Durch den Zauberwald – Friedrich-Eberts-Aboretum Baden-Baden Erkunden & erleben | 11.05.2026 | Nicole Kemper

Zauberwald Baden-Baden Der etwa fünf Hektar große Park am Fuße des Baden-Badener Hausbergs Merkur ist frei zugänglich und bezaubert mit exotischem Baum­bestand, im Frühling durchsetzt von bunten Blüten wie der japanischen Zierquitte.

Mammutbäume, Blütenrausch und seltene Raritäten aus aller Welt: Am Fuße des Baden-Badener Hausbergs Merkur verbirgt sich mit dem exotischen Friedrich-Eberts-Arboretum ein wahrer „Zauberwald“. Dabei startete dieses botanische Märchen einst als Auffangstation für unverkäufliche Bäume.

Im Frühjahr und Frühsommer erleben Wanderer auf dem Panoramaweg bei Baden-Baden ein beeindruckendes Naturschauspiel: Inmitten des Misch­walds eröffnet sich ihnen ein prächtiges Blütenmeer in mannigfaltigen Gelb-, Rot- und Violetttönen, überragt von riesigen Mammutbäumen. Zwischen vertrauten Waldbäumen tummeln sich Magnolien und Rhododendren. Hier verblüht eine Forsythie, dort scheint eine Zimmeraralie aus ihrem Topf ausgebüchst zu sein. Die in Chile beheimateten Araukarien recken ihre spitzen Schuppenblätter wie grüne Kronleuchter in die Höhe.

rote Blumen

Märchenhafte Farbenpracht unter Mammutbäumen

Ganz unvermittelt führt der Wander­weg am Fuß des Merkurbergs in das Arboretum von Baden-Baden, auch als „Zauberwald“ bekannt. Der Beiname ist keine Übertreibung. Vor allem zur Blütezeit der Rhododendren zwischen April und Ende Mai entfaltet sich auf einer fünf Hektar großen Fläche eine märchenhafte Farbenpracht. Dahinter steckt eine spannende Baumschulgeschichte, wie der Arboretum-Gestalter Wolfgang Eberts erzählt: Ursprünglich wollte sein Vater Friedrich das Ende der 1960er-Jahre erworbene steile Wiesengrundstück dazu nutzen, unverkäufliche Bäume auszulagern und aufzupäppeln. Doch im Endeffekt sollten die Sorgenkinder ihr Lazarett nie wieder verlassen. Im Gegenteil, sie erhielten stetig Gesellschaft von vielen weiteren Exoten aus aller Welt, so dass über die Jahrzehnte eine einzigartige Sammlung heranwuchs.

Wiese mit Bäumen

Ein Schwerpunkt des Bestands sind die prächtigen Rhododendren, denen der Buntsandsteinboden exzellente Wachstumsbedingungen bietet. Darüber hinaus gibt es aber auch viele botanische Raritäten zu entdecken. Beispielsweise den Taschentuchbaum, dessen große weiße Blüten an wehende Papiertaschentücher erinnern. Der aromatische Fenchelholzbaum überrascht mit variablen Blattformen: Jedes Exemplar kann verschiedene Blätter entwickeln, von ungelappt bis dreilappig. Der Schneeglöckchenbaum macht, wie der Name es vermuten lässt, im April und Mai den heimischen Frühblühern Konkurrenz, nur dass seine weißen Glöckchen in luftiger Höhe an Zweigen baumeln. Vor Ort weisen insgesamt 26 Tafeln auf die Besonderheiten hin und werden von Wolfgang Eberts per Audio-Guide mit kurzweiligen Anekdoten und Wissenswertem ergänzt.

Auf verzweigten Pfaden zu Bambuswald und Weiher

Lange Zeit lag der Zauberwald im Dornröschenschlaf, bis die Stadt ­Baden-Baden das wilde Areal im Jahr 2021 erwarb, Mauern und Treppen instand setzte, zusätzliche Pfade anlegte und 2022 das jederzeit frei zugängliche Arboretum eröffnete. An drei Startpunkten wurden Eingangs­tafeln angebracht, die einen Überblick über das verzweigte Wege­system bieten und Flyer zum Mit­nehmen bereithalten. Abenteuerlich wird es beim Abstecher zu den tiefer gelegenen Weihern. Durch dichten Bambuswald gelangt man zum Deichelweiher, in dem einst die hölzernen Rohre (Deicheln) für die Wasserversorgung der Eckhöfe gelagert wurden. Weiter führen schmale Pfade und Holzbohlenstege zu einer Sonnenliege auf hölzernem Podest. Am Ufer des nächsten Weihers ragen seltsame Stümpfe aus dem Boden: die „Atemknie“ amerikanischer Sumpfzypressen, die den Bäumen das Überleben an feuchten Standorten ermöglichen.

