Ein Fluss, zwei Städte – Rheinfelden-Rundgang Erkunden & erleben | 05.09.2026 | Stephan Petersen
Auf der alten Rheinbrücke von Rheinfelden flattern bunte Fahnen im Sommerwind. Unter ihr glitzert der Rhein. Auf dem Inseli sitzen Menschen am Ufer, andere suchen Abkühlung im Wasser. Zwei Länder, zwei Städte mit demselben Namen – verbunden durch einen Fluss, der hier weniger trennt als zusammenführt.
Der Rundgang beginnt am Parkplatz Storchennest auf der Schweizer Seite. Schon hier zeigt Rheinfelden seine charmante Mischung aus Geschichte, Alltagsleben und Natur: Neben der alten Stadtmauer grasen Zwergziegen in einem Gehege, auf dem nahen Turm schaut ein Storch aus seinem Nest. Die ersten Mauern der Stadt entstanden bereits im Mittelalter. Einzelne Abschnitte und Tore sind bis heute erhalten. Durch das Kupfertor führt der Weg in die Altstadt und damit vom ruhigen Rand der Stadt direkt hinein in das historische Zentrum.
Enge Gassen, helle Fassaden, rote Fensterläden und Kopfsteinpflaster prägen das Bild. In der Kupfergasse und später in der Marktgasse hängen Fahnen über der Straße. Darunter stehen Tische von Cafés und Restaurants, kleine Läden öffnen ihre Türen zur Gasse. Am Obertor und am Albrechtsbrunnen wird sichtbar, wie viel Geschichte in diesem Stadtkern steckt. Rheinfelden ist eine alte Zähringerstadt. Stadtmauer, Tore und Türme erinnern bis heute an die mittelalterlichen Ursprünge. Auch das Rathaus lohnt einen Blick. Seine Fassade mit Uhr, Wappen und Bemalung wirkt repräsentativ, der Innenhof überrascht mit einer stillen Atmosphäre abseits der belebten Gassen. Gleichzeitig bleibt die Altstadt lebendig. Menschen sitzen im Schatten, Radfahrer rollen langsam vorbei, irgendwo klirrt Geschirr. So erscheint sie nicht museal, sondern ganz selbstverständlich genutzt: als Einkaufsort, Treffpunkt, Platz für die Mittagspause und Ausgangspunkt für den Weg hinunter zum Rhein.

Bunte Fahnen, helle Fassaden und Kopfsteinpflaster prägen den Rundgang durch die Altstadt von Rheinfelden.
Ein Inseli für beide Seiten
Wenig später öffnet sich die Altstadt zum Fluss. Auf der alten Rheinbrücke wehen bunte Fahnen im Wind, darunter fließt das grünlich schimmernde Wasser ruhig dahin. Die Brücke ist Grenzübergang und Aussichtspunkt zugleich. Auf der einen Seite liegt die Schweizer Altstadt, auf der anderen Rheinfelden (Baden). Doch an diesem Sommertag scheint die Grenze fast nebensächlich. Vom Brückenbereich führt ein kurzer Abstecher hinunter zum Inseli, wo sich Menschen auf Steinen und am Ufer sonnen, die Füße ins Wasser halten oder im Rhein baden. Manche kommen sichtbar direkt aus dem deutschen, andere aus dem Schweizer Rheinfelden – mit Badetasche, Handtuch und Badesachen. Genau hier wird spürbar, dass der Rhein nicht nur trennt, sondern beide Städte als gemeinsamer Freizeit- und Lebensraum verbindet.

Der Blick reicht über das Inseli und die Brücke auf beide Rheinfelder Ufer.
Von der Rheinbrücke führt der Weg hinüber nach Deutschland. Direkt am Brückenkopf steht das Haus Salmegg, eines der auffälligsten Gebäude am deutschen Ufer. Mit seiner hellen Fassade, den Fensterläden und der Terrasse zum Rhein öffnet es den Blick zurück auf die Schweizer Altstadt. Gleich daneben erinnern Skulpturen und kleine Details daran, wie eng auch diese Seite mit dem Fluss verbunden ist.
