»Haben Hoffnung«: Team der Kultkneipe Eimer will weitermachen Nachtleben | 17.11.2025 | Till Neumann
Wollen den Eimer weiterleben lassen: Resa Kapitz & Tobias Schmutz
Seit 20 Jahren gibt’s in Freiburg den Eimer. Ende März soll Schluss sein an der Belfortstraße 39. Wie geht’s dann weiter? Kneipenchef Tobias Schmutz und Teamleiterin Resa Kapitz erzählen im Interview mit chilli-Redakteur Till Neumann von ihren Plänen, einem Wohnzimmer und blicken auf die Anfänge zurück.
chilli: Wie läuft die Suche nach einem neuen Standort, gibt’s Hoffnung?
Schmutz: Hoffnung haben wir immer. Es gibt Objekte, in Freiburg ist im Moment viel frei. Ich mache seit über 30 Jahren Gastro hier, die Leute kennen mich. Ich muss nicht unbedingt jede Menge Unterlagen vorlegen. Ich habe außerdem eine Brauerei hinter mir, die finanzieren auch was.
chilli: Aber gute Räume sind knapp, oder?
Schmutz: Nee. Ich könnte sofort einen frisch renovierten Gastronomiebetrieb übernehmen, will ich aber nicht. Das passt nicht zu uns. Man müsste ja alles rausreißen und den Raum wieder auf unser Level runterbringen.
chilli: Was ist konkret in Aussicht?
Schmutz: Zum Beispiel haben wir überlegt, ob wir in die Kulturmeile Haslacher Straße mit reinkommen. Das ist passé. Selbst wenn Artik und Slow Club wieder reindürfen, ist das ein Neubau.
chilli: Das wollt ihr nicht?
Schmutz: Auf keinen Fall. Es ist ja das ganze Flair, das Subkultur hier ausmacht. Ich zahle auch keine 5000 Euro Pacht. Wenn die Preise so hochgehen, kann ich das mit unseren Gästen nicht vereinbaren. Wir sind ein Gastronomie-Betrieb, aber hauptsächlich ein Subkultur-Betrieb.
chilli: Es gibt eine Grenze?
Schmutz: Ja. Es geht nicht darum, hier Kohle rauszuziehen bis zum Abwinken wie andere. Wir haben ganz viele, die das als Safe Space sehen. Erst gestern Abend wieder meinten Gäste, sie haben Angst, wenn ihnen bald ihr Wohnzimmer fehlt.
chilli: Das hier ist ihr Wohnzimmer?
Schmutz: Ja. Leute, die einen ganzen Abend an einem Mineralwasser hängen, gehören hier genauso her wie die Musiker-Community, Studenten, Menschen jeglicher Couleur. Oft hörst du hier in drei Minuten fünf verschiedene Sprachen.
chilli: Welche Lage wäre gut?
Schmutz: Die Bahnhofsnähe wäre ideal. Eigentlich ist hier das einzige Viertel, wo wir hinpassen. Hier haben wir alle Nachbarn auf unserer Seite. Und es ist nicht so geleckt wie die Wiehre oder so. Wenn du da die Tür zu laut zumachst, kriegst du schon Ärger.
chilli: Was, wenn ihr bis April nix findet. Könntet ihr eine Weile überbrücken?
Schmutz: Nein, alles hier drin gehört mir. Ich muss alles auslagern, sogar die Bar. Der Keller ist voll mit Zeug. Ich müsste ein Lager mieten, das sind 500 Euro im Monat und ich habe kein Einkommen. Dann bin ich am Arsch.
chilli: Wie ist die Stimmung bei der Wackel-Perspektive?
Kapitz: Ich bin happy, dass jeder irgendwie sagt: Hey, wenn es weitergeht, sind wir wieder dabei. Aber natürlich ist die Situation belastend.
Schmutz: Ich bin schon gestresst, das nervt auch die Gäste. Uns ist wichtig, klarzustellen, dass wir nicht dichtmachen, weil wir pleite sind oder irgendwie Scheiß gebaut haben, sondern weil wir gehen müssen. Wir könnten sonst noch 20 Jahre weiter arbeiten hier.
chilli: Wie geht es also weiter?
Schmutz: Prime wäre, hier bleiben zu können. Aber das geht in dieser Konstellation nicht. Jetzt wollen wir den Eimer anderswo weiterleben lassen. Bands sollen weiterhin auftreten können.
chilli: Das ist Eimer-Tradition, oder?
Schmutz: Ja. Wir haben Kids hier gehabt, die kommen mit ihren Eltern und sind das erste Mal auf einer Bühne gestanden. Hier waren große Bands, die sagen, wir wollen wieder hier spielen, weil es einfach so geil ist. Wenn dir hier irgendeiner ins Drumset fliegt, dann bist du mit dem Publikum auf Augenhöhe. Wir haben Bands gehabt, die im Jazzhaus spielen und trotzdem hier auftreten wollen. Zu acht. Eigentlich ein No-Go für Veranstalter.
chilli: Wie war der Start hier vor 20 Jahren?
Schmutz: Ich habe vorher im „Légère“ gearbeitet. Dann haben wir hier mit 10.000 Euro den ganzen Laden restauriert. Alles mit Freunden und Bekannten. Als wir das übernommen haben, hat es richtig schlimm ausgesehen. Es wäre zu schön, wenn das irgendwie weitergeht.