Rhododendren

Abwechslungsreiches Tagesprogramm mit Wow-Faktor: prächtige Rhodo­dendren, verwunschene Weiher und Panoramablicke vom Merkur in die Rheinebene.

Aussichtsreicher Weg zum Exotenwald

Trotz der Faszination, die der Zauberwald verströmt, ist er noch fast ein Geheimtipp. Da das Arboretum weder mit dem eigenen Auto noch mit dem öffentlichen Nahverkehr direkt angefahren werden kann, erfordert der Besuch etwas Planung – und festes Schuhwerk.

Ein guter Ausgangspunkt ist die Talstation der MerkurBergbahn. Von dort aus kann der Exotenwald nach einem knapp zwei Kilometer langen, aussichtsreichen Fußmarsch erreicht werden, der sich harmonisch in das Gesamterleben einfügt. Ein eigenes Hinweisschild sucht man an der Talstation vergebens, aber die Wegweiser des Panoramawegs bringen ebenso ans Ziel: Die zweite Etappe des Premiumrundwegs mit Endpunkt Forellenhof führt mitten ins Arboretum hinein. Während der Besucherstrom vom Parkplatz und den ankommenden Stadtbussen direkt zur Talstation strömt, wird es auf dem Panoramaweg schnell einsam und idyllisch. Nur das vielstimmige Gezwitscher der Waldvögel begleitet die Wanderer. Nach ein paar Hundert Metern kommt der Wildpark der Stadt Baden-Baden in Sicht. An den Zäunen des lang gestreckten Rotwild- und Muffelgeheges vorbei führt der Weg zu den Eckhöfen. An einer Kreuzung geht es scharf links weiter zum Waldrand mit der ersten Informationstafel des Arboretums. Davor kann man noch das versprochene Panorama genießen: Der Merkurgipfel mit dem weithin sichtbaren Turm erhebt sich malerisch über Wald und Streuobstwiesen.

Weg im Wald an Wasser

Für den Besuch im Zauberwald sollte man mindestens ein bis zwei Stunden einplanen – zum Flanieren, Entdecken, Fotografieren – und auch zum Innehalten. An mehreren Orten finden sich einladende Sitz- und Rastplätze. Anschließend geht es entweder auf demselben Weg oder in einer größeren Schleife dem Wildgehege­Rundweg folgend zurück zur Talstation.

Hoch hinaus: Gipfelglück mit Einkehrschwung

Dort lockt das Sahnehäubchen des Tagesprogramms: eine Fahrt auf den 668 Meter hohen Gipfel des Merkurs. Mit Steigungen bis zu 58 Prozent zählt die MerkurBergbahn zu den längsten und steilsten Standseilbahnen in Deutschland. Oben angekommen, bietet bereits die Bergstation mit Restaurant und Terrasse eine weite Sicht in die Rhein­ebene, aber auch für das atemberaubende Panorama vom Merkurturm muss man sich am Ende des Tages nicht mehr anstrengen: Wer ausgepowert ist, kann bequem im Fahrstuhl zur 23 Meter hohen Aussichtsplattform schweben und die Blicke über Baden-Baden, den Schwarzwald, das Murgtal, die Rheinebene und die Vogesen schweifen lassen.

Gipfel des Merkurs

Einkehrtipp

Merkurstüble

Öffnungszeiten:
tägl., 10–21.30 Uhr

merkurstueble-baden-baden.de

Info

Arboretum Baden-Baden

baden-baden.com/natur/arboretum-baden-baden

Talstation MerkurBergbahn
tägl., 10–22 Uhr; Berg- und Talfahrt: 8,50 Euro (Erw.), 4,50 Euro (Kind)
Anfahrt mit ÖPNV: Haltestelle Merkurwald, Linien 204 und 205

stadtwerke-baden-baden.de/de/mobilitaet-freizeit/merkurbahn

Fotos: © Nicole Kemper