Dreiländer- Frühling: Kleiner Dreiland-Radweg Erkunden & erleben | 20.03.2026 | Nicole Kemper

Von urwüchsig bis urban: Die Streckenführung des Kleinen Dreilandrundwegs ist durchgängig steigungsfrei und bietet abwechslungsreiche Naturerlebnisse. Von urwüchsig bis urban: Die Streckenführung des Kleinen Dreilandrundwegs ist durchgängig steigungsfrei und bietet abwechslungsreiche Naturerlebnisse.

Drei Länder, ein Fluss und unzählige Eindrücke: Der Kleine Dreiland-­Radweg führt auf leichter Strecke durch Rheinauen, Dörfer und Städte. Auf der 40 Kilometer langen Rundtour können Fahrrad­fahrer Natur und Kultur der Grenzregion intensiv erleben.

„Petite boucle de trois pays“ steht über dem roten Dreieck des Fahrradwegweisers, darunter die deutsche Version „Kleiner Dreiland-­Radweg“. Wer bei „boucle“ an hügelreiches Gelände oder Buckelpisten denkt, liegt falsch: Das französische Wort steht für Schleife und bedeutet in diesem Zusammenhang Rundweg – die Dreilandtour verläuft nahezu steigungsfrei auf Rheinniveau, durchgängig auf Asphalt oder auf gut befahrbaren Kiespisten.

Vom Startpunkt, dem Bahnhof in Weil am Rhein mit seiner mondänen Dreiländergalerie, bis zum ersten Durchatmen im Grünen sind es nur wenige hundert Meter Fahrt. Hinter dem Umschlagbahnhof führt der Radweg in das Naturschutzgebiet Krebsbachtal, ein urwüchsiges Refugium inmitten dichter Bebauung. Der Auenwald mit seinen zahlreichen Quellen und Tümpeln bietet einen wichtigen Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Mit Vogesenblick die Kander entlang

Im angrenzenden Stadtteil Hal­­tingen passiert der Radweg die Bahnlinie durch eine Unterführung. Bis nach Eimeldingen geht es nun pa­rallel zu den Gleisen gen Norden. Hinter dem Ortsausgang trifft der Radweg auf den Fluss Kander, und mit dem Richtungswechsel nach Westen kommen die Vogesen in den Blick. Während die Kander den direkten Weg in den Altrhein nimmt und damit ihren 30 Kilometer langen Lauf von der Quelle auf dem Blauen bis zur Mündung beendet, führt der Radweg weiter Richtung Westen.

Meditation am Rheinseitenkanal

Zunächst begleitet die Strecke die Autobahn, ehe bei der Wehranlage von Kembs der Altrheinarm überquert wird – und damit die Grenze nach Frankreich. Der Über­gang ist Radfahrern und Fußgängern vorbehalten und führt auf die Île de Rhin, die französische Rhein­insel. Eine große Informationstafel macht darauf aufmerksam, dass die Insel bereits Teil der „Petite Camargue Alsacienne“ ist, dem ­ältesten Naturschutzgebiet im Elsass. Spaziergänger können die Insel auf verschiedenen Themenrundwegen zwischen drei und zwölf Kilometer Länge erkunden. Für die Radler beginnt hier ein meditativer Abschnitt des Dreiland-­Radwegs. Entlang des Rheinseiten­kanals geht es mehrere Kilometer eben und autofrei geradeaus. Vogelobservatorien am Wegesrand bieten die Möglichkeit, vom erhöhten Aussichtspunkt einen Blick in das von Wasserarmen und Teichen durch­zogene Inselinnere zu werfen und dem Treiben der Wasservögel zuzuschauen und zu lauschen. Überdachte Sitzbänke laden zum Verweilen ein.

Nach rund fünf Kilometern ist die Schleusenanlage in Kembs und damit die Brücke zum französischen „Festland” erreicht. Etwa 15.000 Binnenschiffe passieren die imponierende Anlage jährlich, deren Fallhöhe zwischen 4,87 und 7,17 Meter liegt. Teile der Anlage haben heute historischen Wert: Zwei Betriebsgebäude wurden Anfang der 1960er-Jahre vom Architekten Le Corbusier entworfen und stehen seit 2005 unter Denkmalschutz. Direkt an der Schleuse gibt es die Möglichkeit zur Einkehr.

Am Canal de Hunigue entlang ist 
bald der Eingang zum Kern­gebiet der „Petite Camargue Alsacienne“ ­erreicht.

