R(h)ein ins Märchen – „Feenzauber“ – Fahrradrundtour Freizeit | 01.09.2025 | Nicole Kemper

Rhein

Glaubt man den Sagen der Region, geistern in der Rheinebene allerhand märchenhafte Wesen umher. Wer eines dieser zauberhaften Exemplare einfangen will, schnappt sich am besten ein Fahrrad und begibt sich auf die 54 Kilometer lange „Feenzauber-Tour”. Zumindest eine Fee wird dabei auch den aufgeklärtesten Zweiflern garantiert immer wieder erscheinen …

Auenwälder des Naturschutzgebiets Taubergießen

In den Auenwäldern des Naturschutzgebiets Taubergißen lässt sich der „Feenzauber“ dieser Tour besonders intensiv spüren.

Pinker Lavendel

Die abwechslungsreiche Fahrradtour führt von Mahlberg an den Rhein, durch den Tauber­gießen, am Europapark vorbei über den Kahlenberg nach Ettenheim und schließlich zurück an den Ausgangspunkt. Auf den Wegweisern der Rundstrecke prangt eine geheimnisvoll lächelnde Figur mit Zauberstab. Allerdings macht sich die Dame zwischendurch rar, so dass eine Karte oder ein GPS-Track empfehlenswert ist.

Die Rundtour ist Teil des Radwegenetzes „Sagen und Mythen der Ortenau“. Insgesamt 30 Touren laden zwischen Rhein und Schwarzwald dazu ein, die Gegend radelnd zu erkunden und die Geschichten der Region kennenzulernen. Die E-Bike- und Tourenrad-Strecken unterscheiden sich in Höhenprofil und Länge – und bieten so verschiedene Schwierigkeitsgrade. Die meist eben verlaufende Feenzauber-Tour wird in die Kategorie ‚leicht‘ eingestuft, allerdings gilt es, über 50 Kilometer und am Ende noch den Anstieg über den Kahlenberg zu bewältigen.

Der Rundweg startet offiziell bei einem kleinen Rastplatz am Ortsausgang von Mahlberg. In der vorgeschlagenen Richtung geht es zunächst nordwestlich entlang des Kapuzinergrabens, über die Gleise der Rheintalbahn, dann durch Felder, Äcker und Wäldchen am Autobahnrasthof Mahlberg vorbei nach Lahr-Kippenheimweiler. An schönen Sommertagen lohnt ein Abstecher zum nahen Waldmattensee. Der idyllisch im Auwald gelegene Badesee mit Liegewiese ist frei zugänglich – ideal für eine schnelle Erfrischung! Kurz danach erfolgt ein Richtungswechsel. Hinter dem Lahrer Ortsteil Langenwinkel trifft der Fahrradweg auf den nach Westen führenden Schutterentlastungskanal, und die Vogesen kommen in Sicht. Eine historische Tafel am Kanal schildert dramatische Hochwasser­ereignisse, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts erste Pläne für Schutzmaßnahmen reifen ließen. Das kosten- und arbeitsintensive Mammutprojekt wurde schließlich erst 1934 realisiert und erfordert bis heute immer wieder millionenschwere Ausbaumaßnahmen.

Meditatives Pedaletreten

Hinter dem Rieddorf Nonnenweier stößt der Radweg auf den Rheindamm, auf dem es in südlicher Richtung weitergeht. Entlang des Grenzflusses beginnt der meditative Abschnitt der Tour: Die Motorengeräusche von Autobahn und Bundesstraße verstummen, der Klang der Fahrradreifen auf dem knirschenden Kies wird zur vorherrschenden Melodie. Sich zu verfahren ist nicht möglich, so darf sich der Geist im gemütlichen Pedaletreten verlieren und dem blauen Band des Rheins folgen. Hin und wieder zieht ein Frachtschiff vorbei, in den mit zeitlicher Verzögerung ans Ufer brandenden Wellen schaukeln Schwäne. Am Fähranleger hat sich eine kleine Autoschlange gebildet, deren Insassen auf die nächste Überfahrt ins französische Rhinau warten.

