Vogesen pur – Rundwanderung am Gazon du Faing Erkunden & erleben | 02.06.2026 | Stephan Petersen

Vogesen

Der Wind streicht leicht durch das hohe Gras, während Käfer über die Wiese schwirren. Kein Stimmengewirr, keine Hektik – nur das leise Summen der Natur und der weite Blick über die Vogesen bis hinüber zum Schwarzwald. Die Beine ausgestreckt im Gras, daneben eine kleine Brotzeit. Auf dieser Rundtour am Gazon du Faing scheint der Alltag für einen Moment ganz weit weg.

Die Wanderung beginnt an der Auberge du Gazon du Faing direkt an der Vogesenkammstraße Route des Crêtes. Wer früh aufbricht, erlebt die Vogesen von ihrer stillsten Seite. Über den Höhen liegt dann oft noch eine fast feierliche Ruhe, nur unterbrochen vom Wind und den ersten Vogelstimmen des Tages. Neben der Auberge führt ein schmaler Pfad hinauf in die offene Hochlandschaft. Die ersten Meter sind felsig, doch der kurze Anstieg ist schnell geschafft. Schon bald öffnet sich die Landschaft.

Blicke von Feld über Vogesen und bis zum Schwarzwald

Die abwechslungsreiche Wanderung verbindet Hochflächen, Wälder, Felsen und Bergseen – und bietet Weitblicke über die Vogesen bis zum Schwarzwald.

Zwischen Heideflächen, niedrigen Sträuchern und Granitblöcken schweift der Blick weit über die Berge. Tief unten schimmert der Lac du Forlet, eingerahmt von dunklen Wäldern. Darüber erheben sich die sanften Kuppen der Vogesen, während sich in der Ferne bereits der Schwarzwald abzeichnet. Die Landschaft wirkt weit und karg. Es sind kleine Details, die den Abschnitt besonders machen: schmale Pfade, die sich über die Hochfläche ziehen, vom Wind geformte Sträucher und einzelne Felsblöcke, die wie zufällig verstreut in der Landschaft liegen.

Schließlich hat man die Wahl zwischen dem direkten Weg über den Ringelbuhlkopf oder einem kleinen Abstecher über den Sentier panoramique. Letzterer lohnt sich unbedingt, denn dort erreicht man jene stille Wiese mit dem schönen Panoramablick, auf der der Alltag meilenweit entfernt zu sein scheint.

Mit dem folgenden Abstieg verändert sich die Stimmung. Schritt für Schritt taucht der Weg in dichteren Wald ein. Unter dem Blätterdach der Buchen fällt das Licht nur in einzelnen hellgrünen Flecken auf den Boden, während daneben dunkle Fichten und Tannen aufragen. Moosbewachsene Baumstümpfe und verdrehte Wurzeln wirken beinahe wie Fabelwesen. Der Wald präsentiert sich hier wild und ursprünglich, nur Vogelrufe und das leise Rauschen der Äste im Wind begleiten den Weg. Am Ende des Abstiegs liegt der Lac Vert dunkel und still im Wald und spiegelt Wolken, Bäume und das frische Grün der Buchen an seinen Ufern. Bevor der nächste Anstieg beginnt, lohnt es sich, einen Moment zu verweilen: auf das sich im Wind leicht kräuselnde Wasser zu schauen, die ziehenden Wolken zu beobachten und die besondere Ruhe dieses Ortes in sich aufzunehmen.

Zwischen dunklen Fichten und bemoosten Felsen

Kurz darauf erreicht man das Chalet Erichson. Mit Holzterrasse, Sitzplätzen und einem kleinen Pavillon wäre es eigentlich der perfekte Ort für eine Pause, derzeit ist die Hütte jedoch wegen Bauarbeiten geschlossen. Danach taucht der Weg erneut tief in den Wald ein. Ein stiller, wurzeliger Pfad schlängelt sich zwischen dunklen Fichten und bemoosten Felsen hindurch, bis sich die Landschaft am Lac du Forlet wieder öffnet. Der Gletschersee liegt eingebettet zwischen Fichtenhängen und felsigen Höhenzügen. Am Ufer blühen Sumpfdotterblumen und zarte Wiesenschaumkräuter, während gelbgrüne Pollenmuster langsam über das Wasser treiben. Mehrere Angler versuchen hier geduldig ihr Glück. Direkt am See lädt die Ferme Auberge du Forlet zu einer kleinen Rast ein. Allzu üppig sollte diese allerdings nicht ausfallen – denn danach wartet bereits der nächste Abschnitt der Tour: ein sportlicher, etwa 30-minütiger Anstieg hinauf zum Höhenkamm. Am besten geht man in einem ganz geruhsamen Tempo. Es lohnt sich, immer wieder eine kleine Verschnaufpause einzulegen und die fantastische Aussicht auf den See und die steilen Felswände zu genießen.