Am Canal de Hunigue entlang ist bald der Eingang zum Kern­gebiet der „Petite Camargue Alsacienne“ ­erreicht.

In den Auenwäldern des Rheins

Hinter der Schleuse trifft der Radweg auf den Canal de Huningue, den er neun Kilometer lang begleitet. Auf diesem Abschnitt teilt der Dreilandradweg die Wegweisung mit der EuroVelo-Route Atlantik – Schwarzes Meer (EV6) und dem linksrheinischen Teil des Rheinradweges (EV15). Unter Bäumen geht es am milchig-grünen Wasserlauf erneut schnurgeradeaus zum alten Schleusenwärterhaus.

Das historische Gebäude stand nach der Stilllegung des Kanals in den frühen 1960er-Jahren lange Zeit leer, wurde 2010 renoviert und dient heute als Informa­tions-
zentrum des Naturschutzgebiets. Radfahrer finden hier nicht nur Getränke und Zugang zu den Toiletten, sondern können bei Bedarf an der Servicestation auch Luft in ihre Reifen pumpen oder an den
Picknicktischen ihr Vesper auspacken. Von dieser Eingangspforte aus gelangt man direkt in das Kerngebiet der „Petite Camargue Alsacienne“.

Das Hauptgebäude der ehemaligen Kaiser­lichen Fischzucht im Chalet-Stil

Das Hauptgebäude der ehemaligen Kaiser­lichen Fischzucht im Chalet-Stil.

In der ehemaligen Kaiserlichen Fischzucht aus der Zeit Napoleons III lädt eine Dauerausstellung dazu ein, die Entwicklung des Rheins entlang multimedialer Stationen zu erkunden. Rund um die Fisch­zuchtanlagen führt ein beschildertes Wegenetz über Brücken und Holzbohlenwege durch das Gewirr von Grundwasserquellen, Bachläufen und Tümpeln. Die großen Objektive und Ferngläser der entgegenkommenden Fußgänger verraten: Die Petite Camargue ist ein Hotspot für Fotografen und Vogelkundler. Rund 180, teils seltene, Vogelarten leben hier.

Vom Naturparadies in die Stadtlandschaft

Nach dieser intensiven Natur­erfahrung ist es fast schon befremdlich, nach der Weiterfahrt am Kanal wieder auf den Rhein zu stoßen. Entlang der Skyline von Basel führt der Weg über die Schweizer Grenze. Der Rhein zeigt hier sein urbanes Gesicht – mit Wolkenkratzern und Industrieanlagen, Passagierschiffen und Lastkähnen. In der Altstadt verlässt der stark frequentierte Radweg das Ufer und führt steil hinauf zum Münster, das mit seinem Aussichtsplateau eine schöne Gelegenheit bietet, eine letzte Verschnaufpause einzulegen und den erhöhten Blick auf die Stadt zu genießen.

Die letzte Etappe führt in leichtem Bogen über die Kraftwerkinsel in Birsfelden nach Klein-Hüningen und schließlich ein letztes Mal über eine Landesgrenze. Mit dem Eintritt ins Stadtgebiet von Weil am Rhein schließt sich der Kreis dieser sehr abwechslungsreichen Dreiländer-­Tour.

Rheinblicke gibt‘s später vom Basler Münster

Rheinblicke gibt‘s später vom Basler Münster.

Info
Rundtour Kleiner Dreiland-Radweg
Länge: 41 Kilometer
Start & Ziel: Weil am Rhein
Verlauf: Haltingen – Village-Neuf – Petite Camargue – Huningue – Basel
ÖPNV: Bahnhöfe Basel, Weil am Rhein (Achtung: wegen langjähriger Umbaumaßnahmen nicht barrierefrei – Kraftakt für E-Bikes!), Haltingen, Eimeldingen

Einkehrtipp
Brasserie Le Chalet Rhin & Découverte
Les écluses de KEMBS
Grand canal d’Alsace, 68128 Rosenau
www.rhinetdecouverte.com
Direkt an der Schleusenanlage von Kembs gelegen, bieten sich von der überdachten Terrasse spannende Ausblicke auf den Schiffverkehr. Es gibt ein Tages­menü und Gerichte für den kleinen Hunger.
Öffnungszeiten: Mi., Do., Fr.: 10–15 Uhr, So.: 10–18 Uhr

Fotos: © Nicole Kemper