Gecko

Auf der Höhe von Kappel-Grafenhausen gibt es einen erneuten Szenenwechsel. Hier vereinigen sich der schiffbare Rhein und ein Altrheinarm, und der Fahrradweg taucht ein ins Naturschutzgebiet Taubergießen. Im urwaldähnlichen Auenwald ist die Chance auf mystische Begegnungen sicherlich am größten. Und wenn schon keine Märchenwesen auftauchen, dann vielleicht seltene Brutvögel wie der schillernde Eisvogel, wild wachsende Orchideen oder feen­ähnliche Libellen und Schmetter­linge. Zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tierarten haben hier ihren Lebensraum gefunden.

2 Radfahrer

Kahlenberg

Zunächst geht es rheinwärts, dann zwischen Obstbäumen hinein in die Reben – eine Tour voller Abwechslung.

Beim Annähern an Rust wird das Summen der Insekten durch hohe Schreie übertönt. Man hört den Europapark, lange bevor die großen Bögen der adrenalinfördernden Achterbahnen in Sicht kommen. Nach der ruhigen Passage im Naturschutzgebiet wirkt das wuselige Treiben um den Freizeitpark wie eine Vertreibung aus dem Paradies. Doch das nächste Naherholungsgebiet ist nicht fern: Bei Ringsheim werden Autobahn und Rheintalbahn wieder passiert und der Anstieg auf den Kahlenberg beginnt. Ein rumorendes Hintergrundgeräusch zeugt davon, dass die Abfallbehandlungsanlage auf der Deponie in vollem Betrieb ist. Das für Besucher offene Gelände bietet jedoch viel mehr als Müllverwertung. Wer das Rad abstellt und den ausgeschilderten Fußpfaden entlang von 18 Informationstafeln folgt, kann dort unter anderem auch den Eingang zum ehemaligen Erzbergwerk entdecken sowie ein weitläufiges Tiergehege erkunden.

Info

Feenzauber-Fahrrad-Rundtour
Start- und Endpunkt: Mahlberg, Schmiedeweg
Streckenlänge: 54 Kilometer
Höchster Punkt: 269 Meter
Tiefster Punkt: 144 Meter

GPS-Download
www.ortenau-tourismus.de/touren/feenzauber-tour-a556400259

Radkarte
Sagen und Mythen der Ortenau:
30 magische E-Bike- und Tourenrad-Strecken, Maßstab 1:65.000
8,90 Euro, ISBN 978-3-939657-71-2

Schmetterling auf Blume

Spektakuläre Rundumsicht

Anschließend beginnt der steilste Abschnitt der Tour, an Obstbaumwiesen und Weinterrassen vorbei, auf den Spuren des Breisgauer Weinwegs. Oben auf dem Sattel bietet sich ein Abstecher zum nahegelegenen Heubergturm an, der eine spektakuläre Rundumsicht auf Schwarzwald, Kaiserstuhl und Vogesen bietet. Am Fuß des Turms lädt die Wandereinkehr zum Verweilen. Wer nun noch Zeit und Energie für weitere Eindrücke und Erlebnisse hat, kann die Radtour mit einem Stadtbummel durch die Barockstadt Ettenheim mit malerischen Gässchen und Fachwerkhäusern abrunden, bevor es nach Orschweier und entlang der Bahnlinie zurück nach Mahlberg geht.

Zum Heuberg

Einkehrtipp

Zum Heuberg
Mit regionalen Snacks und Erfrischungen laben sich Radler und Wanderer tagsüber unten im Turm. Abends wird die Wandereinkehr mitten in den Reben zur Weinbar.

Sommeröffnungszeiten:
Mo.–Fr. ab 17 Uhr
Sa. & So. ab 11 Uhr
Feiertage: 11–18 Uhr
www.zumheuberg.de

Fotos: © Nicole Kemper, freepik.com, iStock - Halfpoint, Weber GmbH