Facettenreiche Verwandlungskünstler – Schillernde Insekten-Makrofotografien im Museum Natur und Mensch Ausstellung | 15.08.2025 | Erika Weisser
Oleanderschwärmer
Eine ungewöhnliche Ausstellung gibt es derzeit im Freiburger Museum Natur und Mensch: In drei Sälen, deren Wände mittels großblumiger Tapeten in Sommerwiesen verwandelt wurden, zeigen sich auf großen Tafeln Schmetterlinge, Bienen, Heuschrecken, Käfer und andere Insekten von ihrer schönsten Seite. Oder besser – von allen Seiten: Fotograf Janosch Waldkircher hat die schillernden, in der Natur für allerlei biologische Abläufe zuständigen Tierchen aus verschiedenen Blickwinkeln ins Bild gebannt.
Der Freiburger Nature Photographer kam „durch Zufall in den Besitz einer Käfersammlung“. Und fand die sechsbeinigen, geflügelten und mit Kopffühlern ausgestatteten Präparate so schön, dass er sie in verschiedenen Positionen fotografierte. Aus den sehr detaillierten Aufnahmen montierte er mit der ziemlich komplizierten Technik der Makrofotografie dann die Bilder, die im 3. Obergeschoss ausgestellt sind. „Mosaike aus vielen Einzelbildern, die zusammen ein großes Bild ergeben“, beschreibt er seine Werke, die wie barocke Stillleben anmuten.

Regenbogenfalter
Wie die in leuchtenden Farben geheimnisvoll schillernden Krabbler und Flieger wirklich aussehen, offenbart sich Besucher·innen in einer Vitrine am Eingang zur Ausstellung. Dort sind alle als Fotomodelle dienenden Originalpräparate versammelt – in Originalgröße und weder durch Facettenaugen noch durch moderne Fototechnik in Einzelteile zerlegt. Es empfiehlt sich, einen längeren Blick auf die nummerierten, oftmals ganz kleinen Tierchen zu werfen, bevor es in die eigentliche Ausstellung geht: Die mögliche Ernüchterung über die Diskrepanz zwischen Werk und Modell bleibt aus, stattdessen stellt sich Bewunderung ein für die ganz große Kunst, die hier präsentiert wird.
Ein Blick in das Booklet – samt Handyfoto – ist außerdem hilfreich beim Flanieren durch die Säle: Wer sich die Namen der darin aufgelisteten nummerierten Vitrinen-Exponate merkt, kann sie auf den ebenfalls mit Nummern versehenen Fotos wiedererkennen und benennen. Denn leider sind direkt bei den auf schwarze Holztafeln aufgezogenen und vielfach vergrößerten Fotografien weder Namen noch sonstige Erläuterungen zu finden.
Und auch die Angaben zu den schwungvoll auf den Fußboden projizierten Themenbereichen wie etwa „Verwandlungskünstler“, „Gefährlichkeit“, „Gefährdung“ oder „Wunderstoff Chitin“ muss man sich recht mühsam aus zusammengetackerten Blättern zusammensuchen. Das ist aber das einzige Manko der Ausstellung, die nicht nur auf die schillernde Schönheit, sondern auch auf die tierische Wichtigkeit der Insekten für das Überleben des gesamten Ökosystems und damit der Menschheit aufmerksam machen soll. Sehr sehenswert – man sollte viel Zeit mitbringen. Oder zweimal hingehen. Die Ausstellung läuft bis 11. Januar 2026.
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