Rätselhafte Silberlinge – Sonderausstellung im Archäologischen Museum Freiburg Kunst & Kultur | 15.08.2025 | Erika Weisser
Mehr als 700 Jahre lagerten sie in der Erde: Einseitig geprägte, etwa einen Zentimeter kleine und drei Gramm leichte Silbermünzen, die im Frühsommer 2024 bei Erdarbeiten beim Schwimmbad im Glottertal gefunden wurden. Nun sind die 1600 Pfennige als Leihgabe im Freiburger Archäologischen Museum Colombischlössle zu bewundern.
Auf den ersten Blick sind die Münzen alles andere als „spektakulär“, wie der Archäologe Andreas Haasis-Berner vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) den zufälligen Fund nennt. Eher unscheinbar liegen sie, nach ihren drei verschiedenen Prägemotiven sortiert, in einer schlichten Wandvitrine. Über jedem Häufchen ist in Vergrößerung das jeweilige Motiv abgebildet. Mit diesen lassen sich die Prägestätten eindeutig identifizieren: Freiburg, Basel und Zofingen im Aargau. Doch in dem Silberschatz steckt eine Menge Geschichte, die noch zu erforschen ist.

Heute wächst Mais, wo Claus Völker (r.) in einer Baugrube Münzen entdeckte – und den Fund Andreas Haasis-Berner (l.) meldete.
Ein Vermögen in Pfennigen
Der Fund der dünnen Silberblechpfennige, die um 1320 dem Jahreseinkommen eines Pfarrers oder dem Kaufwert von 150 Schafen entsprachen, gibt Rätsel auf: Aus welchem Grund hat der seinerzeitige Besitzer das Geld gerade dort vergraben? Lebte er mit seiner Familie in der einstigen dortigen Bergbausiedlung und kam bei Unruhen um die Ausbeutungsrechte der Glottertäler Silbererzvorkommen um? War er auf der Flucht oder der Durchreise? Oder starb er an der bald darauf ausgebrochenen Pest und niemand wusste von dem Vermögen?

Einst wohl eine mittelalterliche REGIO-Währung: die Glottertäler Silberpfennige.
Sorgfältig deponierter Münzschatz
Fest steht hingegen, dass das Geld in einem Behälter aus organischem Material deponiert war. Haasis-Berner denkt an eine Wolltasche oder an einen Lederschlauch, die im Lauf der Zeit verrotteten. Darauf lasse die Tatsache schließen, dass die silbernen Zeitzeugen im Erdaushub dicht beieinander lagen.
Dass sie überhaupt entdeckt wurden, ist der Aufmerksamkeit von Claus Völker zu verdanken, der ehrenamtlich für das LAD tätig ist. Er hatte im Erdhaufen ein paar Münzen erblickt und Haasis-Berner informiert. Gemeinsam wühlten sie sich durch den Schlamm – und hatten schließlich ein überraschendes Ergebnis auf dem Tisch: Offenbar existierte im heutigen Dreiländereck schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein gemeinsamer Wirtschaftsraum.
Wechselkursfreier Wirtschaftsraum
In dem gesamten Raum seien die nun gefundenen Pfennige „gleichwertig gültig im Umlauf gewesen“, sagt Haasis-Berner. Vergleichbare frühere Münzfunde bei Basel und Colmar belegten dies. Dieser wechselkursfreie Wirtschaftsraum soll nun weiter erforscht werden. Ein weiteres Forschungsprojekt richtet sich auf die Herkunft des Silbers: Anhand von Anhaftungen seltener Erden werde untersucht, aus welchen Bergbaugebieten in der REGIO das Silber wohl stammt.
Info
Archäologisches Museum Colombischlössle
Bei einer Führung mit Andreas Haasis-Berner können Interessierte mehr über Fundumstände und Wert des Schatzes erfahren.
Termine: Mittwoch, 30. Juli, 13. und 27. August, jeweils 17.30 Uhr
www.museen.freiburg.de










