Jahresrückblick: Das sind Freiburgs beste Songs 2019 Kultur | 27.12.2019 | chilli

Bildcollage Tracks des Jahres

Alle guten Artists ziehen nach Berlin? Pustekuchen. Freiburg hat viele innovative und überregional erfolgreiche Musiker. Vielleicht nicht wie Sand am Meer. Aber zumindest wie Fischtreppen an der Dreisam. Die chilli-Redaktion hat zum dritten Mal die zwölf besten Songs des Jahres zusammengestellt.

In der Jury sitzt erstmals auch eine externe Jurorin: die Musikerin und Veranstalterin ­Deborah Ewert. Sie hat mit den chillisten Till Neumann und Philip Thomas eine subjektive Auswahl getroffen. Von Pop bis Balkan, von Rap bis Latino, von Folk bis Soul.

Catastrophe Waitress » Gun

Nüchtern und genau auf den Punkt erzählen Catastrophe Waitress mit ihrer neuen Single „Gun“ eine Geschichte, die lethargisch und dramatisch zugleich anmutet. Die Folk-Pop-Band beweist darin ein feines Gespür für In­s­trumentierung und Groove, eingängige Melodien verleihen dem Song Ohrwurmcharakter – ein vielversprechender Vorgriff auf ein bald erscheinendes neues Album?

El Flecha Negra » No me llamas

Für coolen Latino-Sound muss keiner über den Atlantik jetten. Fünf Chicos aus Freiburg liefern Tracks, die auch Eisklötze zum Tanzen bringen können. „No me ­llamas“ ist einer davon. Entspannte Nummer mit Gesang und Rap. En español, claro. Das macht nicht nur im Wohnzimmer Laune. Die Schwarzen Pfeile bieten auch live ein Feuerwerk. Den Beweis gibt’s am 26. Januar bei ihrer Birthday-Show im E-Werk.

Michael Oertel Band » Shoe Store Man

Schon zu Beginn von „Shoe Store Man“ wird deutlich, wohin es gehen soll: geradewegs nach vorne. Es ist nicht die einzige Rocknummer auf dem neuen Album der Michael Oertel Band – weitere Hörempfehlung ist „Rosalie“. Mehr noch als beim letzten Release kommen auf „A Little Faith“ die Songwriting-Qualitäten des Frontmanns zum Vorschein. Sie enthüllen eine ausgewogene Mischung aus Blues, Rock und Pop.

Liner Notes » Unwind

Origineller Sound, moody Vibes und Pocket – so lautet es im Pressetext der Liner Notes. Was hier unter Pocket zu verstehen ist, wird nicht nur auf dem Album „The Struggle and the Love“ deutlich: Perfektes Zusammenspiel und Timing zeichnen die Neo-Soul-Band um Julia Mikulec und Björn Geiger auch live aus. Ihre erste Single „Unwind“ glänzt noch dazu mit einem geschickt inszenierten Musikvideo.

Zweierpasch » Lichter

Die zweisprachigen Zwillinge von Zweierpasch fackeln nicht lange. „Lichter“ vom neuen Album „Un Peu d’Amour“ geht direkt ins Ohr und bleibt dank starker Gesangseinlage von Kenny Joyner (Fatcat) auch im Kopf. Dazu gibt’s Poesie und Politik, transportiert durch Rap und reduzierte Ins­trumente. Verdient ebenfalls Rampenlicht: Der Elektro-
Remix des Stücks brennt langsam, ist aber ein echter Kopfnicker.

Fatcat » Candy Pink

Freiburgs Exportschlager meldet sich nach Auftritten auf dem Fusion-Festival und im Schloss Bellevue zurück. Die acht Jungs machen auf ihrer dritten ­Studio-
EP „Love Child“ ordentlich Welle. Die Single ­Candy Pink hat ein kleines Video spendiert bekommen. Das Stück selbst ist gewohnt funky, äußerst tanzbar, dazu vielschichtig und nicht zu überladen.

Zweatlana » FCKN ART

Zweatlana (ehemals Svéa) macht Ton aus Strom. ­Keine Band und kein Schlagzeug, dafür mit Keyboard, Misch­pult und viel Gefühl für Melodie. Mit „FCKN ART“ und gut abgemischtem Elektro-Pop möchte die Solokünstlerin so groß werden wie ihre Buchstaben. Schon jetzt ist die Produzentin ein frischer Wind für die Freiburger Folk/Rock/Ska-dominierte Musikszene. Ihre erste EP kommt im Februar.

Heirs to the Wild » Black Night

Fast schon überraschend feierten Heirs to the Wild im ­Oktober die Veröffentlichung ihres Debütalbums „The Promise“. Die Live-Version von „Black Night“ fängt die bemerkenswerten Phrasierungen von Sängerin Rabea Hussain behutsam ein, mit gekonntem E-Gitarren- und Bassspiel bringt das Trio so seinen Poetic Crossover Jazz zum Klingen. Smoothe Klänge für die gemütliche Jahreszeit.

Qult » Traum einer Welt

Qult träumt von einer besseren Welt. Dazu vermischen die Gewinner des ZMF-Lokalderbys gekonnt Rap, Rock und nachdenkliche Texte. „Ganz egal, ob wir arm oder reich sind, schwarz oder weiß sind. Wir entscheiden selbst. Und ein kleiner Flügelschlag inspiriert vielleicht die Welt“, schmettert Frontsänger Jens Gläsker über Gitarre, Klavier und Drums. Man wird ja noch träumen dürfen.

Malaka Hostel » Disko Fatale

Durchdrehen auf dem Dancefloor. Darum geht’s bei Malaka Hostel. Die sechs selbsternannten Kojoten machen einen wilden Mix aus Balkan, Reggae, Ska und HipHop. In ihrer Disko Fatale treibt es die Crew mit Wagenburg-Vergangenheit in der Vauban bunt. Dicke Bässe, Pauken und Trompeten warten auf die Zaungäste. Ihr Motto: Amore total. Der Weg dahin: Eskalation.

The Rehats » City Lights

In die Lichter der Großstadt tauchen The Rehats mit ihren Hörern ein. „City Lights“ ist eine Ballade der vierköpfigen Folk-Band, die ins Ohr geht. Vor allem wegen der warmen Stimme von Frontmann Johannes Stang, aber auch wegen kleiner, einfacher Melodien. Man kann den Sound zu schmusig finden. Man kann sich aber auch dabei erwischen, den Chorus am nächsten Tag immer noch im Kopf zu haben.

Otto Normal » Mit Dir Ohne Dich

Die Indie-Pop-Band aus Freiburg liefert mit „Mit dir ohne dich“ ein Liebeslied der besonderen Art. Es ­erzählt von zwei Leben, dem Hin und Her zwischen Single und Beziehung. „Mit dir Hugh Grant und tatsächlich Liebe, ohne dich Wu Tang, James Brown, Sexmaschine!“, rappt Frontmann Pete. Smoothes Piano, Ohrwurm-­Gitarre, starker Text. Und im Video performen Gehörlose mit Gebärdensprache.

Die Jury

Name Till Neumann
Jobs chilli-Redakteur und Musiker
Hört gerne HipHop, Soul, Urbanes
Ist allergisch auf Schlager und schlechte Texte

Name Deborah Ewert (Debbie Ela)
Jobs Kulturschaffende und Musikerin
Hört gerne Rock, Pop, Experimentelles
Ist allergisch auf Fade-Outs

Name Philip Thomas
Jobs chilli-Volontär
Hört gerne Elektro und Techno
Ist allergisch auf Deutsch-Pop und Nazis