Kampf um Eigenständigkeit – „Woyzeck“ feministisch interpretiert Veranstaltungstipp | 09.09.2024 | Marianne Ambs

Drei Personen in einem Zimmer hinter einem Fenster

Aus Eifersucht tötet Woyzeck seine Geliebte Marie. Inspiriert durch einen echten Mordfall aus dem Jahr 1821 erstellt der 23-jährige Mediziner Georg Büchner in seinem Dramenfragment ein vielschichtiges Täterprofil: Woyzeck, Berufssoldat und wissenschaftliches Versuchskaninchen, gedemütigt und betrogen, hört plötzlich eine Stimme im Kopf: „Stich! Stich!“

Dunkel und zugleich poetisch, diskutiert Büchners Text aktuelle Fragen: Unter welchen Bedingungen entsteht Gewalt? Sind wir frei oder werden wir fremdbestimmt? Die serbische Regisseurin Bojana Lazić nimmt diese Fragen ernst und untersucht den Nährboden, in dem heute Gewalt gedeiht: In Familie, Beruf und sozialem Umfeld. Doch ihr Woyzeck ist weiblich. Zerrissen zwischen Jobs, Mutterrolle und Beziehung, kämpft Woyzeck um ihre Eigenständigkeit.

„Woyzeck“ feministisch interpretiert
Kleines Haus, Theater Freiburg
Donnerstag, 12. September, 20 Uhr, weitere Termine im September
www.theater.freiburg.de

Foto: © Theater Freiburg_Laura Nickel