglichkeit, das große Zelt zu drehen. So könne der Eingang nicht Richtung Wohngebiet zeigen.

Das ZMF-Team dürfte die Aussicht auf mehr Platz freuen. Der Förder­verein des Mundenhofs sieht das anders: Der Vorstand ist gegen eine ZMF-Ver­größerung, berichtet die Vorsitzende Ulrike Hiltmann. Eine Vergrößerung des Mundenhof-Areals begrüßt der Verein jedoch. „Man sollte dabei aber nicht das bestehende Gehege aus dem Auge verlieren“, sagt Hiltmann.

Locken viele Besucher an: Die Kamele am Mundenhof

Auch Matthias Rothacher von der Hofwirtschaft Mundenhof findet eine Vergrößerung gut. „Der Mundenhof platzt aus allen Nähten“, sagt der Gastronom. Auch ein zweiter Biergarten wäre für ihn vorstellbar. Positiv gestimmt ist auch der Vorstand des Reitclub 99. Daumen hoch für die Erweiterung, sagt Vorsitzender Georg Vonderstraß. Die 25 Pferde des Vereins könnten in das Angebot des Tierparks eingebunden werden.

Ausgebaut werden soll auch das ­Indoor-Angebot des Mundenhofs. Im „Alten Kuhstall“ sollen bis 2025 unter anderem Spielstationen installiert werden. Als Beispiele werden Ins-Heu-Springen oder Strohballen-­Bauen genannt. Auch ein Schau­-Bauernhof könnte bis 2029 entstehen.

Ob mit mehr Platz auch weitere Tiere Einzug halten? Ja, sagt Menzinger. Genaue Arten verrät er aber nicht. Nur so viel: Dem Fokus auf Nutz- und Haustiere wolle man treu bleiben. Tiger oder Löwen wird’s also nicht geben. Menzinger und sein Team ­hoffen, dass im Umkehrschluss eine ­wenig willkommene Art ­verschwindet: Zu lange Schlangen auf dem Mundenhof.

Fotos: © Till Neumann