Yufka für 11 Euro: Freiburger Gastronom hadert mit Verpackungssteuer STADTGEPLAUDER | 17.11.2025 | Till Neumann

Döner-Betreiber: Ahmad Dirafzoon wird seine Preise anheben müssen.

Döner kosten aktuell oft 8,50 Euro. Auch in den zwei „Mr-Döner“-Läden von Ahmad Dirafzoon in Zähringen und dem Stühlinger. Was wird die Verpackungssteuer ändern? Der 40-Jährige erzählt im Interview mit chilli-Redakteur Till Neumann von hohen Produktionskosten, verärgerten Kunden und steigenden Preisen.

chilli: Die Verpackungssteuer kommt, was bedeutet das für Ihre Läden?
Dirafzoon: Wir haben einige Briefe vom Rathaus erhalten. Was ich mitbekomme von Kollegen: Da ist keiner begeistert. Die Döner-Verpackung kostet dann 50 Cent, mit Tasche werden es 1 Euro. Zudem wird ab 1. Januar der Mindestlohn auf 13,90 Euro erhöht. Wer soll das bezahlen? Die Leute beschweren sich, verständlich. Es ist alles teurer geworden.

chilli: Ihre Preise werden steigen?
Dirafzoon: Ja, wir Gastronomen müssen nächstes Jahr so oder so eine Preis­anpassung vornehmen. Dazu kommt die Verpackungssteuer. Wir rechnen pro Artikel mit 1,50 Euro bis 2 Euro mehr.

chilli: Der Yufka hier kostet 8,50 Euro. Und dann?
Dirafzoon: Eigentlich wollte ich dieses Jahr auf 9 Euro gehen. Aber ich habe es gelassen, da manche Mitbewerber bei 5 Euro sind. 2026 werden es definitiv 9 Euro, dann 9,50 Euro. Wenn 50 Cent oder 1 Euro für die Verpackung dazukommen, bist du bald bei 11 Euro.

chilli: Das ist viel Geld.
Dirafzoon: In Deutschland sagt man: Der Döner muss günstig sein. Der Maßstab ist einfach immer der Döner. Wenn ich beim Münster ein Wurstbrötchen esse, zahle ich 3,60 Euro oder 3,80 Euro. Das ist nur ein Brötchen, das 20 Cent kostet, und eine Wurst für 70 bis 80 Cent. Da bin ich bei einem Euro.

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chilli: Verkauft wird aber teurer.
Dirafzoon: Genau. Laut Finanzamt sollte man das Dreieinhalbfache verlangen. Dann kommt man auf 3,60 Euro. Wenn ich meinen Döner kalkuliere mit Energiekosten und Steuern – ohne Mitarbeiterlöhne – bin ich bei 3,5 bis 4 Euro reine Produktionskosten. Dann müsste er laut Finanzamt 13 Euro kosten.

chilli: Warum liegen die Produktionskosten bei bis zu vier Euro?
Dirafzoon: Ein Kilo hochwertiges Fleisch kaufe ich für sechs Euro. Das gibt nach Bratverlust drei Portionen, also zwei Euro pro Dönerportion. Mit Brot sind wir bei 2,60 Euro. Mit unserer guten Soße bei 3,10 Euro. Dazu kommt Salat und so weiter. Dann bin ich bei roundabout 4 Euro.

chilli: Wie reagieren die Kunden?
Dirafzoon: Sie fragen uns, für was ist die Verpackungssteuer? Sie sagen: Dann schmeißen sie den Müll erst recht auf den Boden, wenn sie schon dafür bezahlen, dass gereinigt wird.

chilli: Das ist heftig.
Dirafzoon: Die Idee dahinter finde ich wirklich gut: dass man Müll spart. Für die Politiker ist es am leichtesten zu sagen: Du bezahlst es, dann lernst du es. Aber wir werden mit dieser Verpackungssteuer keinen Müll hier reduzieren oder eine bessere Stadt werden.

chilli: Habt ihr Mehrweg?
Dirafzoon: Ja. Vor vier, fünf Jahren kam das Thema auf: Wir mussten prozentual Mehrweg anbieten. Ich habe bei einem Tupperhersteller 400 richtig gute Boxen bestellt. Wir haben sie angeboten für zwei Euro Pfand. Es gab bei 200 Kunden am Tag vielleicht drei pro Woche, die das wollten. Also gleich null. Wir sind das Ende vom Glied, müssen den Kunden erklären, warum sie 50 Cent mehr bezahlen. Das ist schwierig.

chilli: Für was habt ihr Mehrwegverpackungen?
Dirafzoon: Wir haben bisher nur Boxen für Teller.

chilli: Werdet ihr Kunden verlieren?
Dirafzoon: Ja, definitiv, das merkt man bei jeder Preiserhöhung. Es wird wirklich schwierig. Ich wünsche mir dennoch, dass wir weniger Müll haben – eine saubere Stadt. Wenn das klappt, sind die 50 Cent gut investiert.

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Fotos: © Till Neumann