Lac du Forlet

Malerisch: Der Lac du Forlet, eingebettet zwischen Wald Felsen und Bergwiesen.

Nordische Atmosphäre, still und herb

Oben angekommen verändert sich die Landschaft erneut. Der Pfad verläuft nun nahezu eben durch einen lichten Wald, zwischen Steinen, Wurzeln und Heidelbeersträuchern hindurch. Die Bäume sind hier deutlich kleiner als weiter unten, geprägt von Wind, Höhe und dem raueren Klima. Still, herb und fast schon skandinavisch ist die Atmosphäre.

Auf schmalen Pfaden durchs Hochmoor

Hinter dem Wald öffnet sich schließlich die weite Landschaft der Hautes Chaumes. Die Bäume verschwinden zunehmend und machen einer offenen Hochmoor- und Heidelandschaft Platz. Zwischen Heidekraut, Wollgras und trockenem Gras ziehen sich schmale Pfade und Holzstege durch die geschützte Natur des Gazon du Faing. Besonders bei wechselhaftem Wetter, wenn tiefhängende Wolken über die Höhen ziehen, wirkt die Landschaft fast wie im hohen Norden – still, weit und ursprünglich.

Eine Informationstafel am Weg erklärt die besondere Geschichte des Hochmoors. Früher wurde hier Torf als Brennstoff abgebaut, heute steht das empfindliche Gebiet unter Naturschutz. Typisch für diese feuchten Hochlagen sind Pflanzen wie das Wollgras mit seinen watteartigen weißen Büscheln und Heidelbeersträucher, die im Sommer zahlreiche Früchte tragen.

Wollgras

Typisch für die feuchten Hochlagen der Hautes Chaumes ist das Wollgras mit seinen weißen, watteartigen Büscheln.

Die Hautes Chaumes gehören zu den faszinierendsten Landschaften der Vogesen. Windgeformte Bäume, offene Moorflächen und die besondere Vegetation verleihen dem Gebiet eine ganz eigene Atmos­phäre, die sich deutlich von den tieferen Waldabschnitten unterscheidet. Gerade dieser Wechsel macht den Reiz der Rundwanderung aus, die auf relativ kurzer Strecke erstaunlich viele Gesichter der Vogesen zeigt: panoramareiche Hochflächen, verwunschene Waldpassagen, atmosphärische Seen und empfindliche Moorlandschaften.

Schließlich erreicht man wieder den Ausgangspunkt an der Auberge du Gazon du Faing. Und spätestens jetzt hat man sich ein Stück des hausgemachten Blaubeerkuchens verdient – die perfekte Belohnung nach einem Tag zwischen Bergseen, Moor, Wald und weitem Himmel.

Einkehrtipp

Auberge Gazon du Faing

Auberge Gazon du Faing

Auf 1300 Metern Höhe direkt an der Route des Crêtes gelegen, ist die Auberge bei jedem Wetter ein perfekter Einkehrort: ob am urigen Kachelofen oder mit Fernblick auf der großen Terrasse. Legendär: die köstliche Tarte aux Mytrilles. Aber auch deftige Klassiker wie ein Repas Marcaire machen glücklich satt.

1 Chaume du Gazon du Faing
88230 Le Laltlin
Tel.: +33 (0) 673 / 10 62 78
facebook.com/gazondufaing

Info

Start & Ziel: Auberge
Gazon du Faing ­(Route des Crêtes)
Dauer: ca. 3–4 Stunden
Länge: 9,5 Kilometer
Auf- und Abstieg: ca. 360 Höhenmeter

Fotos: © Stephan Petersen, Auberge Gazon du Faing