Keine Angst vor großen Zahlen – Die Unmüssig-Gruppe feiert ihr 80-jähriges Bestehen Bauen & Wohnen | 22.02.2026 | Lars Bargmann

Peter (l.) und Maximilian Unmüßig zusammen mit Dennis Bihler im Gespräch. Peter (l.) und Maximilian Unmüßig zusammen mit Dennis Bihler im Gespräch.

Vom Acker in die Asset-Welt: 1945, kurz nachdem der Krieg vorbei war und Freiburg in Trümmern lag, hatte Adolf Unmüßig, Sohn einer Bauernfamilie aus der March, ein Architekturbüro gegründet. Ein Jahr später ein Bauunternehmen. Sohn Peter trat 1976, noch am Tag seines Examens als Diplom-Kaufmann, in die väterliche Firma ein. Seit 2020 ist nun Peters Sohn Maximilian als Geschäftsführer an Bord. Drei Generationen, drei unterschiedlichen Typen.  Am 18. September feiern die Unmüßigs das 80-jährige Firmenjubiläum.

Pünktlich zum Geburtstag gab es einen Relaunch der Marke Unmüssig samt neuem Web-Auftritt. Und seit Mitte Januar firmieren die Firmen auch nicht mehr unter der Unmüssig Bauträgergesellschaft, sondern als Unmüssig-Gruppe, die Wärme Kontor Freiburg als Energy Solutions, die Immobilien Management als Real Estate Management. Die Freiburger werden internationaler.

Peter Unmüßig machte aus der Baufirma seines Vaters im Laufe der Jahrzehnte – und durchaus stürmischen Zeiten – einen der größten Projektentwickler in Süddeutschland. Heute haben die Freiburger Projekte in Stuttgart und Karlsruhe, in Heidelberg und Ludwigshafen, in Mainz und Weinheim, in Frankfurt und natürlich vor der eigenen Haustür.

In den 40er Jahren agierte die Firma noch als Bauunternehmung.

In den 40er Jahren agierte die Firma noch als Bauunternehmung.

Das aktuelle Projektvolumen beläuft sich auf 2,6 Milliarden Euro, 30 Bauvorhaben mit 400.000 Quadratmetern Nutzfläche – das sind 55 Fußballfelder –, um die sich das insgesamt 80-köpfige Team kümmert. Keine Angst vor großen Zahlen, könnte als Slogan über dem Jubiläumsjahr stehen, aber es steht etwas anderes darüber: Vertrauen, Verantwortung, Verlässlichkeit.

„Weil das unsere DNA ist“, sagt Peter Unmüßig in seinem Büro auf dem Güterbahnhof. „Auf uns kann man vertrauen, wir übernehmen Verantwortung und sind ein verlässlicher Partner.“ Man müsse eben „auch mal strammstehen, wenn was falsch läuft“, mal einen Mieter bringen, auch wenn man vertraglich dazu gar nicht verpflichtet sei.

Dutzende Projekte hat Unmüßig für institutionelle Anleger gebaut, Versicherungen, Pensionsfonds, Kirchen. Sie alle wollen Rendite sehen. In den vergangenen zehn Jahren, als das Geld nichts kostete, passte die Kalkulation auf einen Bierdeckel. Heute ist das anders. „Wir stehen in Konkurrenz zu Staatsanleihen, wir müssen mehr Rendite bringen und dafür müssen wir kreative Lösungen finden.“

Aktuell richtet sich der Fokus in der Projektentwicklung, dem stärksten Geschäftsbereich, auf Themenimmobilien. „Der frei finanzierte Wohnungsbau geht im Moment nicht, klassische Bürogebäude auch nicht“, erzählt ­Unmüßig. So baut die Gruppe aktuell ein Rathaus für die Stadtverwaltung in Ludwigshafen, hat an der Messe das Kopfbau-II-Gebäude fürs Freiburger Stadtarchiv erstellt, Hotels gebaut, Flächen fürs temporary living in den BlackF-­Apartment-häusern, plant in Freiburg ein jüdisches Hotel, in Landwasser ein Hochhaus vor allem für Beschäftigte von Unternehmen, projektiert ein Gebäude allein für Pflegekräfte. „Der Markt ändert sich und mit ihm auch unsere Projekte“, so Unmüßig. Am Güterbahnhof ist ein Neubau mit ausschließlich öffentlich geförderten Mietwohnungen kurz vor der Bau­eingabe.

Die Referenzliste des Unternehmens ist so lang wie die Kajo. Herauszuheben sind der Neubau des Sparkassen-Finanzzentrums, die Westarkaden, das Quartier Unterlinden, der Breisacher Hof, das Motel One oder der Green City Tower in Freiburg. Aber auch das Degerloch Office Center in Stuttgart mit 45.000 Quadratmetern Mietfläche: Der 20-Jahres-Mietvertrag mit der Alten Leipziger über 25.000 Quadratmeter ging durch die nationale Presse. Allein in dieses Projekt in Schwaben investierten die Badener 280 Millionen Euro. In Frankfurt gehört zu den Referenzen der Wohntower Blue Horizon, in Heidelberg die Westarkaden, in Ludwigshafen die Ludwigstürme, in Mainz das Tele-Haus.

»Coole Historie«

Maximilian Unmüßig war zuvor bei mehreren Private Equity Fonds tätig. In Frankfurt, Berlin, München, London. Warum zurück ins beschauliche Freiburg? „Der Name Unmüßig war ja schon überregional durch viele spannende Großprojekte bekannt und hat eine coole Historie. Es war immer schon klar, dass ich mal ins Unternehmen einsteige.“ In eines, das nicht nur einer Familie gehört, sondern von der Familie auch aktiv geführt wird.

Wie der Vater den Kurs verändert hat, so will auch der Sohn an der Zukunft arbeiten. „Wir wollen das auf die nächste Ebene bringen, expandieren, auch geografisch.“ Mit der neu gegründeten UMX Investment Partners wird er demnächst etwa eine Niederlassung in Frankfurt eröffnen, um von dort aus „die Top-7-Städte zu bespielen“.  Neben der Projektentwicklung auch suboptimal funktionierende Bestandsimmobilien kaufen und zu optimal funktionierenden umbauen. Und sie dann als Renditeobjekte – über den Staatsanleihen – zu verkaufen. In den facettenreichen Teilmärkten der Immobilienbranche agieren.

Für Peter Unmüßig ist auch das nicht neu. Aber der Maßstab wird sich ändern. Mit nun 80 Jahren ist bei Unmüßigs nur ein weiterer Meilenstein gesetzt. Es wird nicht der letzte sein.

Fotos: © Unmuessig