Die Kraft des Wassers erleben
Anschließend folgt man dem Uferweg rheinaufwärts. Die Perspektive verändert sich: Statt durch enge Gassen zu gehen, schweift der Blick nun über das Wasser auf Türme, Dächer und Fassaden der Altstadt gegenüber. Immer wieder laden kleine Aussichtspunkte, Bänke und Plattformen zum Verweilen ein. Eine Infotafel erläutert den Bereich um Dürrenbach und Höllhaken, wo Naturraum, Felsen und Stromschnellen die Geschichte des Rheinufers geprägt haben.
Schließlich erreicht man den Ausstellungspavillon „Kraftwerk 1898“. Er erinnert daran, dass in Rheinfelden bereits Ende des 19. Jahrhunderts Wasserkraft am Hochrhein zur Energiegewinnung genutzt wurde. 1898 ging hier eines der ersten großen Wasserkraftwerke Europas ans Netz. Zwischen historischen Fotos, einer Schalttafel und kurzen Erklärungen wird deutlich, wie eng Technik und Fluss an dieser Stelle zusammengehören. Danach verändert sich die Stimmung des Weges erneut. Der Rhein wirkt breiter, schneller und ursprünglicher. Ufergehölze, Kiesinseln und Stromschnellen bestimmen nun das Bild, das Wasser glitzert in der Sonne und rauscht hörbar über Steine und Schwellen. Informationstafeln erklären Fischaufstiegs- und Laichgewässer, die heute vielen Tierarten neuen Lebensraum bieten. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dieser Abschnitt am modernen Wasserkraftwerk Rheinfelden. Hier treffen Technik, Fluss und Natur unmittelbar aufeinander. Schwäne, Enten und andere Wasservögel lassen sich im flachen Uferbereich beobachten, während daneben der Rhein kraftvoll vorbeiströmt. So bekommt die deutsche Seite der Runde ein eigenes Profil: weniger Altstadt, dafür Energiegeschichte, Naturraum und ein überraschend wilder Hochrhein.
Über die Brücke beim Wasserkraftwerk führt die Runde zurück auf die Schweizer Seite. Noch einmal verändert sich der Blick. Hinter einem liegen Staustufe und Kraftwerksbauten, gegenüber zieht sich das deutsche Ufer entlang des Rheins. Am Schweizer Ufer fallen immer wieder kleine Fischerhäuschen auf. Sie erinnern an die alte Rheinfischerei und wirken zugleich wie stille Rückzugsorte direkt am Fluss. Schließlich führt der Weg zum Stadtpark Ost. Dort präsentiert sich Rheinfelden noch einmal von seiner sommerlichen Seite. An der Badestelle Rhy-Strand-Park sitzen Menschen am Wasser, einige schwimmen im Rhein, andere genießen einfach die Sonne. Unter der Terrasse des Park-Hotels hindurch geht es zurück in Richtung Altstadt. Von hier fällt der Blick noch einmal auf die alte Rheinbrücke. Nach dieser grenzüberschreitenden Runde wirkt der Rhein weniger wie eine Grenze denn als ein gemeinsamer Lebensraum: mit zwei unterschiedlichen Ufern, aber vielen verbindenden Wegen, Blicken und Begegnungen.
Einkehrtipp
RISTORANTE I FRATELLI
Italienisches Restaurant im historischen Haus Salmegg an der Rheinbrücke. Mediterrane Küche, italienische Weine und eine Terrasse mit Blick auf Rhein und Altstadt.
Öffnungszeiten:
Di.–Sa. 11.30–14 Uhr &
18–22 Uhr; So. 11.30–
15 Uhr; Mo. Ruhetag
Rheinbrückstraße 8
79618 Rheinfelden (Baden)
ristorante-i-fratelli.de









