Reise-Special

Auf den Spuren der Pilger: Immer der Muschel nach – Jakobswandern im Burgund

21.07.2019 | Nicole Kemper

„Welche Freude, welche Freude!“ Das sollen schon vor Jahrhunderten die entzückten Pilger auf der Anhöhe gegenüber dem ewigen Hügel von Vézelay ausgerufen haben, wenn sie nach einem langen Fußmarsch den allerersten Blick auf die berühmte Basilika Sainte-Marie-Madeleine erhaschten. Das große Kreuz, das den bedeutenden Weg- und Aussichtspunkt markiert, trägt aus diesem Grund den Namen „croix montjoie“ – Kreuz des Freudenbergs.

Der „ewige Hügel“ und die Basilika von Vézelay zählen seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe und seit 1998 zum „Jakobsweg in Frankreich“-Weltkultur­erbe. Die geschichtsträchtige Abtei von Vézelay war bereits im 11. Jahrhundert eine umtriebige Sammelstelle für Kreuzfahrer, Jakobs­pilger und Gläubige. Ziel des Wallfahrtsgetümmels waren die angeblichen Reliquien der Maria Magdalena, die der Überlieferung nach im späten 9. Jahrhundert aus ihrem Grab in Südfrankreich gestohlen und in das 858 gegründete Benediktinerkloster in Vézelay überführt worden waren.

Der Ort bildet den Ausgangspunkt einer der vier wichtigsten Pilgerstraßen nach Santiago de Compostela, der Via Lemovicensis, die in Frankreich auch als Voie de Vézelay bekannt ist. Noch heute zeugen außer der Basilika mittelalterliche Häuser, Pilgerkeller und Befestigungsanlagen von der bewegten Vergangenheit des Ortes. Wer gemeinsam mit zahlreichen anderen Touristen aus aller Welt an kleinen Souvenirläden vorbei den Hügel hinaufsteigt, kann sich leicht Szenen aus dem Mittelalter vorstellen, in denen sich Pilgernde und Dorfbewohner auf dem Weg zu den Gebeinen der heiligen „Sainte Madeleine“ mischten, alle in Vertrauen auf die wunderwirkende Kraft der Reliquien.

Dass es über die Echtheit der sterblichen Überreste immer wieder Zweifel und ganz unterschiedliche Versionen zu deren Historie gibt, nimmt Ordensschwester Colombe bei der Führung durch die Basilika gelassen: „Wunder geschehen, weil die Menschen daran glauben, nicht weil da ein Knochen liegt“, kommentiert sie lapidar und weise. Unweit der Basilika gibt neben dem heutigen Rathaus ein niedriger Torbogen den Weg in dunkles Kellergewölbe frei: Hier befanden sich bis zum 14. Jahrhundert Notunterkünfte für den nicht abreißenden Pilgerstrom. Heutige Pilger übernachten je nach Gusto und Geldbeutel deutlich komfortabler: im behaglichen Hotel oder im Schlafsaal der Pilgerherberge.

Der Vézelay-Weg führt durch historische Ortschaften, ist abwechslungsreich und stimmungsvoll.

Die Jakobswege im Burgund sind geprägt von Flüssen, Weinbergen, urwüchsigen Wäldern und pittoresken mittelalterlichen Dörfern. Chardonnay und Pinot Noir sind allgegenwärtig, an den Rebhängen entlang der Wege und auf den Weinkarten der Restaurants, die den Rastsuchenden Stärkung auf hohem kulinarischen Niveau bieten. Außerhalb von touristischen Schwerpunkten und Städten sind die Wanderer häufig allein mit sich und der Landschaft – wer auf seiner Reise ungestörte Naturerfahrungen und Kontemplation sucht, wird nicht enttäuscht.

Verzeichnet der weiter südlich in der Auvergne gelegene Jakobspilgerort Le Puy 40.000 Pilger im Jahr, zählt man in Vézelay lediglich 2500. Schließlich ist Europa seit dem 9. Jahrhundert von einem ganzen Netz von Jakobswegen durchzogen, und auch wenn kein Weg an Frankreich vorbeigeht, bündeln sich die vielen Routen erst nach und nach. Von Vézelay bis zum Anschluss an den Camino Frances an der spanischen Grenze sind noch 900 Kilometer, bis nach Santiago de Compostella noch zirka 1700 Kilometer Fußweg zu bewältigen. Die meisten Pilger, die im Burgund dem Zeichen der Muschel folgen, haben das ferne Ziel in Spanien nicht direkt vor Augen, sondern bestreiten lediglich eine Teiletappe, an die zu einem anderen Zeitpunkt angeknüpft werden kann.

Zum Übernachten stehen nur in einigen Städten Pilgerherbergen zur Verfügung, andernorts muss man auf Hotels oder andere Touristenunterkünfte zugreifen. Wer dies nicht in Eigenregie planen will, findet bei lokalen Anbietern komfortable Pilger-Komplettpakete. Das Reisebüro „Escapade Gourmande“ bietet beispielsweise für die Viertagestour von Auxerre nach Vézelay entlang des Flüss­chens Cure täglichen Gepäcktransport und Übernachtungen in 2- und 3-Sterne-Hotels. Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet und ausgerüstet mit dem passenden Kartenmaterial bleibt beim „Luxuspilgern“ also vor allem die Aufgabe, auf 17 bis 22 Kilometern täglicher Wegstrecke die Muschel im Auge zu behalten und am Ende des Tages im gebuchten Hotel und zum Abendessen einzutreffen.
Nicole Kemper

Weitere Infos:
www.st-jacques-bourgogne.org
www.escapadegourmande.com
www.bourgogne-wines.com

Fotos: © Nicole Kemper

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