Winterzauber mit Weitsicht – Winterwanderung von St. Märgen nach St. Peter Erkunden & erleben | 06.12.2025 | Marianne Ambs

Am schönsten ist die aussichtsreiche Wanderung, wenn Schnee liegt – zumindest ein bisschen. Aber auch ohne die weiße Pracht erschließen sich dem Wanderer auf zumeist ebenen und im Winter präparierten Wegen zwischen St. Märgen und St. Peter bezaubernde Panoramablicke. Nebenbei gibt es eine Geschichtsstunde über die klösterliche Vergangenheit im Schwarzwald.

Wir reisen mit dem Bus aus Richtung Glottertal an. Auf der kurvigen Busfahrt nach St. Märgen bekommen wir einen ersten Eindruck von den malerisch geschwungenen Berghöhen auf dem Schwarzwald-Hochplateau. An der Haltestelle Post/St. Märgen startet die Tour. Wer vor der rund dreistündigen Wanderung eine Stärkung braucht, dem sei die Einkehr ins Landfrauencafé „Goldene Krone“ empfohlen. Das 1753 erbaute Gebäude, erst Klosterherberge später Grand Hotel, wurde durch das Engagement der St. Märgener Bürgerinnen und Bürger vor dem Abriss bewahrt. Als sich kein Pächter für ein Café fand, machten die örtlichen Landfrauen Nägel mit Köpfen: Sie gründeten eine Genossenschaft und betreiben seit 2012 das Café in Eigenregie. In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre tischen sie süße und deftige Köstlichkeiten auf. Liebhaber sollten unbedingt die vielleicht leckerste hausgemachte Schwarzwälder Kirschtorte probieren.

Vogesenkapelle-St.-Peter

Das Hochplateau im Winterkleid. Die Kapellen entlang des Weges erzählen Geschichten.

Einblick in die Klostergeschichte

Nach der süßen Einkehr sind wir gut gerüstet für die Tour nach St. Peter. Bevor es bergauf zum Waldrand geht, machen wir noch einen Abstecher zur nahegelegenen Klosteranlage von ­
St. Märgen, mit der barocken Klos
terkirche Mariä Himmelfahrt, dem Klostergarten und dem Klostermuseum, in dem neben der Klostergeschichte auch die Schwarzwälder Uhrengeschichte aufgerollt wird.

Warm eingepackt geht es dann von der Ortsmitte an der Hauptstraße entlang Richtung Hotel Hirschen. Beim „Hirschen“ biegen wir nach links in den stetig ansteigenden Landfeldweg Richtung Rankmühle ab. Nach der Mühle geht es an der Wassertretstelle wieder nach links auf die Straße, die bergauf bis zum Waldrand führt. Obwohl erst seit wenigen Minuten unterwegs, ist klar: Die Fahrt nach St. Märgen hat sich gelohnt. Eine weiß gepuderte Decke erstreckt sich über die Hoch­ebene, in der Ferne sind Wälder und Hofstellen zu sehen. Der weite Pano­rama­blick begleitet uns bis zur Abzweigung, an der wir linker Hand in den winterlichen Wald eintauchen.

schneebedeckter-waldboden

Durch verwunschene Wälder und offene Felder geht es nach St. Peter.

