Mit dem Strom: Eine Kanutour auf dem Altrhein Freizeit in der Region | 03.08.2019 | Till Neumann

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Geräuschlos übers Wasser gleiten. Das geht wunderbar bei einer Kanutour auf dem Altrhein. REGIO-Autor Till Neumann ist von Steinenstadt bis Hartheim gefahren und dabei ordentlich nass geworden.

Ein Sommersonntag, halb 11 Uhr morgens, die Sonne lacht. Am Ufer des Altrheins bei Neuenburg treffen sich Jung und Alt, um einen Tag auf dem Wasser zu verbringen. Rund 20 Boote und Zubehör bringen die Wassersport-Profis von „Wildsport Tours“, die Boots- und Stand-Up-Paddling-Touren im Südwesten anbieten.

Das Team um Thomas Mießeler liefert neben der Ausrüstung auch wichtige Tipps: die korrekte Paddelhaltung, gute Pausenplätze und Ratschläge zur Stressvermeidung. „Das Gebüsch anzuschreien, wenn es näherkommt, hat noch nie geholfen“, scherzt Guide Michael Lörcher. Viel wichtiger sei es, sich nach vorne zu ducken und dann vom Ufer wieder abzustoßen.

Dass die Strecke mit Startpunkt Steinenstadt keine Wildwasser-Rallye wird, ist leicht zu erkennen. Gleichmäßig fließt der breite Nebenarm des Rheins Richtung Norden. Inklusive Pausen sind vier bis fünf Stunden einzuplanen. Ausgerüstet mit Schwimmweste, Landkarte und einer 55 Liter großen, wasserdichten Truhe für Ersatzkleidung, Verpflegung und Sonnencreme geht’s los. Alle Paddler haben zwei Optionen: die kürzere Tour bis Grißheim (13 Kilometer). Oder eine längere bis Hartheim (21 Kilometer). Wie weit man fährt, kann spontan entschieden werden. „Ruft einfach an, wenn ihr da seid, wir brauchen dann etwa 15 Minuten, um euch zu holen“, erklärt Lörcher.

Ein bisschen wackelig ist der Einstieg ins grüne Dreisitzer-Kanu schon. Doch sobald man sitzt und die Paddel ins Wasser taucht, läuft es wie am Schnürchen. Die satte Strömung tut ihr Übriges, schon huscht das Ufer vorbei. Das Lenken hinten erfordert etwas Übung, ist aber mit ein bisschen Geschick schnell gelernt. Wer vorne sitzt, kann Gas geben – oder das Paddel auch mal ruhen lassen.

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Die Tour bietet Entspannung und Abkühlung. Trocken bleibt keiner.

Harmlose Stromschnellen

Die Temperatur steigt schnell. Spürbar ist das im Kanu nur bedingt. Auf der Wasseroberfläche bleibt’s kühl – und die Hände tauchen beim Paddeln eh regelmäßig ins Wasser. Viel Sonnencreme braucht’s trotzdem, das kühle Nass reflektiert.

Die Entspannung kommt prompt: Zwischen saftig grünen Ufern voller Bäume und Sträuchern unter strahlend blauem Himmel bahnt sich das Boot seinen Weg. Reiher lauern links und rechts nach Beute, kleine Entchen flitzen der Mutter hinterher, sogar ein Reh ist am Ufer zu entdecken. Auch eine Libelle will mitfahren: Sie macht es sich als blinder Passagier auf dem Paddel gemütlich.

Selbst Unerfahrene kommen gut zurecht. Die Stromschnellen sind harmlos, bringen aber Beschleunigung in die sanfte Tour. Nur am Wehr bei Grißheim schlagen die Wellen höher. „Bitte steigt hier aus und tragt das Boot rechts am Wehr vorbei“, hatte der Guide vor der Tour empfohlen. Die Stromschnelle zu fahren, gehe zwar meistens gut. Wenn man jedoch kentere, werde man im Kehrwasser nach unten gezogen. Es dauere, bis man wieder nach oben komme.

Etappenziel eins wäre geschafft. Doch hier schon aufhören? Nö. Erschöpfung ist noch keine zu spüren. Das liegt auch an den Pausen. Auf einer Insel noch vor Grißheim kann man herrlich am Flussufer anlegen. Die Vorräte aus der Tonne schmecken jetzt doppelt gut. Das Wasser lädt mit 24 Grad zum Baden ein.

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Auf einer Insel noch vor Grißheim kann man herrlich am Flussufer anlegen.

Auf den letzten Kilometern steigt die Experimentierfreude. Kann man in voller Fahrt aus dem Boot hüpfen, ohne zu kentern? Man kann. Kann man sich am Boot festhalten und minutenlang treiben lassen? Klaro. Ganzkörpergekühlt geht’s so Richtung Hartheim. Man muss nur auf den Allerwertesten aufpassen. An vielen Stellen ist der Rhein gerade mal knietief.

Dann kommt die Ausstiegsrampe. Das Zeitgefühl sagt, dass es etwa halb zwei ist. Ein Blick auf die Uhr zeigt: Viertel nach drei. Die Zeit ist wie im Flug vergangen.

Info

„Wildsport Tours“ bietet Kanu- und Kajaktouren in Südbaden an. Auch Stand-Up-Paddling und sogenanntes Kata-Rafting sind im Programm. „Wir paddeln in der Region rund um Freiburg, zwischen Schwarzwald und Vogesen“, informiert das Team. Die Touren können mit oder ohne Begleitung gemacht werden. Die Einsteigertour von Steinenstadt bis Grißheim oder Hartheim kostet pro Person 30 Euro im Zweierkanu. Kinder zahlen ab 10 Euro.

Mehr Infos auf

www.wildsport-tours.de

Fotos: © tln, Philine Sauvageot