Was lange währt – Neustart fürs Augustinermuseum Kunst & Kultur | 13.04.2026 | Erika Weisser

Augustinermuseum Schatzkammer In der Schatzkammer sind regionale Kostbarkeiten zu bewundern.

Am letzten Tag des Monats Februar wurde nach langer Sanierungszeit das mitten in Freiburg gelegene Augustinermuseum vollständig für Besucher eröffnet.

Und diese strömten schon in der ersten Woche in Scharen in den vor 800 Jahren errichteten Gebäudekomplex: 20.000 Gäste wurden gezählt, 7000 allein am Eröffnungswochenende – ein erfolgreicher Start.

Alles begann mit einem Mauerdurchbruch: Kaum hatte der Freiburger Gemeinderat im April 2002 den Grundsatzbeschluss zu Sanierung und Umbau des Augustinermuseums gefasst, griff der damalige Oberbürgermeister Rolf Böhme beherzt zum Vorschlaghammer. In einer seiner letzten Amtshandlungen schlug er ein Loch in die Wand zwischen der an der Salzstraße gelegenen früheren Kirche und dem einstigen Konventsgebäude der historischen Klosteranlage: Alle Teile des Ensembles sollten in ein großes und modernes Museum integriert werden.

Das bisherige Augustinermuseum war hauptsächlich im riesigen Innenraum eben dieser Kirche untergebracht. Dort war es 1923 eröffnet worden und präsentierte zunächst die 1861 angelegte „städtische Alterthümersammlung“. Später wurde der Bestand durch weitere Sammlungen mit Werken der Kunst des Mittel­alters bis ins 19. Jahrhundert ­erweitert. Zuvor, von 1823 bis 1910, hatte das Stadttheater seinen Spielort in diesem Teil der Gesamtanlage, die Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation von kirchlichem in städtischen Besitz übergegangen war. Bereits 1783 hatten die letzten Mönche das Kloster verlassen, in dem ihr Orden der Augustinereremiten 500 Jahre lang ansässig gewesen war.

Böhmes handfeste Aktion hatte indessen symbolischen Charakter: Sie setzte ein markantes Zeichen dafür, dass die im Laufe der Jahrzehnte immer wieder gehegten – und verworfenen – Pläne zu einer einheitlichen Nutzung des historischen Ensembles nun endlich umgesetzt würden. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen erst 2004.

Zuvor war das Gesamtprojekt in drei Bauabschnitte aufgeteilt worden: Der erste Abschnitt konzentrierte sich auf die Klosterkirche; sie wurde als Skulpturenhalle neu gestaltet und durch einen großen Ausstellungsraum im Untergeschoss ergänzt. Auch das Dach und der schon ziemlich geschädigte Dachstuhl wurden umfassend ­saniert, dort wurde eine Gemälde­galerie eingerichtet. Nach einer längeren Schließzeit eröffnete dieser Bauabschnitt im Jahr 2010.

Kreuzganginnenhof Augustinermuseum

Im Kreuzgang gibt‘s ein Café mit Sitzplätzen im Innenhof.

Bald darauf folgte der zweite Bauabschnitt: Zwischen 2013 und 2016 entstand aus dem früheren Torhaus das sehr moderne Haus der Graphischen Sammlung mit seiner außergewöhnlichen Kleinodien-Treppe, die allein schon ein eigenes Kunstwerk darstellt. In diesem Gebäudeteil befinden sich außerdem der Museumsshop, Lagerräume und ein sowohl vom Augustinermuseum als auch vom Museum für Neue Kunst zu nutzender Saal für Kabinettausstellungen.

Kunstwerk, das Kunst beherbergt

Der dann folgende dritte Bauabschnitt, der das Konventsgebäude und dessen zwei Innen­höfe betraf, erwies sich als der schwierigste und langwierigste Teil der Sanierung. Da die meisten Räume seit Jahren nicht mehr genutzt worden waren, hatte sich der Zustand der vorhandenen Bausubstanz zusehends verschlechtert. Das führte zu Komplikationen – und zu Verzögerungen der Arbeiten. Außerdem verteuerten Rückschläge wie etwa der Pilzbefall in einem frisch sanierten Abschnitt das ganze Projekt: Insgesamt dauerte die Umsetzung 22 Jahre und verschlang rund 95 Millionen Euro. Er habe in dieser Zeit „so manches graue Haar bekommen“ sagte Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach bei der Eröffnung. Er war während seiner 24 Jahre währenden Amtszeit eng mit dem Augustinermuseum befasst.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Heute präsentiert sich das Haus in neuem Glanz. Das historische Mauerwerk blieb erhalten, während im Innern ein moderner Museumsbau entstand, ein „Haus im Haus“, das internationalen Museums-Standards entspricht. Die Ausstellungsfläche umfasst nun 3400 Quadratmeter – doppelt so viel wie bisher. Auch inhaltlich hat sich das Museum erweitert, neue Abteilungen widmen sich der Stadtgeschichte und dem Schwarzwald sowie den Themen Klöster und Religion. Im wunderschönen Gewölbekeller befindet sich eine Schatzkammer mit mittelalterlichen Wandteppichen und anderen Kostbarkeiten. Aber es wird auch aktuell: Ein eigener Bereich beschäftigt sich mit Revolution und Protest – von 1848 bis heute. Und der große FREI_raum im zweiten Obergeschoss des Mittelbaus dient als Plattform für zeitgemäße und zeitbezogene Sonderausstellungen, die gemeinsam mit Akteuren der Stadtgesellschaft konzipiert werden.

Ein „Kunstwerk, das Kunst beherbergt“, nannte Museumdirektorin Jutta Götzmann das Haus, das alle Voraussetzungen habe, sich zum zentralen Kulturort in der REGIO zu entwickeln.

Fotos: © Marc Doradzillo; Patrick Seeger