Bio à la carte: Straußen mit Öko-Angebot Freizeit in der Region | 09.03.2019 | Philip Thomas

Weingut Hug Pfaffenweiler

Badischer Spargel, hausgebackenes Brot oder eigener Wein – mit ihrem regionalen Angebot punkten alle Straußen. Doch bei manchen gibt es das Viertele, die Brägele oder den Wurstsalat sogar in Bio-Qualität.

Wo einst mit Hobelmaschine und Bandsäge Weinfässer hergestellt wurden, werden heute in der Strauße „Zur alten Küferei“ an langen Holztischen und dunklen Sitzbänken Gäste verköstigt. Fässer lassen sich in der ehemaligen Werkstatt von Mario Hugs Großvater immer noch finden. Allerdings beherbergen diese keinen Rebensaft mehr, sondern verbinden als Tische, Bänke, Bar und Garderobe geschichtsträchtiges Ambiente mit dem modernen Weinanbau des Familienunternehmens.

Im Wein liegt bekanntermaßen Wahrheit. Und in seiner ökologischen Herstellung die Zukunft? Direkt vor den Toren Freiburgs leistet Familie Hug mit jährlich 30.000 bis 40.000 produzierten Flaschen dazu einen Beitrag für Gaumen und Umwelt. Das hat sich herumgesprochen. Bis in den hohen Norden nach Hamburg und Bremen finden einige der schlanken Glasgefäße ihren Weg. Auf jedem Exemplar: zwei kleine grüne Siegel. Denn in den Weinbergen kommen seit der Umstellung auf ökologischen Anbau im Jahr 2000 keine chemischen Unkrautvernichter, synthetisierte Pflanzenschutzmittel und leichtlösliche Dünger zum Einsatz.

Gestärkt werden die Reben stattdessen mit Malzpellets aus einer Brauerei, die ihre Nährstoffe nur langsam abgeben und somit nicht ins Grundwasser geraten. Dazu sprießen Pflanzen wie Klee zwischen Gutedel, Müller-Thurgau, Spät-, Grau-, Weißburgunder und Gewürztraminer sowie vier pilzwiderstandsfähigen Züchtungen. Aus den eingestreuten Pflanzen lässt sich zwar kein Wein gewinnen, allerdings ziehen sie nützliche Insekten gegen Schädlinge an und versorgen den Boden auf natürliche Weise mit Stickstoff. „Das ist ein gutes Gefühl“, sagt Manuela Hug, die den Hof mit ihrem Mann Mario leitet.

1989 übernahm er den Betrieb und ist ebenfalls überzeugt: „Die Umstellung auf einen ökologischen Betrieb war die beste Entscheidung, die ich getroffen habe.“ Noch heute lerne der Winzer jeden Tag hinzu: „Aktuell diskutieren wir den schonenden Rebschnitt. Dabei werden Triebe um den Stock länger gelassen, so wird die Pflanze quasi besser durchblutet.“ Seine Weine sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch vegan: „Wir verwenden kein Eiweiß oder Gelatine zur Klärung.“

Neben einem jungen, 20-köpfigen Team bekommen die beiden tatkräftige Unterstützung aus der eigenen Familie. Die Söhne Marvin und Mirco machen gerade ihre Ausbildung zum Winzer, studieren Weinbau und Kellerwirtschaft und wollen in den Betrieb einsteigen. „Beide unterstützen den ökologischen Gedanken unseres Weinguts und tragen ihn weiter“, sagt ihr Vater. Bereits jetzt bringen sie immer wieder Neues, wie Quinoa, auf die Karte. „Unsere Söhne sorgen mit neuen Ideen für einen modernen Touch, wir wollen schließlich auf der Höhe der Zeit sein“, sagt der 55-Jährige.

Das Interesse an dem Öko-Wein sei groß. „Im Supermarkt ist alles sehr anonym. Heute wollen die Leute wissen, wo ihre Produkte herkommen“, sagt Mario Hug, der Interessierten bei Führungen durch seine Reben am Dürren- und Batzenberg gerne reinen Wein einschenkt. „Der ökologische Aspekt ist dann das i-Tüpfelchen.“ Auch in der Strauße habe sich einiges getan: „Vor 20 Jahren haben unsere Besucher oft bis elf Uhr abends gegessen.“ Heute gingen viele Gäste um acht nach Hause, Fußball oder Tatort schauen. Die Hugs sind selber Fans. Eine Leinwand zwischen den Tischen ist allerdings keine Option: „Bei uns geht es um guten Wein und Geselligkeit.“

Info
Zur alten Küferei
Weinstraße 4 / 79292 Pfaffenweiler
geöffnet: 22. März bis 2. Juni & Anfang September bis 11. November
täglich ab 17 Uhr, sonn- und feiertags ab 15 Uhr
www.weingut-hug.de

Foto: © Muriel Debeuf