Im verwunschenen Wald

Bald erreichen wir die Kapfenkapelle, mit 1028 Meter höchster Punkt der Wanderung, wo die Aussicht auf die Schwarzwaldgipfel vom Thurner über den Feldberg bis zum Kandel uns begeistert. Hier laden Bänke zu einer kleinen Rast ein. Gut, dass der Rucksack gut gefüllt ist mit einer Kanne warmem Tee und dick belegten Vesperbroten. Nach der kurzen Pause wandern wir weiter zum „Roten Kreuz“. Das Holzkreuz am Waldrand war früher rot gestrichen und der Name hat bis heute überdauert. Von dort geht es nach links und dann immer geradeaus durch den Wald. Eine verwunschene Landschaft entspinnt sich vor dem Auge: Hohe Tannen und Fichten ragen in den grau verhangenen Himmel. Die Schritte knirschen auf der dünnen Schneedecke. Bemooste Baumwurzeln ragen knorrig in die Höhe. Diese Strecke gleicht in nichts den ersten Kilometern der Wanderung mit weitem Panoramablick. Hier könnte jederzeit ein mystisches Waldwesen oder eine Waldfee hinter Bäumen hervorlugen, ein Reh aufgeschreckt davonhüpfen. Die Gespräche verstummen, wir lassen der Fantasie freien Lauf, bis wir nach etwa zehn Minuten das Ende des Waldstücks erreichen. Wir kommen an eine Kreuzung und biegen nach rechts ab. Jetzt geht es auf der Straße weiter am Waldrand entlang.

Personen im Schnee

Blick zu den Vogesen

Bald betreten wir wieder den Wald. Wir sind gut in der Zeit, die dünne Schneedecke stellt kein Hindernis dar: So entschließen wir uns zu einem kleinen Abstecher zur Vogesenkapelle auf einer Waldlichtung auf 1015 Metern Höhe. Ein Schild in der 1938 erbauten Kapelle erklärt, woher der Name kommt. Leopold Hättich vom nahgelegenen Reinerhof, der im Ersten Weltkrieg im Elsass kämpfte, hat die Kapelle gestiftet. Am 16. Januar 1915 blickte er in der Abenddämmerung von Aspach-le-Bas im Oberelsass Richtung Schwarzwald. Durch das klare Wetter konnte er die Schwarzwaldhöhen und, wie er berichtete, sogar seinen eigenen Hof bei St. Märgen ausmachen. Hättich legte das Gelübde ab, er wolle, würde Gott den Schwarzwald und seine Menschen vom Krieg verschonen, nach seiner Rückkehr eine Kapelle „zu Ehren des göttlichen Herzens Jesu“ errichten. Bei klarer Sicht sind von hier aus die Vogesen besonders gut zu sehen.

Zurück auf dem Wanderweg folgt ein längeres Stück durch den Wald bis zum Wanderparkplatz „Potsdamer Platz“. Von hier aus wandern wir weiter durch sanfte Hügel stetig bergab Richtung St. Peter, die barocke Basilika mit den beiden Zwiebel­türmen immer im Blick. Müde Wanderer können schon an der Bushaltestelle St. Peter/Schmiede den Bus Richtung Glottertal besteigen. Wer noch Puste hat, wandert die letzten Kilometer bis St. Peter, wo die Besichtigung der Klosteranlage und der Wallfahrtskirche mit ihrer roten Sandsteinfassade die in St. Märgen gewonnenen Erkenntnisse zur Klostergeschichte im mittleren Schwarzwald ergänzt.

Info

Von St. Märgen nach St. Peter

Start: Rathaus St. Märgen
Ziel:
St. Peter, Bushaltestelle Schmiede oder Zähringer Eck, Bus 7205 Richtung Glottertal
Dauer:
circa 3 Stunden
Länge:
rund 9 Kilometer
Aufstieg:
142 Meter
Abstieg:
323 Meter

Einkehrtipps

Landfrauencafe-St.-Märgen

Landfrauencafé „Goldene Krone“

Wagensteigstraße 10
79274 St. Märgen
Tel.: 07669/9399988

www.cafe-goldene-krone.de

Hotel Restaurant zur Sonne

Zähringer Straße 2
79271 St. Peter
Tel.: 07660/9401-0

www.sonne-schwarzwald.de

Täglich geöffnet außer montags
Heimatland-Laden geöffnet:
Di. bis So. 10–17 Uhr

Fotos: © Hochschwarzwaldtourismus GmbH, Schwarzwaldtourismus GmbH, Marianne Ambs